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 <title>Michael D. Eschner - Philosophie</title>
 <link>https://www.mde-net.de/taxonomy/term/46</link>
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 <title>Beobachtung: Unterscheidung und Bezeichnung</title>
 <link>https://www.mde-net.de/beobachtung</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;p&gt;Das Folgende ist die &lt;strong&gt;stark vereinfachte Darstellung&lt;/strong&gt; eines komplexen Problems. Wer hier Anlehnungen an Spencer-Brown, Hegel, Luhmann oder Gotthardt Günther zu erkennen glaubt, liegt richtig. Dennoch folgt die Darstellung keinem der genannten in allen Aspekten. Wir wollen Versuche im Selbstdenken wagen ;-)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuerst: &quot;&lt;strong&gt;Beobachten&lt;/strong&gt;&quot; - wie der Begriff hier benutzt wird - hat nichts mit &quot;hinsehen&quot; oder sonst einer spezifischen Wahrnehmung zu tun. Man kann &quot;hinsehen&quot; einer Beobachtung zugrundlegen, aber Beobachtung kann auch ohne jede sinnliche Wahrnehmung stattfinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&quot;&lt;strong&gt;Bezeichnung&lt;/strong&gt;&quot; meint einerseits das Herstellen einer Bezeichnung, also bezeichnen, andererseits die hergestellte, also bestehende Bezeichnung: das Resultat des Bezeichnens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dann: &quot;&lt;strong&gt;Bezeichnung&lt;/strong&gt;&quot; meint ganz unspezifisch alle möglichen Arten des Bezeichnens:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Symbolisch&lt;/strong&gt;: Ein Zeichen ist für Bezeichnetes durch Konvention festgelegt, z.B. das Wort &quot;Katze&quot; für eine Katze.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Indexikalisch&lt;/strong&gt;: Ein Hinweis auf etwas, z.B., ein Wegweiser, der hinweisende Zeigefinger oder ein Wetterhahn, der die Windrichtung anzeigt.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Ikonisch&lt;/strong&gt;: Eine Bezeichnung durch Ähnlichkeit, z.B. eine Fotografie.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;&quot;&lt;strong&gt;Unterscheidung&lt;/strong&gt;&quot; meint einerseits das Herstellen einer Unterscheidung, also unterscheiden, andererseits den hergestellten Unterschied, also das Resultat des Unterscheidens. Eine Unterscheidung ist eine nicht weiter bestimmte Beziehung zwischen Unterschiedenen. Eine Unterscheidung besteht aus einer Grenzziehung so, dass ein Punkt auf der einen Seite der Grenze die andere Seite nicht erreichen kann ohne die Grenze zu kreuzen. Die beiden Unterschiedenen&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		sind nicht identisch,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		gehen nicht ineinander über und&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		haben eine gemeinsame Grenze&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;- das ist alles. Mehr ist nicht gesagt und nicht gemeint.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun zur &lt;strong&gt;Beobachtung&lt;/strong&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Eine Beobachtung ist ein Ereignis,&lt;br /&gt;
	das eine Unterscheidung benutzt,&lt;br /&gt;
	eine der beiden Seiten dieser Unterscheidung bezeichnet&lt;br /&gt;
	und dadurch Informationen gewinnen oder verarbeiten bzw.&lt;br /&gt;
	weitere Beobachtungen anschließen kann.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer etwas bezeichnet, egal was, hat es damit schon von allem anderem unterschieden. Die &lt;strong&gt;Bezeichnung&lt;/strong&gt; erzeugt das Unterschiedene. Man kann nicht unterscheiden, ohne zu bezeichnen - und umgekehrt. Wir benutzen den Begriff &quot;Form&quot; (zwei-Seiten-Form) als synonym zu &quot;Unterscheidung&quot; und zu &quot;Bezeichnung&quot;. Alle drei Begriffe bezeichnen denselben - nicht nur den gleichen - Sachverhalt, aber aus verschiedenen Perspektiven.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir können niemals mit einer &lt;strong&gt;Einheit&lt;/strong&gt; oder Identität, z.B. essen, lieben oder Gott, anfangen zu handeln, zu fühlen oder zu denken. Sobald wir etwas bezeichnen unterscheiden wir das Bezeichnete und das mit dieser Bezeichnung nicht Bezeichnete: was es ist und was es nicht ist. Wäre das anders, könnten wir mit einer Bezeichnung nicht unterscheiden, also nicht bezeichnen. Selbst wenn man sagt &quot;Alles&quot;, unterscheidet man gegen &quot;Nicht-Alles&quot;, z.B. Ganzes und Teil.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Deshalb kann man immer nur,&lt;br /&gt;
	egal ob man es explizit tut oder nicht,&lt;br /&gt;
	mit Unterscheidung anfangen,&lt;br /&gt;
	niemals mit Einheit.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine &lt;strong&gt;Unterscheidung&lt;/strong&gt; hat zwei Seiten. Das Bezeichnete, die eine Seite, und alles übrige, die andere Seite. Die Seiten sind getrennt - und verbunden - durch eine Grenze. Die Grenze ist nichts Substantielles, keine Substanz zwischen den Seiten, denn dann wäre sie eine dritte Seite. Sie ist, weil nur Beobachter unterscheiden können, die Operation, welche die Seiten sortiert, die unterscheidende Operation (Tätigkeit, Geschehen) - also der Beobachter. Insofern ist sie selbst die Unterscheidung im Sinne von unterscheiden &lt;u&gt;und&lt;/u&gt; Unterschiedenem. Unterscheidung ist sortieren und Sortiertes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann sich das an einem einfachen &lt;strong&gt;Beispiel&lt;/strong&gt; verdeutlichen: Nur die Regierungen, nicht die Geographie, bestimmen über die Grenzen von Staaten. Eine Regierung kann durch scharfe Einreise- und Zollkontrollen ihre Grenzen &quot;dicht&quot; machen, eine andere kann sie durch laxe Handhabung und liberale Gesetze öffnen. Eine Regierung kann die Staatsgrenzen verändern wollen und muss dazu mit anderen Regierungen verhandeln oder Krieg führen. Daran sieht man, dass nicht der rote Strich auf der Landkarte, sondern die Regierungen, also die Beobachter der Grenze, die Grenze ziehen und regulieren. Jeder Beobachter der Grenze wirkt mit an der Unterscheidung: Den regulären Grenzübergang benutzen oder sich durch die Büsche schlagen? Waren verzollen oder doch lieber schmuggeln?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beobachter schaffen durch ihr Unterscheiden nicht nur Grenzen, sie sind selbst diese Grenzen. Beobachter &lt;strong&gt;projizieren&lt;/strong&gt; die Grenzen die sie sind, nach außen und entdecken sie dann dort wieder - Überraschung!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie entsteht der Beobachter? &lt;strong&gt;Fluktuationen des Formlosen&lt;/strong&gt;. Die Physik nennt es &quot;Fluktuationen des Nichts&quot;, ähnlich die Mystik, mit den Worten Heideggers: &quot;das Nichts nichtet&quot;. Wir werden das später vertiefen.&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;&quot;&lt;strong&gt;Jenseits des geschichtlich entstandenen Repertoires der Formen erstreckt sich die unreduzierbare Wüste des Formlosen&lt;/strong&gt;. Nicht die ganze Erde kann man kolonisieren, privatisieren, formen. Das Frontier bleibt. ... jenseits aller hegelianischen Sicherheiten lauert das Gesetzlose, Namenlose und Wilde, das als ewige Quelle der Gefahr nicht gezähmt werden kann. Das Modell Luhmanns kann damit als theoretische Klärung des obenerwähnten Midaskomplexes verstanden werden, der das Verhältnis der Kunst zu ihrem Anderen regelt: &lt;strong&gt;das Kunstsystem kann und muß in der Suche nach dem Neuen weiter und weiter ins Formlose eindringen&lt;/strong&gt;. Dadurch wird das Formlose aber nicht besiegt, sondern bloß verschoben und wieder aus den Augen verloren, d.h. in seiner verborgenen Gefährlichkeit unangetastet belassen. Diese Vision ist beunruhigend und beruhigend zugleich. Die Gefahr ist zwar nicht beseitigt. Aber sie ist nach Außen verdrängt, so daß sich zumindest im Inneren der Form die reine, ungetrübte Freude am Werk, die wir mit dem Kunstschaffen assoziieren, friedlich entfalten kann.