Thelema für Eltern

Egal was du deinem Kind erzählst,
es wird dir nachmachen was du tust!

Viele Thelemiten haben Kinder - und damit die Probleme, die alle Eltern haben: Was kann ich tun, um meinem Kind einen richtig guten Start ins Leben zu geben?

Aus thelemischer Sicht können auf diese Frage einige Antworten gegeben werden. Aber alle Antworten, die ich hier anbiete, sind meine Antworten und sie bleiben auf der Ebene allgemeiner Prinzipien. Die konkret auftretenden Probleme können Eltern nur in jeder Situation mit ihren Kindern gemeinsam lösen. Dennoch sind Prinzipien hilfreiche Mittel zur Orientierung.

Soll ich mir Kinder zulegen?

Auf diese Frage gibt es keine allgemeine Antwort. Es handelt sich um eine ganz persönliche Entscheidung, die auf mehreren Ebenen bedacht werden sollte:

  • Kopf: Welche Konsequenzen bringt es mit sich, wenn ich ein Kind habe? Was wird sich in meinem Leben verändern? Was sagt mein Partner dazu? Kann ich dem Kind eine sichere und verlässliche Familie (Mann und Frau) schaffen?
    Bedenke: Eine vollständige Sozialisierung braucht Rollenvorbilder beider Geschlechter.
  • Herz: Bin ich fähig zu lieben? Liebe ich Kinder? Werde ich mein Kind bedingungslos lieben, egal was es anstellt?
    Bedenke: Keine Moral kann Liebe zu den eigenen Kindern vorschreiben, denn Liebe kann nicht gefordert werden: Liebe ist ein Geschenk!
  • Hand: Habe ich die Zeit und die Fertigkeiten, mit meinem Kind zu spielen? Basteln? Singen? Habe ich die haushälterischen Fertigkeiten, die ein Kind benötigt? Kochen? Waschen? Trockenlegen?
    Bedenke: Erfolgreich handeln kann dein Kind nur von dir lernen - nur, wenn du es vorführst.

Es geht nicht darum, auf jede dieser Fragen die perfekte Antwort zu finden. Aber man sollte sich darüber klar werden, was man einbringen kann und wird und was nicht. Danach hat man eine bessere Entscheidungsgrundlage.

Manche Eltern stellen diese Frage erst, wenn sie erfahren haben, dass die Frau schwanger ist. Damit stellt sich die Frage der Abtreibung. Mache dir eins klar: Es gibt diesbezüglich rechtliche Regelungen, aber keinerlei moralische Pflichten. Natürlich gibt es Leute, die dir moralische Pflichten einreden wollen. Aber egal was jemand dazu sagt, es ist seine Meinung, weder eine göttliche Wahrheit, noch eine Pflicht der Natur. Abtreiben ist kein bisschen moralischer, als nicht abtreiben.

Wenn du kein Kind haben willst, dir eine Abtreibung aber dennoch Bauchschmerzen bereitet, kannst du das Kind nach der Geburt zur Adoption freigeben. Das ist auch für das Kind immer noch besser, als wenn du mit einem Kind dasitzt, das du nicht haben willst.

Egal wie du dich entscheidest: Du allein musst die Entscheidung treffen und dann - damit leben.

Welche Erziehungsmethode ist die Beste?

Natürlich die Methode,

  • mit der du am besten umgehen kannst und
  • bei der das Kind am glücklichsten ist und
  • am besten auf das Leben vorbereitet wird.

Ein Punkt scheint mir ganz extrem wichtig: Menschen sind, wie die Systemtheorie sagt, informationell geschlossene Systeme. Einfacher gesagt: Du kannst keine Bedeutung in die Psyche des Kindes übertragen. Egal was du tust und egal wie du es meinst: Das Kind entscheidet immer selbst, was es erlebt und wie es das versteht. Daran kannst du nichts ändern.

Deshalb: Eltern sind nicht die Schöpfer des Kindes. Das Kind ist sein eigener Schöpfer. Eltern sollten sich als Berater und Helfer verstehen - und sich damit bescheiden. Sag allem selbstherrlichen Gestalten-wollen ab. Denke im Umgang mit dem Kind nicht an dich oder daran, was andere Leute sagen: Denke nur an das Kind und dessen Zukunft.

Wir können das in drei Grundsätze kondensieren:

  • Kind: Hilf mir, es selbst zu tun.
  • Eltern: Freiheit so viel wie möglich, Grenzen so wenig wie möglich - aber nicht weniger.
  • Gemeinsam: Die Herstellung einer inneren und äußeren dialogischen Offenheit, in der Kind und Eltern ihre Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten zum Einsatz bringen und ihr Leben bereichern können. Frag-Würdigkeiten erzeugen, Fragen stellen und das Kind selbst denken lassen.

