Das Leben spielen

Wer das Leben ernst nimmt, spielt es,
denn nur wer Leben spielt, lernt leben.

Wenn man das Leben ernst nimmt, kann man es nur spielen. Das ist keine Wahrheit. Das ist nicht einmal eine Position, über die ich mich streiten würde. Es ist einfach die Beschreibung des Lebens, die ich am interessantesten finde. Andere Menschen finden andere Beschreibungen interessant. Das ist gut so.

Die Frage ist nicht mehr, was ist der Mensch? und was soll er tun?, sondern: was können wir versuchen, aus uns zu machen?

Wahrheit - wie ist die Welt wirklich?

Ein völlig uninteressantes Thema. "Die Rose ist rot", das ist wahr. Was fügt, "das ist wahr", der Aussage, "die Rose ist rot", hinzu? Nichts.

  • "Ist die Rose wirklich (in Wahrheit, real) rot?"
  • "Ich sehe eine rote Rose".
  • "Ja, aber ist die Rose WIRKLICH rot?"
  • "Was meinst du mit 'wirklich'?"
  • "Na nicht nur scheinbar, sondern in der wirklichen Wirklichkeit. Die Rose ist wirklich rot, wenn sie, unabhängig davon, was du denkst oder siehst, rot ist".
  • "Ich habe keine Ahnung, wie etwas, unabhängig davon, was ich sehe oder denke, beschaffen sein könnte."
  • "Dann weißt du also nicht ob die Rose wirklich rot ist."
  • "Korrekt. Du sagst, daß Wirklichkeit etwas sei, was unabhängig davon, was ein Mensch denkt oder wahrnimmt, so ist wie es ist. Damit hast Du eine Bedingung für Wirklichkeit genannt, die kein Mensch je erfüllen kann. Folglich ist Wirklichkeit ein völlig bedeutungsloser Begriff."
  • "Hm, sehe ich ein. Machen wir es anders. Die Rose ist wirklich rot, wenn alle Menschen sie rot sehen."
  • "Woher willst du wissen, ob ein Mensch eine Rose rot sieht?"
  • "Von mir weiß ich, daß ich die Rose rot sehe und andere kann ich fragen."
  • "Du kannst also nicht wissen, ob andere Menschen die Rose rot sehen, sondern nur hören, ob sie sagen die Rose sei rot."
  • "Okay, die Rose ist rot, wenn alle Menschen sagen "die Rose ist rot"."
  • "Du meinst, etwas ist wirklich, wahr oder real, wenn alle Menschen sagen, daß es so sei?"
  • "Ja!"
  • "Hm, ein Engländer würde nicht "rot" sagen, sondern "red", ein Farbenblinder würde rot nicht sehen können und folglich nicht rot sagen, kleine Kinder kennen vielleicht das Wort nicht. Also auch diese Bedingung ist unerfüllbar."
  • "Gut, gut, also: Wenn jeder erwachsene Mensch mit normalen Sinnen in seiner Sprache die Rose rot nennt."
  • "Aber wer entscheidet, wann ein Mensch erwachsen ist, das ist ja in verschiedenen Ländern verschieden geregelt, und was "normale Sinne" sind. Vielleicht hat ja der Farbenblinde die normalen Sinne und wir Farbenseher sind die unnormale Mehrheit."
  • "Hm, also die Mehrzahl der Menschen, die älter als 12 Jahre sind."
  • "Du meinst über Wirklichkeit oder Wahrheit werden demokratische Mehrheitsentscheidungen getroffen?"
  • "Ja, so in etwa."
  • "Wie "in etwa"?"
  • "Na ja, es müßte schon mit den Ergebnissen der Wissenschaft übereinstimmen."
  • "Warum dann nicht gleich die Wissenschaft entscheiden lassen?"
  • "Gute Idee: Was die Wissenschaft sagt, ist wahr."
  • "Erna?"
  • "Ja, Martin?"
  • "Ich liebe Dich!"
  • Errötend: "Oh, wirklich?"
  • "Frag die Wissenschaft."
  • Sinken sich knutschend in die Arme :-)