&quot; (Boris Groys, Die dunkle Seite der Kunst)&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Jeder Unterscheidung muss etwas zugrundeliegen: das was sortiert oder unterschieden wird. Man kann es mit Spencer-Brown &quot;unmarked space&quot; oder mit Luhmann &quot;Welt&quot; nennen. Wir nennen es einfach das &lt;strong&gt;Formlose&lt;/strong&gt;: ein Meer von irgendetwas, was auch immer, das, wie auch immer, sortiert wird. Statt &quot;sortiert&quot; können wir auch sagen: in (eine) &lt;strong&gt;Form&lt;/strong&gt; gebracht wird. Eine Unterscheidung ist eine Form mit zwei Seiten, die das Formlose in Form bringt. Das Formlose ist nur hinsichtlich der thematischen Unterscheidung formlos, in anderer Hinsicht mag es Formen enthalten und die thematische Unterscheidung mag sich daran orientieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Beispiel&lt;/strong&gt;: Simone de Beauvoir erfand die Unterscheidung zwischen biologischem Geschlecht (&quot;sex&quot;) und sozialem Geschlecht (&quot;gender&quot;) der Frau. Die Frau war für sie das Formlose, welches durch diese Unterscheidung in Form gebracht wurde. Die Unterscheidung richtete sich gegen eine Rollenfestlegung der Frau, die durch ihren Körper und dessen biologische Funktionen bestimmt war. Natürlich hatte die Frau vorher schon eine Form, z.B. durch die Differenz Frau / Mann deren Formloses der Mensch ist, welcher wiederum in der Form Mensch / Tier oder Mensch / lebloses Ding eine Form hat. Dennoch liegt die Frau der sex / gender Unterscheidung als Formloses zugrunde, denn der Aspekt der Frau, der mit der neuen Unterscheidung in Form gebracht wurde, war vorher ununterschieden und damit nicht erkennbar, also formlos.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Eine Unterscheidung gründet im Formlosen.&lt;br /&gt;
	Sie entsteht durch eine unterscheidende Operation,&lt;br /&gt;
	welche die beiden Seiten der Unterscheidung erzeugt&lt;br /&gt;
	und wird nur aufrechterhalten durch weitere unterscheidende Operationen:&lt;br /&gt;
	der Weg wird im Gehen erzeugt.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Wenn wir das vergessen&lt;br /&gt;
	glauben wir - mit sich selbst identisch bleibende - Einheiten zu erkennen:&lt;br /&gt;
	Stühle, Menschen, Gott.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Das ist der Unterschied zwischen Nomaden und Siedlern.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Beobachtung setzt voraus, dass eine der beiden Seiten der Unterscheidung &lt;strong&gt;bezeichnet&lt;/strong&gt; wird: dick und nicht dünn, Theorie und nicht Praxis, Mensch und nicht Tier. &quot;Bezeichnen&quot; heißt hier einfach: sich darauf beziehen, auf etwas referieren, einen Bezug herstellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Beobachtung liegt vor, wenn das, was bezeichnet wird, &lt;strong&gt;anschlussfähig&lt;/strong&gt; ist, d.h. wenn weitere Beobachtungen an die erste Beobachtung angeschlossen und Informationen gewonnen werden können. So ist die Beobachtung eines Menschen als Frau anschlussfähig, weil an diese Beobachtung weitere informative Beobachtungen, z. B. bezüglich &quot;sex&quot; oder &quot;gender&quot;, angeschlossen werden können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man könnte meinen, dass nur Menschen beobachten. Das ist falsch. Auch eine &lt;strong&gt;Amöbe&lt;/strong&gt; muss beobachten. Sie muss z. B. wenn sie frisst, zwischen sich und nicht-sich unterscheiden, ansonsten sie sich möglicherweise selbst auffressen würde. Sie beobachtet sich (Bezeichnung) und schließt weitere Beobachtungen, z. B. fressbar versus nicht fressbar, an. Ein &lt;strong&gt;Thermostat&lt;/strong&gt; unterscheidet zwischen zu hoher und zu niedriger Temperatur. Wenn das Kühlsystem ausgeschaltet ist, beobachtet er zu hohe Temperatur und kann an diese Beobachtung z.B. die weitere Beobachtung an / aus des Kühlsystems anschließen. Wir Menschen benutzen natürlich viel mehr Unterscheidungen als Amöben und Kühlschränke: dick und dünn, groß und klein, Theorie und Praxis, Identität und Unterscheidung, unterscheiden und bezeichnen, Mensch und Nicht-Mensch, etc. - aber am Prinzip ändert sich dadurch nichts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man sagt z.B. Kinder sind süß. Welche Unterscheidung liegt der Bezeichnung &quot;süß&quot; zugrunde? Vielleicht süß / sauer? Denkt man dabei wirklich an eine Unterscheidung - oder bezeichnet man nur, ohne die Unterscheidung zu beobachten? Wenn man aber die Unterscheidung süß / sauer beobachtet, gegen welche andere Unterscheidung unterscheidet man sie? Vielleicht Mädchen / Junge? Oder blond / braun? Und - beobachtet man das, während man (gleichzeitig!) diese Unterscheidung benutzt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es treten &lt;strong&gt;Probleme&lt;/strong&gt; auf:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Einheitsblindheit&lt;/strong&gt;: Die Einheit der Unterscheidung, also das, was unterschieden wurde, kann, während die Unterscheidung benutzt wird, nicht beobachtet werden. Werden Frauen beobachtet, so kann man nicht gleichzeitig Menschen - eine mögliche Einheit von Mann und Frau - beobachten.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Bezeichnungblindheit&lt;/strong&gt;: Der Beobachter beobachtet nur die bezeichnete Seite der Unterscheidung und nur eine spätere Beobachtung kann zeigen, dass die eine Seite der Unterscheidung nur die eine ist, weil es eine andere Seite gibt, die während dieser Beobachtung nicht bezeichnet ist. Beobachtet man Frauen, so kann man nicht gleichzeitig Männer beobachten - anders: man kann die Wörter &quot;Mann&quot; und &quot;Frau&quot; nicht gleichzeitig, nur nacheinander aussprechen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Unterscheidungsblindheit&lt;/strong&gt;: Die Unterscheidung, die für die Bezeichnung benutzt wird, kann selbst - während sie benutzt wird - nicht beobachtet (unterschieden) werden. Unterscheidet man z.B. wahr / falsch, dann kann man nicht beobachten, ob diese Unterscheidung selbst wahr oder falsch ist. Die Anwendung einer Unterscheidung auf sich selbst produziert ein Paradox: Ist die Unterscheidung gut / böse gut oder böse?&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Wenn die Unterscheidung &lt;strong&gt;gut&lt;/strong&gt; / &lt;strong&gt;böse&lt;/strong&gt; gut ist, dann ist das Böse Teil des Guten, wenn sie böse ist, ist das Gute Teil des Bösen. Schlecht für die Moral. Ist die Unterscheidung &lt;strong&gt;Transzendenz&lt;/strong&gt; (Gott) / &lt;strong&gt;Immanenz&lt;/strong&gt; (Welt) transzendent (göttlich) oder immanent (weltlich)? Wenn sie transzendent ist, woher kennen wir dann die Unterscheidung? Nur aus den Gedanken Gottes. Die Gedanken Gottes kennen? Wenn sie immanent ist, woher wissen wir dann von Gott? Nur aus der Welt, aber wie kann diese wissen was nicht Welt ist? Vielleicht ist Gott ja ununterscheidbar, unterscheidunglos - aber wie können wir ihn dann beobachten? Wie können wir etwas wissen, was wir nicht beobachten können? Schlecht für die Religion.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber für derlei Probleme gibt es die Theologie, die &lt;strong&gt;Programme&lt;/strong&gt; für das Beobachten mit dieser Unterscheidung erfindet: Gebet, Meditation, Einbruch der Transzendenz, Unfehlbarkeit des Papstes usw. Wir sehen daraus: Eine Unterscheidung allein ist nutzlos, wir brauchen immer zusätzlich ein Programm, welches regelt was auf welche Seite sortiert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Beobachter kann immer nur beobachten, was er bezeichnet. Will er beobachten, welche Unterscheidung die Bezeichnung ermöglicht, muss er - in einer anderen Beobachtung - eine andere Unterscheidung benutzen, die die erste Unterscheidung von anderen Unterscheidungen unterscheidet.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Jede Beobachtung erzeugt beim Beobachter blinde Flecke:&lt;br /&gt;
	er &quot;sieht&quot; (beobachtet) nicht, dass er nicht &quot;sieht&quot;, was er nicht &quot;sieht&quot; -&lt;br /&gt;