Es gibt drei pädagogische Ansätze, die unter diesen Prämissen (bedingt) empfohlen werden können:

  • Montessoripädagogik: Hier wäre meine Einschränkung, dass ich es für falsch halte, sowohl auf Belohnungen wie auf Bestrafungen zu verzichten und der Aspekt des Gesprächs zu kurz kommt.
  • Kentenich-Pädagogik: Hier wäre meine Einschränkung, dass die Methode einige sehr gute Ansätze enthält, aber dringend der Reinigung von ideologischem Klimbim (christliche Religion) bedarf.
  • Triple P: Die hier gegebenen Regeln sind nützlich als Orientierungen, dürfen jedoch nicht schematisch angewendet werden: Kinder brauchen Zuwendung und Liebe.

Wenn du in diesem Rahmen forschst und experimentierst - Kinder großziehen ist immer ein Experiment - wirst du deinen Stil finden können.

Welche Werte soll ich meinem Kind vermitteln?

Du kannst deinem Kind keine Werte vermitteln. Das Kind erforscht und formt seine Werte selbst. Aber du kannst deinem Kind helfen, indem du deine Werte vorlebst und das Kind fragend dabei unterstützt, Werte zu erkunden.

Ein Mensch ohne Werte irrt im Leben ziellos herum und hat keine Ahnung, was er mit seinem Leben anfangen soll. Es gehört deshalb zu den wesentlichen Aufgaben von Eltern, ihrem Kind zu Werten zu verhelfen.

Werte sind Zustände, die man erhalten und Ziele, die man erreichen will. Selbstachtung will man sich erhalten und Glück will man erreichen. Wenn du wissen willst, was deine Werte sind, schaue dir an, welche Ziele du anstrebst. Nein, nicht welche Ziele du denkst anzustreben oder anstreben zu müssen. Schaue dir an, was du tatsächlich tust, und welche Ziele du damit faktisch erreichst, bzw. welche Zustände du damit faktisch erhältst.

Genau das sind die Werte, die du deinem Kind vorleben wirst. Keine anderen. Das Kind wird dir nichts glauben, was du nicht selbst tust. Wenn du versuchst, deinem Kind Werte zu vermitteln, die du selbst nicht beobachtbar lebst, wirst du dein Kind zum Heuchler erziehen.

So, mehr werde ich dir hier über Werte nicht erzählen. Du kannst und sollst nicht meine, sondern deine Werte vermitteln. Über meine Werte kannst du aber auf anderen Seiten meiner Website alles erfahren, was du wissen willst. Hm, na gut, eine Ausnahme ...

Primäre Gewalt

Gewalt initiieren, ist das absolut Böse. Punkt.

Das ist meine Überzeugung. Ich würde alles tun, damit meine Kinder das verstehen, lernen, erfahren und als unerschütterliche Überzeugung mit ins Leben nehmen. Natürlich kann man diese Überzeugung Kindern genausowenig einbläuen wie andere Werte. So wenig es Eltern gefallen mag, die diese Überzeugung mit mir teilen: Auch bei diesem Punkt müssen wir dem Kind Frage-, Antwort-, Lern- und Erlebensräume eröffnen - und am Ende wird es seine Entscheidung treffen.

Sekundäre Gewalt (Notwehr, Zurückschlagen, sich wehren) ist eine andere Sache. Ich denke: Gewalt ist die Negation alles Menschlichen - und genau deshalb ist es die Pflicht jedes Menschen als Mensch, der Gewalt keinen Fußbreit nachzugeben.

"An alle Himmel schreib ichs an,
die diesen Ball umspannen:
Nicht der Tyrann ist ein schimpflicher Mann,
aber der Knecht des Tyrannen."

(Christian Morgenstern)

Aber auch hier, kannst du deinem Kind nur deine Überzeugungen vorleben.

Soll ich mein Kind zum Thelemiten erziehen?

Nein, gib deinem Kind keinerlei Antworten vor: Erziehe es zum Selberdenken. Erkunde mit ihm Antworträume - und lasse das Kind seine Entscheidungen selbst finden.

Das Christentum ist eine derart abstruse Ideologie, dass es, um Gläubige zu gewinnen, auf die Indoktrination wehrloser Kinder angewiesen ist. Thelema hat solche 'Gehirnwäsche' nicht nötig. Lehre dein Kind, indem du es vorlebst:

  • Vernünftig denken und neugierig die Welt beschnüffeln,
  • Zärtlich fühlen und "Gefühle sind erlaubt",
  • Schöpferisch, produktiv und erfolgreich handeln.