Wenden wir uns nun dem Freiherrn von Münchhausen zu:

“Ein andres Mal wollte ich über einen Morast setzen, der mir anfänglich nicht so breit vorkam, als ich ihn fand, da ich mitten im Sprunge war. Schwebend in der Luft wendete ich daher wieder um, wo ich her- gekommen war, um einen größern Anlauf zu nehmen. Gleichwohl sprang ich auch zum zweiten Male noch zu kurz und fiel nicht weit vom andern Ufer bis an den Hals in den Morast. Hier hätte ich unfehlbar umkommen müssen, wenn nicht die Stärke meines eigenen Armes mich an meinem eigenen Haarzopfe, samt dem Pferde, welches ich fest zwischen meine Knie schloß, wieder herausgezogen hätte.” (Gottfried August Bürger. Wunderbare Reisen zu Waser und zu Lande. Viertes Kapitel: Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen im Kriege gegen die Türken.)

Es gibt drei Gründe, warum es unmöglich ist, über Wahrheit, letzte Realität oder wirkliche Wirklichkeit etwas Informatives sagen zu können. Diese drei Gründe nennt man das Münchhausen-Trilemma. Münchhausen ist eine literarische Figur, die sich an ihren eigenen Haaren aus dem Sumpf zog - und genau das müßte man tun können, wollte man Wahrheit. Die drei Gründe sind:

  • Unendlicher Regreß: Auf jede Aussage kann man "Warum?" fragen, es gibt keine letzte Antwort.
  • Zirkel: Kreisförmig argumentieren. Warum A? Weil B. Warum B? Weil A.
  • Dogmatisches Frageverbot: Den beiden vorgenannten Problemen kann man entgehen, indem man weitere Fragen direkt oder indirekt verbietet: Wenn Du Gott leugnest, kommst Du auf den Scheiterhaufen. Gott, da kann man nicht weiter fragen, Gott ist das große Mysterium.

Aus der Unmöglichkeit eine wahre Realität zu beweisen wurde gefolgert, daß die Realität unsere Konstruktion sei (Konstruktivismus, Idealismus). Man geht damit vom Finden oder Forschen zum Erfinden über: Wahrheit ist das Gemachte. Aber die Annahme eines Konstruktivismus unterliegt gleichermaßen den Begründungsproblemen des Münchhausen-Trilemmas. Abgesehen davon ist nicht zu sehen, was es für einen Unterschied machen sollte, ob die Wand, an der ich mir eine Beule hole, konstruiert oder real ist. Beule bleibt Beule.

Die wahrscheinlichste Vermutung ist, daß unsere Alltags-Wirklichkeit teilweise real und teilweise unsere Konstruktion ist. Gefunden und Erfunden. Da wir mehr nicht wissen können, lohnt es nicht, nach mehr zu fragen.

Auf diese Probleme reagierte der sogenannte Pragmatismus. Der Pragmatist interessiert sich nicht die Bohne dafür, ob unsere Welt konstruiert oder real ist. Er schaut sich einfach an, was die Folgen von Handlungen sind. Mit dem Kopf gegen die Wand rennen erzeugt eine Beule. That's all.

Das können wir als Ausgangspunkt gut gebrauchen.

Moral und Sinn des Lebens

Aus all dem folgt natürlich, daß wir weder etwas über göttliche oder natürliche Moral wissen können, noch darüber, ob unser Leben einen höheren Sinn hat oder nicht. Für eine Moral müssen wir uns selbst entscheiden, einen Sinn unseres Lebens müssen wir selbst erfinden.

Beachte: Die Schlußfolgerung, es gäbe keine Moral und keinen Sinn des Lebens, ist falsch. Richtig ist nur: Wir wissen es nicht und wir können es nicht wissen.