	weil er sieht, dass er sieht, was er sieht.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das geht über die bekannte Formel, &quot;ich weiß, dass ich nichts weiß&quot;, hinaus. Wer weiß, dass er nicht weiß, weiß immerhin dies noch. Der &quot;blinde Fleck&quot; besteht aber darin, nicht nur nicht zu wissen, dass man nicht weiß, sondern - während der Beobachtung - prinzipiell nicht wissen zu können, dass man nicht weiß.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das gilt für die Beobachtung 1. Ordnung, also für die Beobachtung eines selbst nicht beobachtenden Objekts (Was-Ebene, was wird beobachtet). Die &lt;strong&gt;Beobachtung 2. Ordnung&lt;/strong&gt;, also die Beobachtung eines Beobachters (Wie-Ebene, wie wird beobachtet), kann sehen, was der Beobachter 1. Ordnung nicht beobachten kann: welche Unterscheidung dessen Beobachtung zugrundeliegt. Auf welcher Unterscheidung die Beobachtung 2. Ordnung basiert ist dem Beobachter des Beobachters aber wiederum blinder Fleck. Eine Beobachtung 2. Ordnung ist immer auch eine Beobachtung 1. Ordnung. Die Bezeichnung &quot;Beobachtung 2. Ordnung&quot; bezieht sich darauf, &lt;u&gt;was&lt;/u&gt; beobachtet wird, nämlich ein Beobachter. Der Beobachter des Beobachters ist, genauso wie dieser, bezüglich der Unterscheidung die er selbst benutzt, Beobachter 1. Ordnung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann immer auch anders unterscheiden, also beobachten. Das ist die &lt;strong&gt;Kontingenz&lt;/strong&gt; der Beobachtung: sie ist immer auch anders möglich. Je nachdem wie man unterscheidet, also beobachtet, kommt man zu anderen Ergebnissen. Jede Unterscheidung aktualisiert eine Realität, die &lt;u&gt;nur&lt;/u&gt; durch diese Unterscheidung erschaffen wird - und durch andere Unterscheidung nicht. Andere Unterscheidungen, andere Realitäten. Es gibt nicht die eine Realität, sondern viele Realitäten: Poly-Realität oder Polykontexturalität.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Real&lt;/strong&gt; ist also nur, was durch Unterscheidungen produziert wird, aber nicht alle Unterscheidungen produzieren Realität. Die Welt muss eine Unterscheidung zulassen, sie muss sich bewähren - indem sie Realität erzeugt. Die Realität eines Beobachters kann mit der Realität eines anderen Beobachters verglichen werden, aber nicht mit einer beobachterunabhängigen Realität. Es gibt keine beobachterunabhängige Realität.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Alles was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt.&lt;br /&gt;
	Alles was gehört wird, wird von einem Beobachter gehört.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu beachten: Der Beobachter ist, weil seine Beobachtung seine Realität erschafft, immer schon Betroffener und &lt;strong&gt;Teilnehmer&lt;/strong&gt;. Hier wird nicht die Außenwelt geleugnet, aber die Möglichkeit einer eineindeutigen Korrespondenz zwischen Welt und Erkenntnis, also die Möglichkeit einer universalen oder überindividuellen Wahrheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kontingenz&lt;/strong&gt; meint: Beobachtung kann ihre Unterscheidungen weder &lt;u&gt;beliebig&lt;/u&gt; wählen, noch sind sie &lt;u&gt;notwendig&lt;/u&gt; vorgegeben, sie sind immer auch anders möglich, aber nicht beliebig anders möglich. Erkennen durch Beobachtung ist weder &lt;strong&gt;Konstruktion&lt;/strong&gt;, wie es uns ein relativistischer postmoderner Konstruktivismus erzählen will, noch &lt;strong&gt;Instruktion&lt;/strong&gt;, wie es uns eine dogmatische alteuropäische Ontologie erzählen will, sondern Konstruktion &lt;u&gt;und&lt;/u&gt; Instruktion. Beobachten ist &lt;strong&gt;Gestalten&lt;/strong&gt;, etwas entsprechend seinen Möglichkeiten in Form bringen. Da der Beobachter sich durch seine eigenen Unterscheidungen selbst gestaltet, gilt:&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Gestalt gestaltet.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Oszillieren zwischen Beobachtung 1. Ordnung und Beobachtung 2. Ordnung, bei dem die Ergebnisse der Beobachtung 2. Ordnung als Grundlage weiterer Beobachtungen 1. Ordnung benutzt werden und die Ergebnisse der Beobachtung 1. Ordnung wiederum mit einer Beobachtung 2. Ordnung beobachtet werden, nenne ich &lt;strong&gt;Design&lt;/strong&gt;. Die Beobachtung 2. Ordnung können wir &lt;strong&gt;Reflexion&lt;/strong&gt; nennen - wenn wir darauf achten, dass mit Reflexion genau das und nichts anderes gemeint ist. Wir können dann etwas alltagssprachlicher sagen: Design ist der permanente Wechsel zwischen Handlung und Reflexion der Handlung, wobei die Ergebnisse der Reflexion modifizierend auf die reflektierte Handlung angewandt werden - &lt;strong&gt;reflektiertes Gestalten&lt;/strong&gt;. Da nur Beobachter designen können - und damit nicht nur ihre Welt sondern auch sich selbst, z. B. als Individuum, designen gilt:&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Design designt.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit haben wir eine Erweiterung der &lt;strong&gt;Bewusstheit&lt;/strong&gt;, des traditionellen &quot;sei bewusst&quot;, eingeführt. Natürlich setzt Design Bewusstheit voraus, denn anders wäre nichts da, was reflektiert werden könnte. Wenn Bewusstheit (Einpunktigkeit, Wachheit, Achtsamkeit) in der Beobachtung 1. Ordnung und Reflexion (die, als Beobachtung 2. Ordnung auch immer Beobachtung 1. Ordnung ist und deshalb unter der Forderung der Bewusstheit steht) oszillieren, ist der ganze Mensch einbezogen: Sinnlichkeit und Vernunft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Beobachtung 1. Ordnung ist die Welt fraglos &lt;strong&gt;selbstverständlich&lt;/strong&gt;. Es ist was ist und es geschieht was geschieht. Daran kann Bewusstheit nichts ändern. Erst in der Reflexion wird Beobachtung &lt;strong&gt;fragwürdig&lt;/strong&gt;, denn man beobachtet Beobachtungen daraufhin, auf welchen Unterscheidungen sie basieren - und erkennt dadurch ihre Kontingenz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Versuchen wir uns das am &lt;strong&gt;Beispiel&lt;/strong&gt; anschaulicher zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jemand sagt, dass er Karriere machen wolle. Er unterscheidet - mindestens implizit - Karriere / Nichtkarriere und bezeichnet &lt;strong&gt;Karriere&lt;/strong&gt;. Wenn er dabei bleibt (Beobachtung 1. Ordnung) &lt;u&gt;gestaltet&lt;/u&gt; er sich, sein Leben und seine Welt - als Karriere. Wenn er sich aber fragt,&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		welche Unterscheidung benutze ich, d.h. was ist der Gegenbegriff zu Karriere,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		was ist die Einheit dieser Unterscheidung,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		wovon unterscheide ich die Unterscheidung Karriere / Gegenbegriff,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		nach welchem Programm (Kriterien) sortiere ich die Einheit auf die beiden Seiten und&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		welche alternativen Unterscheidungen könnte ich benutzen,&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;ist er zur Reflexion übergegangen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die erste Frage macht deutlich, dass der Gegenbegriff zu Karriere nicht einfach Nichtkarriere ist, also &lt;u&gt;alles&lt;/u&gt; andere als Karriere, sondern dass die Bezeichnung der einen Seite als &quot;Karriere&quot; die andere Seite der Unterscheidung limitiert: es kommen nur Alternativen zu Karriere in Frage, nicht jedoch Tische und Stühle, obwohl diese auch Nichtkarriere sind (Hegel: bestimmte Negation). Die Welt wird zur Gesamtheit möglicher - positiv oder negativ karrierebezogener - Lebenspläne mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten der Selektion. Welcher Gegenbegriff nun gewählt wird, z.B. Kinder aufziehen oder Sozialhilfeempfänger, hat Auswirkungen auf die folgenden Fragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Während alle fünf Fragen Sinn prozessieren, ist mit der letzten Frage der Übergang zum &lt;strong&gt;Sinn des Lebens&lt;/strong&gt; vollzogen: die &lt;u&gt;aktuale&lt;/u&gt; Entscheidung über den Lebensweg wird im Lichte alternativ &lt;u&gt;möglicher&lt;/u&gt; Entscheidungen beobachtet. &quot;Sinn&quot; ist - nach Luhmann - die Einheit der Unterscheidung von Aktualität (gegenwärtige Situation) / Possibilität (Möglichkeit, Virtualität). Sinn liegt auch in der Beobachtung 1. Ordnung vor, aber unbewusst (latent): er begleitet jede Unterscheidung, weil sie immer auch anders möglich wäre, Selektion aus einem Unterscheidungsraum (Possibilität) ist. Wer die Welt als sinnlos beobachtet, hat &quot;sinnlos&quot; aus anderen Sinn-Möglichkeiten als Sinn selegiert: Sinnlosigkeit ist der Sinn seiner Welt.