Dann hast du dein Kind im Geist von Thelema erzogen. Dein Kind wird einen guten Start haben. Den Rest muss es dann, als Erwachsener, selbst entscheiden.

Zum Abschluss ...

drei Zitate von einem der größten deutschen Philosophen: Georg Wilhelm Friedrich Hegel (* 27. August 1770 in Stuttgart; † 14. November 1831 in Berlin):

"Die Pflicht des Gehorsams der Kinder ist ihr Recht, zu freien Menschen erzogen zu werden."

"Das wahrhafte Wesen der Liebe besteht darin, das Bewußtsein seiner selbst aufzugeben, sich in einem anderen Selbst zu vergessen, doch in diesem Vergehen und Vergessen sich erst selber zu haben und zu besitzen."

"Es kann in unseren Tagen nicht oft genug daran erinnert werden, daß das, wodurch sich der Mensch vom Tiere unterscheidet, das Denken ist."


Kommentare

 

 

 Ich finde das Zitat von Halil Gibran auch sehr passend, deshalb füge ich es noch hinzu:

 

Von den Kindern

 

Und eine Frau, die einen Säugling an der Brust hielt, sagte: Sprich uns von den Kindern.

Und er sagte:

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.

Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,

Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,

Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.

Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,

Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.

Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.

Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.

Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.

Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und Er spannt euch mit seiner Macht, damit Seine Pfeile schnell und weit fliegen.

Lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;

Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

 

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 Den Text finde ich im Übrigen super... er behandelt Fragen die meiner Ansicht nach schon längst überfällig waren!

 

 gruß

 

Oliver

 

Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.                           Goethe

Ich fand den Beitrag auch interessant, allerdings frage ich mich, ob du wirklich meinst, dass eine sichere und verlässliche Familie aus "Mann + Frau" besteht bzw. bestehen muss? Rollenvorbilder beider Geschlechter halte ich zwar auch für notwendig, aber diese können doch auch in andersartigen (als den traditionellen) Lebensgemeinschaften gegeben werden. Was die Geschlechterrollen angeht, orientieren sich Kinder z.B. auch sehr stark an Gleichaltrigen.

Und dann habe ich einen pädagogischen Ansatz vermisst: Die Waldorfpädagogik!

Auch wenn ich nicht 100prozentig hinter allem stehe, was heute in den vielen Einrichtungen, deren Konzept sich an Rudolf Steiners Ansichten orientiert, praktiziert wird und es gar nicht gutheiße, wenn Antroposophie für alternativ orientierte Eltern zum Dogma wird.....

Für mich ist Rudolf Steiner mit seiner "Philosophie der Freiheit" ein Denker des neuen Äons. Ein sehr wichtiger Grundsatz seiner Pädagogik ist für mich die "Erziehung durch Selbsterziehung". Der Erziehende muss dem Kind "vorleben" (und es nicht indoktrinieren), deshalb muss er sich selbst erziehen, sich weiterentwickeln, um ein gutes Vorbild zu sein. Auch hier müssen gemeinsam immer wieder neue Fragen gestellt werden.

Das Kind soll nicht von außen geformt werden, sondern bei seiner individuellen Entwicklung (von innen heraus) gefördert werden.

Dass viele Eltern ihre Kinder christlich erziehen, weil sie es für pädagogisch wertvoll halten,  finde ich ziemlich, naja, ...benebelt. In den meisten Fällen ist es reine Heuchelei, die die Kinder zudem vom selber denken und philosophieren abhält!

(für Rudolf Steiner war Religiösität im Kindesalter eine wichtige Sache, aber das kann man ja auf verschiedene Arten  auslegen - Grimms Märchen tun´s vielleicht auch)

Viele liebe Grüße

Anna

 

 

Hi Anna,

danke für das schöne Zitat. Eigentlich kenne ich ja meinen Goethe, aber das kannte ich nicht.

Ich meine tatsächlich, daß ein Kind idealerweise in einer Familie mit Mutter und Vater aufwachsen sollte und alles andere minder gut ist. Natürlich weiß ich, daß die Welt manchmal anders läuft als es ideal wäre, dann muß man eben zweitbeste Lösungen wählen.

Die Waldorfpädagogik kenne ich nicht gut genug um darüber ein Urteil abgeben oder sie empfehlen zu können - aber Du hast das ja jetzt ergänzt.

Liebe Grüße

MDE