Papst-Potter-Fantasy ...
Seit heute wird das neue Papst-Buch "Jesus von Nazareth" verkauft. Schon heute ist dieses Buch Verkaufs-Spitzenreiter der Amazon-Hitliste. Es verdrängte die seit Dezember 2006 führende englische Ausgabe des siebten Bandes von Harry Potter.
Der gleiche Coup gelang dem Papst schon einmal. Im April 2005 enttrohnte sein Buch "Das Salz der Erde" den damaligen Spitzenreiter "Harry Potter and the Half-Blood Prince".
Hat da nun ein christlich-religiöses Sachbuch einen Fantasy-Roman übertroffen? Wie erklärt man sich das? Wieder ein Zeichen, daß die Menschen religiöser werden? Werden existentielle Defizite sichtbar die nur ein Gott noch retten kann?
Hängen wir das Ereignis etwas tiefer!
Das Interesse der Leser an der päpstlichen Begriffs-Fantasy hat das Interesse an der Potter-Erzähl-Fantasy zeitweise übertroffen. Na und? Die Leser präferieren Fantasy - und wollen dabei etwas Abwechslung. Thats all.
Aber warum gerade Fantasy? Mit Odo Marquard gesagt: Darin äußert sich das Bedürfnis nach "Inkompetenzkompensationskompetenz". Verständlich. Irgendwie überfordert die moderne Gesellschaft uns alle. Täglich frustriert uns unsere Inkompetenz und dann setzt unsere Inkompetenz die Inkompetenz zu kompensieren dem Frust die Krone aufs grinsende Haupt. Aber müssen wir deshalb zu Fantasy - sei es päpstliche oder pottersche - greifen?
Eine Alternative könnte Lyrik sein. "Lyrik schreiben heißt, die Geschwätzigkeit abzubauen." (Doris Runge, Lyrikerin). Lyrik ist nicht nicht nur Dichtung, gute Lyrik ist Ver-dichtung. Dadurch erwirbt man "Inkompetenzkompensationskompetenz" - und liest nicht nur Fantasien über die Kompetenz Inkompetenz zu kompensieren.
Vielleicht ist aber auch das nur Fantasy - immerhin: ohne Geschwafel, verdichtet.
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