&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;definition&quot;&gt;[In Luhmanns Sinnbegriff ist Gotthard Günthers Polykontexturalität aus- und &quot;Rejektion&quot; als Kontingenz eingearbeitet. Das Aktuelle ist die Kontextur und die vielfältigen anderen Möglichkeiten (Possibilität) sind unbenutze Kontexturen, also Rejektionspositionen, die das &quot;auch anders möglich&quot; ausfüllen. Der Übergang von der aktuellen Unterscheidung (Günther: Kontextur) zu einer anderen möglichen Unterscheidung (Kontextur) ist Günthers &quot;Transjunktion&quot;.]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im vorstehenden Text sind viele Behauptungen enthalten. Ist das alles wahr?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der alteuropäischen Gesellschaft - und teilweise noch heute - wurde die Welt nach dem ontologischen Schema &lt;strong&gt;Sein / Nichtsein&lt;/strong&gt; beobachtet. Wenn man so beobachtet stellt, sich die Frage nach der Identität - dem Sein, der Substanz oder dem Wesen - des Beobachteten: zum Beispiel der Identität Gottes, der Identität der Gesellschaft, dem Wesen des Menschen oder dem Sein des Baumes. Es stellt sich die Frage der &lt;strong&gt;Washeit&lt;/strong&gt;, was etwas ist. Das ist die Frage nach dem Wesen: wie etwas jenseits aller Meinungen sich aus bestimmten oder bestimmbaren Teilen zusammensetzt, was sein harter Kern ist, seine wesenhafte Bestimmtheit die es hat und die es zu finden gilt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht also nur darum &quot;richtig&quot; zu beobachten und das Wesen oder die Wahrheit zu erfassen. Die &lt;strong&gt;Wahrheit&lt;/strong&gt; kann man nur verfehlen, wenn falsch beobachtet wird. Die der Beobachtung zugrundeliegende Unterscheidung wird von den Objekten der Beobachtung vorgegeben, nicht etwa von den Beobachtern erzeugt - und wenn doch, dann wird falsch beobachtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man nun bemerkt das nur Beobachter beobachten und unentwegt beobachtet werden, es mannigfache Beobachter und Beobachtungen gibt, in Beobachtungen unterschiedliche Unterscheidungen und damit verschiedene Realitäten aktualisiert werden und diese sich nicht auf eine für alle Beobachter verbindliche und &quot;absolute Beobachtung&quot; (Erkenntnis) bringen lassen, wird das ontologische Schema &lt;strong&gt;unplausibel&lt;/strong&gt;. Beobachtungen werden als kontingent erkannt, d. h. als nicht notwendig, aber eben so wie sie geschehen möglich - und immer auch anders möglich. Es gibt keinen privilegierten Standpunkt mehr - sei es Kaiser, Papst, Bibel oder Gott - von dem aus entschieden werden könnte, welche Beobachtung die eine wahre Erkenntnis ist. Selbst eine Mehrheit von Beobachtern, die das gleiche beobachten, d.h. die gleiche Unterscheidung zugrundlegen, kann nicht mehr im geringsten Wahrheit garantieren.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Das Problem des alteuropäischen Denkens ist der verlorene Performativ:&lt;br /&gt;
	Wer sagt das?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn das so ist, dann muss man von Erkenntnis auf Beobachtung und von Wahrheit auf Kontingenz umstellen. Von der Erkenntnis der Washeit (Wesen, ontologisch, Beobachtung 1. Ordnung) auf Beobachtung des Wie (funktional, Beobachtung 2. Ordnung, Reflexion): Wie funktioniert denn das? Damit entsteht das moderne &lt;strong&gt;wissenschaftliche&lt;/strong&gt; Denken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun zeigen die Überlegungen zur Beobachtung, dass der Beobachter in der Beobachtung immer als sein eigener Gegenstand vorkommt: er beobachtet sich selbst mit und durch sich selbst. Der Beobachter operiert also selbstreferentiell (auf sich selbst bezogen). &lt;strong&gt;Selbstreferenz&lt;/strong&gt; ist die Bedingung der Möglichkeit, die Einheit (Identität) des Beobachters herzustellen: er muss sich selbst als Beobachter beobachten können. Bewusstsein oder das Subjekt sind also nicht Voraussetzung, sondern Folge von Selbstreferenz. Damit wird der ontologische Primat des Bewusstseins als einzige Struktur mit der Fähigkeit zur Selbstreferenz unterlaufen, denn wenn Bewusstsein nur eine Folge von Selbstreferenz ist, nicht umgekehrt, kann es andere Strukturen geben, die beobachten können. Als solche Strukturen wurden bisher neben dem Bewusstsein z.B. Zellen, Nervensystem und Kommunikation beobachtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann natürlich weiterhin &lt;strong&gt;ontologisch beobachten&lt;/strong&gt;. Hier wird nicht behauptet, dass das falsch sei. Die Frage ist einfach: was sieht man wenn man so beobachtet? Antwort: sehr wenig, nichts interessantes und nichts, was mit wissenschaftlichen Beobachtungen kompatibel ist. Wem es reicht, was er aus dieser Perspektive sieht, mag so beobachten - und Kontingenz als &quot;Diktatur des Relativismus&quot; diabolisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ist das alles wahr? Natürlich nicht. Es ist eine &lt;strong&gt;kontingente Beobachtung&lt;/strong&gt;. Es wird so beobachtet, wenn man so beobachtet :-)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber wie kommen wir dazu gerade so zu unterscheiden? Nur dadurch, dass wir unsere Unterscheidungen mit anderen Unterscheidungen vergleichen und dann entscheiden. Die Kontingenz, die in jeder Entscheidung liegt, können wir nur mit Kontingenz bekämpfen. Eine gewisse Kontrolle (De-kontingentisierung) über unsere (kontingenten) Unterscheidungen können wir nur bekommen, wenn wir die Kontingenz der Unterscheidungen in unseren Entscheidungen berücksichtigen. Das ist nur durch ein &quot;re-entry&quot; möglich, also durch Wiedereinführung der Unterscheidung in die Unterscheidung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Durch den re-entry können wir unsere eigene Selbstreferenz bearbeiten, indem wir die Funktionsfähigkeit, Leistungsfähigkeit und Reflexionsfähigkeit unserer Unterscheidungen beurteilen. Durch das re-entry können die getroffenen Unterscheidungen beobachtet werden, ohne sie verlassen zu müssen: Ist gut / böse gut oder böse? Damit können Entscheidungen systemintern begründet werden durch Vergleich mit alternativen Unterscheidungen: Ist wahr / unwahr wahr oder unwahr? Anders ausgedrückt: Ist meine Methode wahr / unwahr zu unterscheiden wahr oder unwahr?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir können dann nicht sagen, dass eine Beobachtung wahrer sei als eine andere Beobachtung. Wir können nur feststellen, was wir &quot;&lt;strong&gt;so far&lt;/strong&gt;&quot; beobachten und was wir &quot;&lt;strong&gt;from now on&lt;/strong&gt;&quot; beobachten. Erkenntnistheorie unterscheidet nicht mehr in der Sachdimension Beobachter (z. B. Subjekt) / Beobachtetes (z. B. Objekt) und versucht dann festzustellen, wie gut die Beobachtung mit dem Beobachteten übereinstimmt: wahr / falsch. Erkenntnistheorie unterscheidet jetzt in der Zeitdimension &quot;so far&quot; (Vergangenheit) / &quot;from now on&quot; (Zukunft) und die Barre (&quot;/&quot;) ist die Gegenwart.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Beobachtungen scheitern nicht an beobachteten Objekten oder einer Realität,&lt;br /&gt;
