Hausregeln

Seifenblasen der Vernunft
Du befindest dich hier in einer der wenigen,
bestens moderierten
Seifenblasen der Vernunft:
Ein Sonnenstrahl in dürftiger Zeit.
Der Wahnsinn findet nur da draußen statt.

Damit das so bleibt, vermeiden wir es, Geltungsansprüche zu erheben, die sich auf Tieferes berufen, als die Tauglichkeit für nützliche Umstrukturierungen und Bereicherungen unserer Beschreibungen.

Es geht um das Leben - nicht um den Begriff.
Nur die Nützlichkeit für das Leben hat Plausibilität.

Wahrheit, Wert und Würde sind uns lieb und teuer. Unersetzlich für das Leben. Gerade deshalb sind sie weder begriffstauglich noch theoriefähig. Weil wir um die Zartheit und Zerbrechlichkeit von Wahrheit, Wert und Würde wissen, spotten wir jeder ihrer theoretischen Beschreibungen.

Was bleibt, ist die hermeneutische Vernunft:
Der andere könnte Recht haben!
Verstehen im Spiel von Argument und Gegenargument.

Alles andere wird gnadenlos gelöscht!

Michael D. Eschner


Nachtrag: Warum Wahrheit, Wert und Würde nicht theoriefähig sind

 

Image of Grundriß der pyrrhonischen Skepsis (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
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Zitat aus: Sextus Empiricus, "Grundriß der Pyrrhonischen Skepsis" (Hervorhebungen, Listen und "[ ]" von MDE).

 

15. Die fünf Tropen

Die jüngeren Skeptiker überliefern fünf Tropen der Zurückhaltung, und zwar folgende:

  1. als ersten den aus dem Widerstreit,
  2. als zweiten den des unendlichen Regresses,
  3. als dritten den aus der Relativität,
  4. als vierten den der Voraussetzung,
  5. als fünften den der Diallele.
  • Der Tropus aus dem Widerstreit besagt, daß wir über den vorgelegten Gegenstand einen unentscheidbaren Zwiespalt sowohl im Leben als auch unter den Philosophen vorfinden, dessentwegen wir unfähig sind, etwas zu wählen oder abzulehnen, und daher in die Zurückhaltung münden.
  • Mit dem Tropus des unendlichen Regresses sagen wir, daß das zur Bestätigung des fraglichen Gegenstandes Angeführte wieder einer anderen Bestätigung bedürfe und diese wiederum einer anderen und so ins Unendliche, so daß die Zurückhaltung folge, da wir nicht wissen, wo wir mit der Begründung beginnen sollen.
  • Beim Tropus aus der Relativität erscheint zwar der Gegenstand, wie oben schon gesagt, so oder so, bezogen auf die urteilende Instanz und das Mitangeschaute, wie er aber seiner Natur nach beschaffen ist, darüber halten wir uns zurück.
  • Um den Tropus aus der Voraussetzung handelt es sich, wenn die Dogmatiker, in den unendlichen Regreß geraten, mit irgend etwas beginnen, das sie nicht begründen, sondern einfach und unbewiesen durch Zugeständnis anzunehmen fordern.
  • Der Tropus der Diallele schließlich entsteht, wenn dasjenige, das den fraglichen Gegenstand stützen soll, selbst der Bestätigung durch den fraglichen Gegenstand bedarf. Da wir hier keines zur Begründung des anderen verwenden können, halten wir uns über beide zurück.

11. Das Kriterium der Skepsis

Daß wir uns an die Erscheinungen halten, ist klar aus unseren Aussagen über das Kriterium der skeptischen Schule. "Kriterium" heißt zweierlei: einmal dasjenige, welches zur Bestätigung der Wirklichkeit oder Unwirklichkeit herangezogen wird, worüber ich im polemischen Teil reden werde; sodann das Kriterium des Handelns, an das wir uns im Leben halten, wenn wir das eine tun und das andere lassen. Von diesem spreche ich hier.

  • Wir sagen nun, das Kriterium der skeptischen Schule sei das Erscheinende, wobei wir dem Sinne nach die Vorstellung so nennen; denn da sie in einem Erleiden und einem unwillkürlichen Erlebnis liegt, ist sie fraglos. Deshalb wird niemand vielleicht zweifeln, ob der zugrundeliegende Gegenstand so oder so erscheint. Ob er dagegen so ist, wie er erscheint, wird infrage gestellt.
  • Wir halten uns also an die Erscheinungen und leben undogmatisch nach der alltäglichen Lebenserfahrung, da wir gänzlich untätig nicht sein können. Diese alltägliche Lebenserfahrung scheint vierteilig zu sein und teils aus Vorzeichnung der Natur, teils aus Erlebniszwang, teils aus Überlieferung von Gesetzen und Sitten, teils aus Unterweisung in Techniken dazu bestehen.
    • Und zwar aus natürlicher Vorzeichnung, sofern wir von Natur aus die Fähigkeit besitzen, sinnlich wahrzunehmen und zu denken;
    • aus Erlebniszwang, sofern uns Hunger zur Nahrung, Durst zum Getränk führt;
    • aus Überlieferung von Sitten und Gesetzen, sofern wir es für das alltägliche Leben so übernehmen, daß wir die Gottesfurcht als ein Gut, die Gottlosigkeit als ein Übel betrachten;
    • aus Unterweisung in Techniken schließlich, sofern wir nicht untätig sind in den Techniken, die wir übernehmen. Dieses alles meinen wir jedoch undogmatisch.