Werkzeug, Waffe, Spielzeug

Eine Kettensäge ist ein Werkzeug. Man kann damit Holz zersägen.
Eine Kettensäge ist eine Waffe. Man kann damit Menschen zersägen.
Eine Kettensäge ist ein Spielzeug.
Man kann sie zerlegen, Sägewettkämpfe veranstalten, Holzfiguren zuschneiden, etc.

 
Jeder Gegenstand kann als Werkzeug, als Waffe oder als Spielzeug verwendet werden. Man kann ihn zum arbeiten, zum töten und zum spielen benutzen. Werkzeuge werden zum arbeiten benutzt. Waffen werden zum töten oder verletzen benutzt. Spielzeuge werden zum spielen benutzt.

Der Mensch entwickelt durch das, was er tut oder nicht tut seine Fähigkeiten, macht seine Erfahrungen, entdeckt seine Möglichkeiten und erschafft sich dadurch zu dem, was er ist. Wer arbeitet wird Arbeiter, wer kämpft wird Kämpfer, wer spielt wird Spieler.

Der Arbeiter entdeckt Gegenstände als Werkzeuge. Der Kämpfer entdeckt Gegenstände als Waffen. Der Spieler entdeckt Gegenstände als Spielzeuge.

Werkzeuge und Waffen sind gewöhnlich hochspezialisierte Gegenstände, die für einen besonderen Zweck sehr effektiv einsetzbar sind. Es gibt auch "Schweizer Messer" die für verschiedene Aufgaben einsetzbar sind, aber für jede dieser Aufgaben gibt es spezielle Gegenstände, die das besser können.

Als Spielzeug ist alles verwendbar. Gegenstände, Theorien, Kunstwerke, Ideen - alles. Wie und wofür etwas verwendbar ist, das ist nur vom Einfallsreichtum des Spielers abhängig. Er kann jederzeit ein neues Spiel erfinden. Es gibt auch spezialisierte Spielzeuge, die für ein besonderes Spiel besser geeignet sind als andere Gegenstände, aber gewöhnlich findet man mit ein wenig Kreativität immer einen Gegenstand, der genauso gut geeignet ist. Notfalls verändert man die Spielregeln ein wenig - und hat ganz nebenbei ein neues Spiel erfunden.

Angenommen wir wollen ein Zimmer renovieren. Es stehen einige Pinsel verschiedener Größen, diverse Töpfe mit verschiedenen Farben und ein Schwert zur Verfügung:

  • Arbeiter sichten das Material, nehmen sich einen Pinsel und einen Farbtopf als Werkzeug und beginnen die Farbe an die Wände zu pinseln. Wenn sie fertig sind, gehen sie.
  • Kämpfer stürzen auf das Schwert. Wer das Schwert erobert hat, versklavt die anderen Anwesenden und läßt sie das Zimmer streichen. Wenn sie fertig sind, findet er andere Aufgaben.
  • Spieler vereinbaren Spielregeln, z.B.:
    • wir nehmen den kleinsten Pinsel und jeder darf maximal fünf Farben benutzen, wer als erster fertig ist, bekommt als Siegprämie das Schwert.
    • wer seine Wand am schönsten mit Ornamenten gestaltet hat, darf seine Wand mit dem Schwert schmücken.
    • zwei Spieler gestalten gemeinsam eine Wand, dürfen sich aber über Farben und Muster nicht mit Worten abstimmen.
    • und wenn das Spiel beendet ist, kann man es, falls es Spaß gemacht hat, wiederholen.

Das Ergebnis ist in allen Fällen das gleiche: bemalte Wände. Wie würdest Du Dein Zimmer renovieren?

"Die eigentliche Ursprünglichkeit besteht in der Kraft, gedachte Gedanken zu empfangen, das Empfangene auszuhalten und das so im Verborgenen Ausgehaltene zu entfalten. Dann gelangen die Gedanken von selbst dorthin, wohin sie gehören, in das, was ich das „Anfängliche“ nenne. Dann wächst die eigentliche Leidenschaft des Denkens, nämlich die Leidenschaft zum „Nutzlosen“ ...

... In Wahrheit gilt doch jeder Denkschritt nur der Bemühung, mitzuhelfen, daß der Mensch denkend auf den Pfad seines Wesens finde." (Martin Heidegger)


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Kommentare

Daß alles als Werkzeug, Waffe oder Spielzeug verwendet werden kann, hat was.

 

Einleuchtend find ich´s durchaus. Vermutlich kann man´s sogar soweit treiben, zu sagen, daß man nicht nur Gegenstände, sondern auch auch Menschen (sich und andere) als Werkzeug, Waffe oder Spielzeug "behandelt". Ups, und das hätte Konsequenzen.

 

Dann wird´s nämlich wichtig, sich klar zu machen, was man da eigentlich für Spiele spielt mit sich und anderen. Welches Ziel mein Spiel hat und ob z.B. mit mir /den anderen spiele oder mit mir / den anderen spiele.

 

Spannend!

 

findet einmal mehr das Thema

 

Angel

 

Spielen ist das ganze Geheimnis.