	sondern an anderen Beobachtungen.&lt;br /&gt;
	Die Realität sind unsere Beobachtungen &quot;so far&quot;.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun leben wir alle schon in einer Realität, die von einer &lt;strong&gt;Fülle von Unterscheidungen&lt;/strong&gt; bestimmt ist. Die selbstverständlichen Unterscheidungen, die wir benutzen sind konditioniert, d.h. wir bemerken gar nicht mehr, dass wir diese Unterscheidungen immer wieder selbst erzeugen, sondern erfahren sie als selbstverständliche und vorgebene Realität. Das plausibilisiert natürlich ihre Beobachtung nach dem ontologischen Schema. Abhilfe? Verlernen! Lernen ist immer auch verlernen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Statt der einen ontologisch wahren Welt haben wir nun eine Fülle von Welten gewonnen, die sich alle auch noch in der Zeit verändern (so far -&amp;gt; from now on) - und uns damit &lt;strong&gt;Orientierungsprobleme&lt;/strong&gt; eingehandelt: Unübersichtlichkeit. Wir wollen die gewonnene Fülle an Alternativen nicht wieder aufgeben, sie machen das Leben spannender. Aber wir brauchen dennoch Orientierung, denn sonst verlaufen wir uns im Nirgendwo. Abhilfe kann nur ein selbstreferentielles, die Welt als Realität konstituierendes Beobachtungssystem schaffen, welches beide Bedingungen erfüllt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf dem Hintergrund dieser Überlegung können wir manche Philosophen neu lesen (beobachten). Mir erscheinen z.B. Luhmann, Günther, Hegel, Nietzsche, Whitehead und Heidegger besonders geeignet für solche Orientierungsexplorationen - aber das soll andere Möglichkeiten nicht ausschließen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &lt;strong&gt;Liber L vel Legis&lt;/strong&gt; ist ein Welt als Realität konstituierendes selbstreferentielles Beobachtungssystem. Was es für unsere Zwecke qualifiziert ist: Es ist kein wissenschaftliches Beobachtungssystem, sondern ein Kunstwerk von Metaspielregeln: Gesetzen zum Erschaffen von Spielen. Es ist den Beschränkungen wissenschaftlicher Methode nicht unterworfen, dennoch mit wissenschaftlichen Beobachtungen kompatibel. Es gibt kein anderes Kunstwerk, welches diese Bedingungen erfüllt. Natürlich müssen wir das Liber Legis &lt;u&gt;anwenden&lt;/u&gt;, d. h. mit seinen Unterscheidungen beobachten, damit es Realität wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf dieser Website werde ich das &lt;strong&gt;Unterscheidungsspiel&lt;/strong&gt; spielen: konditionierte Unterscheidungen als solche bewusst machen, mit neuen Unterscheidungen spielen - und Anderswelten erkunden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.S.&lt;/strong&gt;: Wenn im Text ein &quot;&lt;strong&gt;ist&lt;/strong&gt;&quot; erscheint, so ist das nicht im Sinne von Identität, Substanz oder Sein zu verstehen, sondern meint: &quot;tun wir so, als ob&quot; oder &quot;wird so beobachtet&quot;.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;&quot;Die Rose ist rot&quot; = &quot;Wir beobachten die Rose als rot&quot; oder&lt;br /&gt;
	&quot;Tun wir so, &#039;als ob&#039; die Rose rot sei&quot;.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;section class=&quot;field field-name-taxonomy-vocabulary-4 field-type-taxonomy-term-reference field-label-inline clearfix view-mode-rss&quot;&gt;&lt;h2 class=&quot;field-label&quot;&gt;Tags:&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;&lt;ul class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/47&quot;&gt;Denken&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/27&quot;&gt;FAQ&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/46&quot;&gt;Philosophie&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/48&quot;&gt;Vernunft&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/section&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-field-vg-wort-story field-type-text field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;img src=&quot;https://vg06.met.vgwort.de/na/730ec7c5c1bd4e759b18c511d97c73db&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Thu, 09 Aug 2007 13:15:54 +0000</pubDate>
 <dc:creator>MDE</dc:creator>
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 <title>Der Untergang der &quot;wahren Welt&quot;</title>
 <link>https://www.mde-net.de/wahrheitsfragen</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;p&gt;Die &lt;strong&gt;Killerunterscheidungen&lt;/strong&gt; teilen die Welt in ein unerkennbares Jenseits und ein wahrnehmbares Diesseits. Ersteres wird &quot;Wahrheit&quot; oder &quot;Sein&quot;, letzteres &quot;Schein&quot; oder &quot;Erscheinung&quot; genannt. Verweigert man die Teilnahme am Kampf der Killerunterscheidungen, sind Sein und Schein, die wahre und die scheinbare Welt - dasselbe. There is no difference.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man könnte denken, dass das Fragen sind, die unser normales Leben nicht im geringsten betreffen. Wann streiten wir uns im &lt;strong&gt;Alltagsleben&lt;/strong&gt; schon mal über Wahrheit oder Erscheinung? Wir verlassen uns auf unsere Wahrnehmungen und Erfahrungen. Damit kommen wir gewöhnlich bestens durchs Leben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Relevanz dieser Fragen für den Normalmenschen wird vielleicht deutlich, wenn wir an die &lt;strong&gt;Religion&lt;/strong&gt; denken. Religionen leben von der Unterscheidung Immanent (diesseitige, scheinbare Alltagswelt) und Transzendent (das Jenseits, die Ewigkeit, das Wahre und das Göttliche). Die letzten 2000 Jahre der Geschichte Europas wurden vom Christentum bestimmt, also von einer Religion, die auf dieser Unterscheidung basiert. Das Christentum bestimmte das alltägliche Leben der Menschen durch Moralgebote, Kirchgang, Scheiterhaufen usw.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch wenn wir selbst keine Killerunterscheidungen machen, die Welt wurde jahrtausendelang von Menschen beherrscht, die sich auf diese Unterscheidungen stützen. Daran hat sich wenig geändert. Der moderne islamische &lt;strong&gt;Terrorismus&lt;/strong&gt; genauso wie der &#039;Anti&#039;-Terror-Krieg der Bush-Regierung basieren auf den gleichen Killerunterscheidungen wie Faschismus, Kommunismus und die Ausrottung der Heiden durch die Christen in der Antike.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Killerunterscheidungen bestimmen unbemerkt unser gesamtes Leben, weil sie sich in der Sprache, den sozialen Gewohnheiten und der Art unseres Denkens fest eingenistet haben. Wenn wir die Herrschaft der Killerunterscheidungen über unser Leben nicht mehr zulassen wollen, müssen wir sie erkennen, bloßstellen und &lt;strong&gt;Alternativen&lt;/strong&gt; schaffen. Das ist es, was wir hier tun!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Friedrich Wilhelm Nietzsche (* 15. Oktober 1844 in Röcken bei Lützen; † 25. August 1900 in Weimar, deutscher Philosoph und klassischer Philologe) beschreibt die Geschichte der &quot;wahren Welt&quot; in seinem Buch &quot;Götzen-Dämmerung&quot; (1889):&lt;/p&gt;
&lt;p id=&quot;oneline&quot; style=&quot;border-color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt; &lt;/p&gt;
&lt;h3 align=&quot;center&quot; style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;
	Wie die „wahre Welt” endlich zur Fabel wurde.&lt;/h3&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot; style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;&lt;strong&gt;Geschichte eines Irrthums.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;ol start=&quot;1&quot; style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;&lt;li&gt;
		Die wahre Welt erreichbar für den Weisen, den Frommen, den Tugendhaften, — er lebt in ihr, &lt;strong&gt;er ist sie&lt;/strong&gt;.&lt;br /&gt;
		(Älteste Form der Idee, relativ klug, simpel, überzeugend. Umschreibung des Satzes „ich, Plato, &lt;strong&gt;bin&lt;/strong&gt; die Wahrheit.”)&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;&lt;ol start=&quot;2&quot; style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;&lt;li&gt;