Jede Religion könnte die einzig wahre Religion sein. Alle Religionen könnten falsch sein. Der Atheismus und der Materialismus könnten wahr sein, desgleichen der Konstruktivismus oder irgendeine esoterische Lehre. Möglicherweise ist alles völlig sinnlos und absurd, vielleicht sind aber nur alle bekannten Alternativen falsch und wir müssen neue Möglichkeiten finden.

Jeder Mensch ist bei diesen Entscheidungen auf sich selbst gestellt. Also: Was tun? Bevor wir auf diese  Frage eingehen, müssen wir verstehen, was ein "Vokabular" ist.

Vokabulare

Ein "Vokabular" ist eine Menge von Zeichen die nach Regeln miteinander verbunden werden. Vokabulare sind so etwas wie Werkzeuge, die einen Nutzen haben für den sie verwendet werden.

  • Die deutsche Sprache ist ein Vokabular, wodurch das Verhalten ihrer Benutzer koordiniert werden kann. Dieser Text ist im Vokabular der deutschen Sprache geschrieben.
  • Chemie ist ein Vokabular, welches dazu dient, Chemikalien zu bezeichnen, zu mischen usw. Ein Zeichen aus diesem Vokabular ist z.B. "H2O".
  • "Mensch ärgere dich nicht" ist ein Vokabular, welches dazu dient, das Verhalten von Menschen so zu koordinieren, daß dadurch ein Spiel namens "Mensch ärgere dich nicht" angeleitet wird. Zeichen in diesem Vokabular sind z. B. "Würfel", "Spieler", "raus", das Spielfeld, die farbigen Spielfiguren, usw.

Man unterscheidet in Vokabularen drei Typen von Zeichen:

  • Ikon: bildhafte Zeichen, Bilder, Diagramme, visuelle Wahrnehmungen, z.B. ein Tisch usw.
  • Index: hinweisende Zeichen, z. B. der hinweisende Zeigefinger, Wegweiser, Wetterhahn.
  • Symbol: vereinbarte Zeichen, typischerweise Wörter. Das Wort "Katze" bezeichnet, weil wir es so vereinbart haben, eine Katze, hat aber nichts Kätzisches.

Symbole bezeichnen oft Ikons, also das Wort "Tisch" einen gesehenen Tisch. Manche Symbole sind jedoch nur durch weitere Symbole zu erklären, weil ihnen nichts Wahrnehmbares entspricht, z. B. Gott, Liebe, Hoffnung.

Die Regeln bestimmen, wie die Zeichen des Vokabulars benutzt werden sollen, z. B.

  • darf man beim "Mensch ärgere dich nicht" nur "raus" sagen, wenn die eigene Figur auf ein Feld vorrückt, auf dem eine andere Figur steht.
  • Wer einen roten Farbfleck "grün" nennt, beherrscht die (semantischen) Regeln der deutschen Sprache nicht.
  • Wer sagt, "ich gehen hause", beherrscht die syntaktischen Regeln der deutschen Sprache nur unvollkommen.

In manchen Vokabularen gibt es höchst komplizierte Regeln, z. B. Argumentationsregeln, Beweisregeln, Definitionen usw. Manche Vokabulare, z. B. das Kaffeeklatsch-Vokabular, sind eher einfach gestrickt: Eine Mitteilung sollte irgendwie zum Thema passen und an eine andere Mitteilung irgendwie anschließen.

In jedem Vokabular gibt es Vokabular-Designer. Das sind z. B. Dichter, Philosophen oder staatliche Kommissionen, die neue Zeichen und Regeln in das Vokabular einführen oder bestehende Regeln verändern. Um am Design eines Vokabulars teilnehmen zu können, muß man gewöhnlich als Spezialist dieses Vokabulars anerkannt sein.

