Moral und Gefühl

Moral, Ethik, Werte, Normen sind verschiedene Bezeichnungen für Spielregeln, an denen wir unsere Entscheidungen orientieren, um ein gutes, glückliches und erfolgreiches Leben zu führen. Diese Spielregeln lassen wir uns nicht von irgend jemand, sei es ein Gott, ein Philosoph, eine Mehrheit, ein Kollektiv oder ein Politiker, vorschreiben. Wir bestimmen diese Spielregeln jeder selbst anhand seines Wissens. Wir sind jeder ein einzigartiges Individuum, deshalb entscheidet jeder selbst über seine Moral.

Wer sich nicht für eine Moral entscheidet, hat dennoch eine Moral. Welche Moral das ist, zeigen die Gefühle. Gefühle bewerten Ereignisse, die wir erleben und Handlungen, die wir durchführen. Wonach werten Gefühle? Richtig, unsere Moral ist der Maßstab.

Unsere Gefühle sind Ausdruck unserer tatsächlichen - nicht unserer verkündeten - Moral. Sie sind energetischer Ausdruck der Werte, von denen wir überzeugt sind. Wer verkündet, dass er ein ehrlicher Mensch sei, aber ein kleines Gefühl der Freude empfindet, weil seinem Nachbarn der Familienschmuck geraubt wurde, ist eben faktisch kein ehrlicher Mensch.

Jeder Mensch zeigt seine Moral entsprechend dem Gesetz der beobachtbaren Präferenzen:

Wenn du wissen willst, was ein Mensch will,
hör nicht auf das, was er sagt,
sondern schau dir an, was er tut.

Moralische Spielregeln haben die Form: Du sollst ... Was rechtfertigt diese Forderung? Jedes Sollen wird begründet durch ein Wollen. Wenn ich will, dass gegen mich keine Gewalt angewendet wird, dann soll gegen mich keine Gewalt angewendet werden. Das Problem ist natürlich, dass andere Menschen mein Wollen nicht als ihr Sollen akzeptieren müssen. Deshalb müssen meine moralische Spielregeln die Interessen anderer Menschen berücksichtigen: Für sie muss das gleiche Wollen gelten können, wie für mich, und für sie muss das gleiche Sollen gelten, wie für mich.

"I need no warrant for being,
and no word of sanction upon my being.
I am the warrant and the sanction.
"
(Ayn Rand, Anthem)