		Die wahre Welt, unerreichbar für jetzt, aber versprochen für den Weisen, den Frommen, den Tugendhaften (&quot;für den Sünder, der Busse thut&quot;).&lt;br /&gt;
		(Fortschritt der Idee: sie wird feiner, verfänglicher, unfasslicher, — &lt;strong&gt;sie wird Weib&lt;/strong&gt;, sie wird christlich ... )&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;&lt;ol start=&quot;3&quot; style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;&lt;li&gt;
		Die wahre Welt, unerreichbar, unbeweisbar, unversprechbar, aber schon als gedacht ein Trost, eine Verpflichtung, ein Imperativ.&lt;br /&gt;
		(Die alte Sonne im Grunde, aber durch Nebel und Skepsis hindurch; die Idee sublim geworden, bleich, nordisch, königsbergisch.)&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;&lt;ol start=&quot;4&quot; style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;&lt;li&gt;
		Die wahre Welt — unerreichbar? jedenfalls unerreicht. Und als unerreicht auch &lt;strong&gt;unbekannt&lt;/strong&gt;. Folglich auch nicht tröstend, erlösend, verpflichtend: wozu könnte uns etwas Unbekanntes verpflichten? ...&lt;br /&gt;
		(Grauer Morgen. Erstes Gähnen der Vernunft. Hahnenschrei des Positivismus.)&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;&lt;ol start=&quot;5&quot; style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;&lt;li&gt;
		Die „wahre Welt” — eine Idee, die zu Nichts mehr nütz ist, nicht einmal mehr verpflichtend, — eine unnütz, eine überflüssig gewordene Idee, &lt;strong&gt;folglich&lt;/strong&gt; eine widerlegte Idee: schaffen wir sie ab!&lt;br /&gt;
		(Heller Tag; Frühstück; Rückkehr des bon sens und der Heiterkeit; Schamröthe Plato&#039;s; Teufelslärm aller freien Geister.)&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;&lt;ol start=&quot;6&quot;&gt;&lt;li style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;
		Die wahre Welt haben wir abgeschafft: welche Welt blieb übrig? die scheinbare vielleicht? ... Aber nein! &lt;strong&gt;mit der wahren Welt haben wir auch die scheinbare abgeschafft&lt;/strong&gt;!&lt;br /&gt;
		(Mittag; Augenblick des kürzesten Schattens; Ende des längsten Irrthums; Höhepunkt der Menschheit; INCIPIT ZARATHUSTRA.)&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;&lt;p id=&quot;oneline&quot; style=&quot;border-color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was Nietzsche uns unterschlägt sind die &lt;strong&gt;Argumente&lt;/strong&gt; gegen die &quot;wahre Welt&quot;: warum sie den Menschen abhanden kam. Die Wurzeln dieses &#039;Verlustes&#039; liegen tief in der Vergangenheit, bei den antiken Skeptikern. Ihre Argumente fasste der Arzt und Philosoph Sextus Empiricus im 2. Jahrhundert n. Chr. in seinem Werk &quot;Grundriß der Pyrrhonischen Skepsis&quot; zusammen (Zitert nach &quot;Sextus Empiricus: Grundriß der pyrrhonischen Skepsis&quot;; Suhrkamp. Hervorhebungen, Listen und &quot;[ ]&quot; von MDE):&lt;/p&gt;
&lt;p id=&quot;oneline&quot; style=&quot;border-color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt; &lt;/p&gt;
&lt;h3 style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;
	15. Die fünf Tropen&lt;/h3&gt;
&lt;p style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;Die jüngeren Skeptiker überliefern &lt;strong&gt;fünf Tropen der Zurückhaltung&lt;/strong&gt; [in Wahrheitsfragen], und zwar folgende:&lt;/p&gt;
&lt;ul style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;&lt;li&gt;
		als ersten den aus dem &lt;strong&gt;Widerstreit&lt;/strong&gt;,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		als zweiten den des &lt;strong&gt;unendlichen Regresses&lt;/strong&gt;,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		als dritten den aus der &lt;strong&gt;Relativität&lt;/strong&gt;,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		als vierten den der &lt;strong&gt;Voraussetzung&lt;/strong&gt;,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		als fünften den der &lt;strong&gt;Diallele&lt;/strong&gt;. [Zirkeldefinition, in der das zu Definierende vorkommt oder die dieses voraussetzt.]&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;Der &lt;strong&gt;Tropus aus dem Widerstreit&lt;/strong&gt; besagt, daß wir über den vorgelegten Gegenstand einen unentscheidbaren Zwiespalt sowohl im Leben als auch unter den Philosophen vorfinden, dessentwegen wir unfähig sind, etwas zu wählen oder abzulehnen, und daher in die Zurückhaltung münden. [Es gibt zu allem verschiedene Meinungen und keine Möglichkeit zu entscheiden, wer Recht hat.]&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;Mit dem &lt;strong&gt;Tropus des unendlichen Regresses&lt;/strong&gt; sagen wir, daß das zur Bestätigung des fraglichen Gegenstandes Angeführte wieder einer anderen Bestätigung bedürfe und diese wiederum einer anderen und so ins Unendliche, so daß die Zurückhaltung folge, da wir nicht wissen, wo wir mit der Begründung beginnen sollen. [Man kann auf jeder Antwort wieder fragen: Warum?]&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;Beim &lt;strong&gt;Tropus aus der Relativität&lt;/strong&gt; erscheint zwar der Gegenstand, wie oben schon gesagt, so oder so, bezogen auf die urteilende Instanz und das Mitangeschaute, wie er aber seiner Natur nach beschaffen ist, darüber halten wir uns zurück. [Alles erscheint in verschiedenen Zusammenhängen verschieden, nie kann man wissen, wie etwas &#039;an sich&#039;, also außerhalb von Zusammenhängen, in Wahrheit ist.]&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;Um den &lt;strong&gt;Tropus aus der Voraussetzung&lt;/strong&gt; handelt es sich, wenn die Dogmatiker, in den unendlichen Regreß geraten, mit irgend etwas beginnen, das sie nicht begründen, sondern einfach und unbewiesen durch Zugeständnis anzunehmen fordern. [Es wird willkürlich eine Grenze gesetzt wo nicht mehr weiter gefragt werden darf.]&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;Der &lt;strong&gt;Tropus der Diallele&lt;/strong&gt; schließlich entsteht, wenn dasjenige, das den fraglichen Gegenstand stützen soll, selbst der Bestätigung durch den fraglichen Gegenstand bedarf. Da wir hier keines zur Begründung des anderen verwenden können, halten wir uns über beide zurück. [Es wird vorausgesetzt, was bewiesen werden soll: A ist B und B ist C, denn A ist C.]&lt;/p&gt;
&lt;h3 style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;
	11. Das Kriterium der Skepsis&lt;/h3&gt;
&lt;p style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;Daß wir uns an die Erscheinungen halten, ist klar aus unseren Aussagen über das Kriterium der skeptischen Schule. &quot;&lt;strong&gt;Kriterium&lt;/strong&gt;&quot; heißt ... das Kriterium des Handelns, an das wir uns im Leben halten, wenn wir das eine tun und das andere lassen. Von diesem spreche ich hier.&lt;/p&gt;
&lt;ul style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;&lt;li&gt;
		Wir sagen nun, das Kriterium der skeptischen Schule sei das &lt;strong&gt;Erscheinende&lt;/strong&gt;, wobei wir dem Sinne nach die Vorstellung [Wahrnehmung] so nennen; denn da sie in einem Erleiden und einem unwillkürlichen Erlebnis liegt, ist sie fraglos. Deshalb wird niemand vielleicht zweifeln, ob der zugrundeliegende Gegenstand so oder so &lt;strong&gt;erscheint&lt;/strong&gt;. Ob er dagegen so &lt;strong&gt;ist&lt;/strong&gt;, wie er erscheint, wird infrage gestellt.&lt;br /&gt;
		[Hier sehen wir, wie die Skeptiker die Killerunterscheidung Schein-Sein einerseits akzeptieren, aber andererseits zurückweisen, weil die &quot;wahre Welt&quot; als unerkennbar zurückgewiesen wird.]&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Wir halten uns also an die Erscheinungen und leben undogmatisch nach der alltäglichen Lebenserfahrung, da wir gänzlich untätig nicht sein können. Diese alltägliche Lebenserfahrung scheint vierteilig zu sein und teils aus Vorzeichnung der Natur, teils aus Erlebniszwang, teils aus Überlieferung von Gesetzen und Sitten, teils aus Unterweisung in Techniken dazu bestehen.