Die Welt der Vokabulare

Wir leben in einer Welt aus Vokabularen, nichts als Vokabulare. Jedes Vokabular beschreibt die Welt anders - oder sogar eine andere Welt.

  • Manche Vokabulare, z. B. religiöse oder naturwissenschaftliche, behaupten von sich, daß sie die reale Welt beschrieben.
  • Manche Vokabulare, z. B. künstlerische oder konstruktivistische, behaupten von sich, daß sie Fantasien oder Konstruktionen beschrieben.
  • Manche Vokabulare, z. B. hermeneutische oder semiotische, behaupten, daß alle Vokabulare gar nichts beschrieben, sondern nur Zeichen auf Zeichen verweisen - weiter nichts.

Wir halten uns da raus, kritisieren keine dieser Selbstzuschreibungen - nehmen sie nur zur Kenntnis.

Man kann kein Vokabular mit einem anderen Vokabular kritisieren, z. B. Religion durch Wissenschaft. Für jedes Vokabular sind Aussagen anderer Vokabulare mindestens teilweise Unsinn. Die Jungfrauengeburt ist für Christen wahr, für Buddhisten und Wissenschaftler lächerlicher Aberglaube.

Es gibt keine Möglichkeit Vokabulare mit der Realität zu vergleichen. Es gibt keine Möglichkeit, Vokabulare mit etwas zu vergleichen, was kein Vokabular wäre. Religion hat andere Regeln der Zuschreibung von Wahrheit als Wissenschaft. Wie soll man da etwas vergleichen können?

Was man tun kann, ist: den Nutzen von Vokabularen zu einem bestimmten Zweck vergleichen. Was man tun kann ist die Beschreibung derselben Sachverhalte durch alternative Vokabulare vergleichen. Wissenschaft erklärt mein Auto besser als die Religion es könnte, kann aber zu meinem Seelenheil, sollte ich daran interessiert sein, nichts sagen. Nach marxistischer Beschreibung war die DDR ein Paradies, nach westlicher Beschreibung eine Hölle. That's all.

Zum Schluß noch eine kleine Überraschung: Jeder Mensch ist ein Vokabular! Jeder Mensch spricht seine eigene Sprache und die Bedeutung jedes Wortes ist für jeden Menschen - zumindest leicht - verschieden. Wenn Du einen Menschen verstehen willst, mußt Du sein Vokabular lernen.

Mit Vokabularen spielen

Jedes Vokabular hat eine Spielwelt, den Bereich, auf den es angewandt werden kann.

  • So ist die Spielwelt der Physik Materie und Energie,
  • die Spielwelt der deutschen Sprache ist der deutsche Alltag,
  • die Spielwelt der Soziologie ist die Gesellschaft,
  • die Spielwelt der Politik sind die Wähler,
  • die Spielwelt des Schach ist das Schachbrett.

Das Spiel besteht darin, die Regeln auf die Spielwelt anzuwenden: Semantische Regeln, syntaktische Regeln, Argumentationsregeln, usw. Man macht einen Spielzug, sagt z. B. "Guten Tag!" und ein anderer Spieler erwidert mit einem Spielzug: "Auch schönen guten Tag!". Irgendwie geht es dann, je nach dem Vokabular, in dem das Spiel stattfindet, weiter.

Durch das Spiel lernen wir, die wechselseitige Abhängigkeit der Spieler und des Spielverlaufs zu erkennen und zu modifizieren. Das kann sehr deutlich am Schachspiel gezeigt werden: Jeder Spieler muß analysieren, wenn ich Zug A mache, kann der andere a, b, oder c ziehen, auf a kann ich B, auf b eventuell C ziehen und nach c bin ich matt, also geht A nicht, versuchen wir D ... Ein Spieler, der nicht so rechnet, d.h. den Antwortzug des Mitspielers nicht berücksichtigt, hat sehr schnell verloren.