&lt;ul style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;&lt;li&gt;
				Und zwar aus &lt;strong&gt;natürlicher Vorzeichnung&lt;/strong&gt;, sofern wir von Natur aus die Fähigkeit besitzen, &lt;u&gt;sinnlich wahrzunehmen und zu denken&lt;/u&gt;;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
				aus &lt;strong&gt;Erlebniszwang&lt;/strong&gt;, sofern uns Hunger zur Nahrung, Durst zum Getränk führt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
				aus &lt;strong&gt;Überlieferung&lt;/strong&gt; von Sitten und Gesetzen, sofern wir es für das alltägliche Leben so übernehmen, daß wir die Gottesfurcht als ein Gut, die Gottlosigkeit als ein Übel betrachten;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
				aus &lt;strong&gt;Unterweisung&lt;/strong&gt; in Techniken schließlich, sofern wir nicht untätig sind in den Techniken, die wir übernehmen. Dieses alles meinen wir jedoch undogmatisch.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p id=&quot;oneline&quot; style=&quot;border-color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die antike Skepsis suchte nach einem Zustand des &lt;strong&gt;Seelenfriedens&lt;/strong&gt; (Ataraxia; Apathie). Die Argumente gegen jeden Dogmatismus und Fundamentalismus sollten die Ungestörtheit und &quot;Meeresstille der Seele&quot; fördern. Da die &quot;wahre Welt&quot; unbekannt blieb, wussten die antiken Skeptiker nicht, wonach sie streben sollten. Also passten sie sich den Sitten und Gewohnheiten der Gesellschaft an, glaubten an die Götter und strebten darüberhinaus nach Gemütsruhe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Götter, an welchen die Skeptiker noch nicht zu rütteln wagten, reduzierten sich mit dem &lt;strong&gt;Christentum&lt;/strong&gt; auf den &quot;einen, wahren Gott&quot; - und diesem machte Immanuel &lt;strong&gt;Kant&lt;/strong&gt; (* 22. April 1724 in Königsberg; † 12. Februar 1804 ebenda), einer der bedeutendsten Philosophen der Neuzeit, den Garaus. Kant zertrümmerte alle Gottesbeweise, wies aber dem Gottesglauben noch eine moralische Notwendigkeit zu. Aber ein Gott, an den man nur deshalb glauben soll, weil sonst die Moral ihren Grund verliert, ist nicht mehr besonders glaubwürdig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nietzsche&lt;/strong&gt; ging folgerichtig einen Schritt weiter, indem er mit der Wahrheit auch Gott abschaffte. Im Aphorismus 125 aus der Fröhlichen Wissenschaft mit dem Titel &quot;Der tolle Mensch&quot;. schreibt er (Hervorhebungen, Listen, Absätze und &quot;[ ]&quot; von MDE):&lt;/p&gt;
&lt;p id=&quot;oneline&quot; style=&quot;border-color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt; &lt;/p&gt;
&lt;h3 align=&quot;center&quot; style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;
	Der tolle Mensch&lt;/h3&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot; style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;&lt;strong&gt;125.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;Der tolle Mensch. — Habt ihr nicht von jenem tollen Menschen gehört, der am hellen Vormittage eine Laterne anzündete, auf den Markt lief und unaufhörlich schrie: &quot;&lt;strong&gt;ich suche Gott! Ich suche Gott!&lt;/strong&gt;&quot; —&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;Da dort gerade Viele von Denen zusammen standen, welche nicht an Gott glaubten, so erregte er ein großes Gelächter. Ist er denn verloren gegangen? sagte der Eine. Hat er sich verlaufen wie ein Kind? sagte der Andere. Oder hält er sich versteckt? Fürchtet er sich vor uns? Ist er zu Schiff gegangen? ausgewandert? — so schrieen und lachten sie durcheinander.&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;Der tolle Mensch sprang mitten unter sie und durchbohrte sie mit seinen Blicken. &quot;Wohin ist Gott? rief er, ich will es euch sagen! &lt;strong&gt;Wir haben ihn getötet&lt;/strong&gt;, — ihr und ich! Wir Alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir dies gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? Müssen nicht Laternen am Vormittage angezündet werden? Hören wir noch Nichts von dem Lärm der Todengräber, welche Gott begraben? &lt;strong&gt;Riechen wir noch Nichts von der göttlichen Verwesung? — auch Götter verwesen! Gott ist todt! Gott bleibt todt! Und wir haben ihn getötet!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unseren Messern verblutet, — wer wischt dies Blut von uns ab? Mit welchem Wasser könnten wir uns reinigen? Welche Sühnfeiern, welche heiligen Spiele werden wir erfinden müssen? Ist nicht die Größe dieser Tat zu groß für uns? &lt;strong&gt;Müssen wir nicht selber zu Göttern werden, um nur ihrer würdig zu erscheinen?&lt;/strong&gt; Es gab nie eine größere Tat, — und wer nur immer nach uns geboren wird, gehört um dieser Tat willen in eine höhere Geschichte, als alle Geschichte bisher war!&quot; —&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;Hier schwieg der tolle Mensch und sah wieder seine Zuhörer an: auch sie schwiegen und blickten befremdet auf ihn. Endlich warf er seine Laterne auf den Boden, dass sie in Stücke sprang und erlosch. &quot;Ich komme zu früh, sagte er dann, ich bin noch nicht an der Zeit. Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert, — es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen. Blitz und Donner brauchen Zeit, das Licht der Gestirne braucht Zeit, Taten brauchen Zeit, auch nachdem sie getan sind, um gesehen und gehört zu werden. &lt;strong&gt;Diese Tat ist ihnen immer noch ferner, als die fernsten Gestirne, — und doch haben sie dieselbe getan!&lt;/strong&gt;&quot; —&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;Man erzählt noch, dass der tolle Mensch des selbigen Tages in verschiedene Kirchen eingedrungen sei und darin sein Requiem aeternam deo angestimmt habe. Hinausgeführt und zur Rede gesetzt, habe er immer nur dies entgegnet: &quot;&lt;strong&gt;Was sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht die Grüfte und Grabmäler Gottes sind?&lt;/strong&gt;&quot; —&lt;/p&gt;
&lt;p id=&quot;oneline&quot; style=&quot;border-color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nietzsche entwickelte aus diesen Gedanken heraus später die Idee des &quot;Übermenschen&quot;, wie sie vor allem im Zarathustra dargestellt wird: &quot;Tot sind alle Götter: nun wollen wir, dass der Übermensch lebe.&quot; Wir müssen das hier nicht weiter verfolgen. Weder die Seelenruhe der Skeptiker noch Nietzsches Übermensch entsprechen, wie später gezeigt wird, einem Leben des Menschen &lt;u&gt;als&lt;/u&gt; Mensch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der heutige Stand der Diskussion wird in der Wikipedia unter dem Stichwort &quot;&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Postmoderne&quot;&gt;Postmoderne&lt;/a&gt;&quot;  wie folgt zusammengefasst (Hervorhebungen von MDE):&lt;/p&gt;
&lt;p id=&quot;oneline&quot; style=&quot;border-color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;&lt;strong&gt;Elemente postmodernen Denkens und Urteilens sind&lt;/strong&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;ul style=&quot;color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt;&lt;li&gt;
		Absage an das seit der Aufklärung betonte Primat der &lt;strong&gt;Vernunft&lt;/strong&gt; (ratio) und die Zweckrationalität (die bereits in der Moderne erschüttert wurden)&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Verlust des autonomen &lt;strong&gt;Subjekts&lt;/strong&gt; als rational agierender Einheit&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Neue Hinwendung zu Aspekten der menschlichen Affektivität und &lt;strong&gt;Emotionalität&lt;/strong&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Ablehnung oder kritische Hinterfragung eines universalen Wahrheitsanspruchs&lt;/strong&gt; im Bereich philosophischer und religiöser Auffassungen und Systeme (sog. Metaerzählungen oder Mythen wie Moral, Geschichte, Gott, Ideologie, Utopie oder Religion, aber auch, insofern sie einen Wahrheits- oder Universalitätsanspruch trägt, Wissenschaft)&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Verlust traditioneller &lt;strong&gt;Bindungen&lt;/strong&gt;, von Solidarität und eines allgemeinen Gemeinschaftsgefühls&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Sektoralisierung&lt;/strong&gt; des gesellschaftlichen Lebens in eine Vielzahl von Gruppen und Individuen mit einander widersprechenden Denk- und Verhaltensweisen&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Toleranz, Freiheit und radikale &lt;strong&gt;Pluralität&lt;/strong&gt; in Gesellschaft, Kunst und Kultur&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Dekonstruktion&lt;/strong&gt;, Sampling, Mixing von Codes als (neue) Kulturtechniken&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Zunehmende &lt;strong&gt;Zeichenhaftigkeit&lt;/strong&gt; der Welt (siehe auch Semiotisches Dreieck u. Baudrillard)&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Feminismus&lt;/strong&gt; und &lt;strong&gt;Multikulturalismus&lt;/strong&gt;&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p id=&quot;oneline&quot; style=&quot;border-color: rgb(102, 0, 0);&quot;&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine typisch &lt;strong&gt;postmoderne Stimmung&lt;/strong&gt; formuliert Gianni Vattimo (* 4. Januar 1936 in Turin, postmoderner italienischer Philosoph, Autor und Politiker.) in &quot;&lt;a href=&quot;http://them.polylog.org/5/dvg-de.htm&quot;&gt;polylog. Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren&lt;/a&gt;&quot;:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vattimo&lt;/strong&gt;: &quot;Ich denke, das christliche Abendland sollte wirklich Abendland werden, in jenem Sinn, in dem Heidegger von &#039;Abendland&#039; spricht, also als Land, das sich darauf einlässt unterzugehen. Das gilt auch für das Christentum: Es scheint mir dazu bestimmt unterzugehen, sich aufzulösen, um nicht zu sterben.