Jeder Spieler muß entscheiden, ohne die Entscheidung des anderen zu kennen, weiß aber, daß das Ergebnis von beiden Entscheidungen abhängt. Man nennt das: konditionierte Koproduktion, d.h. ein Ergebnis wird gemeinsam erzeugt, indem jeder eigene Spielzug durch die Züge des anderen Spielers bestimmt wird.

Konditionierte Koproduktion findet überall statt, wo Menschen miteinander, mit Tieren oder mit der Natur zu tun haben. Nur wer sich der konditionierten Koproduktion anpaßt, hat bei seinen Vorhaben eine Erfolgschance, kann also sein Leben selbst gestalten. Spiele bilden dieses Gesetz in den verschiedenesten Varianten ab und simulieren dadurch den wesentlichsten Aspekt des Lebens: Den Weg zum Erfolg (wobei es egal ist, was jemand unter Erfolg versteht: Glück, Liebe, Geld, etc.)

Wenn wir Vokabulare als Spiele behandeln, gewinnen wir zwei große Vorteile:

  • Wir verwechseln Vokabulare nicht mit Wahrheiten oder Realität.
  • Wir lernen erfolgreich leben: konditionierte Koproduktion

Was tun?

Mir scheint: Spielen ist die fruchtbarste (furchtbarste?) Alternative.

Auf dem Markt der Eitelkeiten, Illusionen und vermeintlichen Wahrheiten gibt es viele Angebote: Religionen, Philosophien, Weltanschauungen, Wissenschaften, Esoterik usw. Wie wir nun wissen, sind das alles Vokabulare. Jede Religion, Wissenschaft, Philosophie etc. ist ein Vokabular. Gleiche Wörter bedeuten in verschiedenen Vokabularen Verschiedenes - und das ist eine ewige Quelle von Mißverständnissen.

Wichtig ist, daß jedes dieser Angebote eben nichts anderes ist als ein Vokabular, eine Verkettung von Wörtern, mehr nicht. Jedes Vokabular ist so gut wie das andere, keines besser als ein anderes - zumindest könnten wir das nicht wissen.

Aber jeder Mensch benutzt irgendein Vokabular. Jeder lebt in seinem Vokabular.

  • Es mag das Vokabular Deiner Eltern sein, z. B. das christliche oder das islamische Vokabular.
  • Es mag ein während des Studiums neu erlerntes Vokabular sein, z. B. ein soziologisches oder ein physikalisches Vokabular.
  • Es mag das Vokabular eines Gurus sein, z. B. ein buddhistisches oder ein schamanistisches Vokabular.

Jeder Mensch benutzt mindestens ein Vokabular, welches er für richtig, wahr oder nützlich hält. In diesem Vokabular kann man sein ganzes Leben verbringen. Das ist öde.

Die erste Regel des Lebensspielers ist: Neue Vokabulare zu erspielen. Wichtig ist: Erspielen. Nicht etwa erforschen, das wäre nur trocken und distanziert. Nicht etwa übernehmen, das wäre zu einschränkend. Um ein neues Vokabular wirklich zu verstehen muß man reingehen, drin sein. Wer spielt, ist voll und ganz dabei, weiß aber um das Imaginäre des Vokabulars - spielt eben.

  • Schau Dir die Vokabulare an und - experimentiere. Spiele damit.
  • Identifiziere Dich mit keinem Vokabular - experimentiere. Spiele damit.
  • Bleibe Dir immer darüber klar, daß niemand wissen kann, welches Vokabular der 'Wahrheit' näher ist als andere.
  • Wenn Du ein Vokabular benutzt, damit experimentierst und spielst, bleibe Dir immer darüber klar, daß Du spielst, bleibe immer bei Deinem radikalen Zweifel an der Wahrheit des Vokabulars.
  • Vergegenwärtige Dir, daß jedes Vokabular von jedem anderen Vokabular dekonstruiert werden kann, und daß Argumente innerhalb eines Vokabulars nie etwas über dessen Wahrheit aussagen können. Jedes Vokabular endet im Münchhausen-Trilemma.

Das Angebot der Vokabulare ist riesig, fast unüberschauber. Welche Vokabulare solltest Du wählen? Überlege Dir was Du willst und wähle dann ein Vokabular von dem Du vermutest, es könnte für Deine Interessen nützlich sein.

  • Willst Du mehr über die Gesellschaft wissen, wähle ein soziologisches Vokabular, z. B. die soziologische Systemtheorie von Niklas Luhmann.
  • Hast Du Liebesambitionen, könnte ein Vokabular der Kunst, z. B. aus Dichtung oder Musik interessant sein.
  • Hast Du politische Interessen, könnte das Vokabular des Liberalismus oder sogar des Anarcho-Kapitalismus interessant sein - aber Du kannst auch einfach in eine Partei eintreten und versuchen, dort Karriere zu machen.
  • Willst Du Geld verdienen, könnte irgendein Management-Vokabular interessant sein, z. B. Peter Drucker oder Stephen R. Covey.
  • Aber Du kannst auch einfach irgendein Computerspiel spielen, welches eine große Fangemeinde und sein eigenes Vokabular hat.
  • Auch Straßenbanden, Familien und Kaffeeklatsch-Treffen haben oft ein eigenes Vokabular.

Wichtig ist: Spiele in möglichst vielen verschiedenen Vokabularen und wechsle alle paar Jahre ein oder mehrere Vokabulare gegen andere Vokabulare aus.

Was hast du davon?

Nach einigen Jahren glücklichen Spielens wirst Du ein Meister der Vokabulare sein: Magister Ludi (Spielemeister). Dann bist Du bereit, Dein eigenes ganz neues Vokabular zu designen. Das mag ein kleines Bildchen, eine neue Philosophie, ein Roman, eine wissenschaftliche Theorie, eine Liebesbeziehung, eine berufliche Tat, eine Familie, Deine Karriere oder sogar ein Spiel sein - vielleicht ein Glasperlenspiel.

Es ist egal wie groß oder klein Dein neues Vokabular ist. Es ist egal ob es sich als Theorie, Handlung, Gedicht, Kind oder Gefühl darstellt. Mit einem neuen Vokabular erschaffst Du eine Neubeschreibung von Dir und der Welt. Damit erschaffst Du Dich und die Welt neu - für Dich und für andere Menschen.

Du wirst vom Spieler zum Spieleschöpfer, vom Designten zum Designer. Näher kannst Du Gott nicht kommen. Gott ist der große Designer, die Welt ist ein Spiel.

Wie groß muß mein Spiel sein?

Gar nicht. So klein wie Du willst. Vielleicht nur ein richtiges Wort zur richtigen Zeit. Wichtig ist nur: Es muß Dein Spiel sein.

Wie schaffe ich das?

Spielen ist das ganze Geheimnis. Spiele! Brettspiele, Computerspiele, Beziehungsspiele, Vokabularspiele. Werde ein Spieler. Spieler sein ist eine Lebenseinstellung, die man lernt - indem man spielt. Genau darum geht es auf dieser Website. Auf weiteren Seiten kannst Du mehr erfahren.

Irgendwann wirst Du dann Dein eigenes Spiel spielen - vielleicht, wird es Dich spielen.

Das wars?

Ja! Spielen wir?

 "What if you slept?
And what if in your sleep you dreamed?
And what if in your dream you went to heaven and there, plucked a strange beautyfull, flower?
And what if when you awoke you had the flower in your hand?
Ah what then?"

(Colerigde)


Kommentare

Nicht das Vokabular endet im Münchhausen-Trilemma. Der Satz hatte mich erstmal irritiert. Doch aus dem Kontext wird deutlich, was er sagt: Die Erwartung eines Spielers in seinem, einem oder auch nur irgendeinem Vokabular die Wahrheit gefunden zu haben, endet dort.