&quot;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Den gegenwärtigen Schlusspunkt der Wahrheitsdebatten mit Killerunterscheidungen scheint mir der Philosoph &lt;strong&gt;Josef Mitterer&lt;/strong&gt; (* 1948 in Westendorf) mit seinen Büchern &quot;Das Jenseits der Philosophie&quot; (Wien, 1992) und &quot;Die Flucht aus der Beliebigkeit&quot; (Frankfurt / M., 2001) gesetzt zu haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mitterer schlägt vor, den Begriff der Wahrheit abzuschaffen. Zur Begründung zeigt er, wie der Begriff der Wahrheit eingesetzt und was mit ihm bezweckt wird. Wer Wahrheit behauptet, bewegt sich unvermeidlich im Rahmen seiner selbstgesetzten Voraussetzungen. Der Rückgriff auf eine im Jenseits der Erkenntnis liegenden &quot;wahren Welt&quot; ist nur eine &lt;strong&gt;Illusion&lt;/strong&gt; - und der Versuch, den eigenen Standpunkt unangreifbar zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau das ist es, was wir Killerunterscheidungen nannten: die Illusion der Unterscheidung zwischen der von uns erkannten scheinbaren und der &quot;wahren Welt&quot;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mitterers &lt;strong&gt;Alternative&lt;/strong&gt; lautet:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		auf alle Killerunterscheidungen der Art &quot;scheinbare Welt&quot; - &quot;wahre Welt&quot; verzichten und&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		unsere Beschreibungen nicht auf Objekte (die Wirklichkeit, die Welt) beziehen, sondern von Objekten ausgehen.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Die Objekte sind demzufolge die bislang erfolgten Beschreibungen. Mitterer nennt sie Beschreibungen &quot;&lt;strong&gt;so far&lt;/strong&gt;&quot; (bisher). Eine neue Beschreibung eines Objekts ändert das Objekt der Beschreibung &quot;so far&quot; zu einem geänderten Objekt der Beschreibung &quot;&lt;strong&gt;from now on&lt;/strong&gt;&quot; (ab jetzt). Beschreibungen &quot;so far&quot; scheitern also nicht an der &quot;wahren Welt&quot;, sondern an anderen Beschreibungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	So weit so gut, aber: sollen Beschreibungen und Argumente nicht in &lt;strong&gt;Beliebigkeit&lt;/strong&gt; versinken, muss die Frage beantwortet werden, nach welchen Kriterien Beschreibungen &quot;so far&quot; durch Beschreibungen &quot;from now on&quot; zu ändern sind. Wir stehen dabei vor dem Problem, dass mit der Verabschiedung der Killerunterscheidungen alle Kriterien und Begründungsmöglichkeiten der letzten 2.500 Jahre unmöglich geworden sind. Weder die &quot;wahre Welt&quot;, noch die philosophische Vernunft, noch irgendeine Offenbarung stehen noch als Kriterium zur Verfügung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir können an die alten Kriterien nicht einmal anknüpfen. Wir brauchen keine neuen Kriterien, sondern qualitativ (oder kategorial) andere Kriterien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erste Ansätze zu anderen Kriterien bieten:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		die amerikanischen &lt;strong&gt;Pragmatiker&lt;/strong&gt;: der Erfinder des Pragmatismus Charles S. Peirce, der Popularisierer des Pragmatismus William James und insbesondere der Neopragmatiker Richard Rorty.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		der &lt;strong&gt;Objektivismus&lt;/strong&gt; von Ayn Rand (eigentlich Alissa Sinowjewna Rosenbaum, * 20. Januar/2. Februar 1905 in Sankt Petersburg, Russland; † 6. März 1982 in New York City, US-amerikanische Schriftstellerin und Philosophin), einer entschiedenen Gegnerin des Pragmatismus.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		die &quot;&lt;strong&gt;Allgemeine Theorie von Leben und Verhalten lebender Organismen&lt;/strong&gt;&quot; von Elliott Jaques (* 18. Januar 1917, † 8. März 2003, kanadischer Psychologe), der u.a. 1965 das Konzept der &quot;mid-life crisis&quot; einführte.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Die Antworten, welche von den Genannten angeboten werden, sind einerseits recht ähnlich, sehr praktisch an Erleben und Handeln orientiert, andererseits in den Einzelheiten dennoch wesentlich verschieden. Das beruht darauf, dass sie zwar alle keine Killerunterscheidungen verwenden, dennoch sehr verschiedene Wege gehen - aber diese philosophischen Feinheiten werde ich hier nicht vertiefen.&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Die Antwort der Pragmatisten lautet: &lt;strong&gt;Nutzen&lt;/strong&gt;. Die Beschreibung, welche in Bezug auf die Realisierung eines Ziels effizienter oder effektiver ist als eine andere Beschreibung, ist vorzuziehen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Die Antwort des Objektivismus lautet: die &lt;strong&gt;vernünftigere&lt;/strong&gt; Beschreibung, d.h. die Beschreibung, die ein &lt;strong&gt;blühendes Leben&lt;/strong&gt; mehr fördert, ist vorzuziehen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Die Antwort von Elliott Jaques lautet: &lt;strong&gt;Time-Frame&lt;/strong&gt;. Die Beschreibung, welche langfristigere Vorhersagen erlaubt ist vorzuziehen (das ist etwas verkürzt, aber wir behandeln das Thema weiter unten ausführlicher).&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Damit haben wir alle Voraussetzungen zusammen, um das Konzept einer anderen Welt zu erschaffen:&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Scheinbare Welt = wahre Welt.&lt;br /&gt;
	Vernünftige Argumente sind vorzuziehen.&lt;br /&gt;
	Vernunft ist, was langfristig dem blühenden Leben nutzt.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Nebenbei bemerkt:&lt;br /&gt;
	Der gesunde Menschenverstand hat das schon immer gewusst.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;section class=&quot;field field-name-taxonomy-vocabulary-4 field-type-taxonomy-term-reference field-label-inline clearfix view-mode-rss&quot;&gt;&lt;h2 class=&quot;field-label&quot;&gt;Tags:&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;&lt;ul class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/46&quot;&gt;Philosophie&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/24&quot;&gt;Thelema&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/section&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-field-vg-wort-story field-type-text field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;img src=&quot;https://vg06.met.vgwort.de/na/ad931aeeac064516b88bfeeca901cad5&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Mon, 06 Aug 2007 17:05:53 +0000</pubDate>
 <dc:creator>MDE</dc:creator>
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 <title>Die formale Anzeige</title>
 <link>https://www.mde-net.de/formale-anzeige</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Von MDE und TS-Nomaden&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	Einführung&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Das Wort &quot;&lt;strong&gt;formal&lt;/strong&gt;&quot; bedeutet, dass inhaltlich noch nichts vorgegeben ist, wohl aber in eine bestimmte Richtung gezeigt wird; daher das Wort &quot;&lt;strong&gt;anzeigend&lt;/strong&gt;&quot;: die Anzeige weist auf die faktische Existenz hin. Ich zitiere Gadamer, um diesen Sachverhalt darzustellen:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;&quot;Eine Anzeige hält sich immer in der Distanz des Zeigens, und das heißt wiederum, daß der andere, dem etwas gezeigt wird, selber sehen muß.&quot;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Gadamer bezieht sich auf eine Stelle wo Heidegger sagt, &quot;daß es, soll es zum Eigentlichen kommen, nur den Weg gibt, das uneigentlich Angezeigte auszukosten und zu erfüllen, der Anzeige zu folgen&quot;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gadamer bemerkt dazu:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;&quot;Heidegger gebraucht dafür [also für die Anzeige] ein Wort, mit dem ich anfangs nicht zurechtkam. Er sprach von ‚Auskosten und Erfüllen&#039; und erläuterte ‚Auskosten&#039; mit ‚aus ihm herausheben&#039;. … Aber die Pointe ist, daß das Leere gerade ins Konkrete führt. … Es gilt, sich gegen die Tendenz zu wehren, etwas zum Dogma zu machen. Stattdessen heißt es versuchen, das, was einem im Zeigen gezeigt wird, nun selber in Worte zu fassen und zur Sprache zu bringen. Was sich da zeigt, muß man zu sagen lernen, sagen mit eigenen Worten. Denn nur die eigenen, nicht die nachgesprochenen Worte wecken die Anschauung dessen, was man selber zu sagen suchte.&quot;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;h2&gt;
	Vorbemerkung: Sprache und das Bekannte&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Worte bezeichnen etwas, darum benutzen wir sie. Worte, die nichts bezeichnen, sind unklar, &lt;strong&gt;sinnlos&lt;/strong&gt; oder unbrauchbar und müssen präzisiert oder durch andere ersetzt werden. Allein, wenn jedes begegnende Ding seinen Namen hat, jeder Name bzw. jede Beschreibung auf andere verweist und so unsere benutzte Wortsprache quasi das Netz bildet, in dem wir alltäglich leben, wo sind wir dann? Wer sind wir dann? Was umgibt uns dann? Was wissen wir von uns und den anderen und den Dingen - außer dem, was uns die durch Benutzung bekannte Sprache sagt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wollen wir mehr, sollten wir vielleicht Sprache analysieren. Es gibt Modelle über Sprache, die selbst wieder sprachliche Modelle sind, was sonst. Es gibt Modelle über das Verhältnis von Sprache (Bezeichnendem) und Objekten (Bezeichnetes), die auch sprachlich sind und auf Außersprachliches hinzudeuten versuchen: auf etwas, das unseren Sprachgebrauch lenkt und sozusagen die Äste sind, in denen wir das Netz Sprache aufspannen, in dem wir leben. Es gibt Versuche, uns vom distanz- und wissenlosen &lt;strong&gt;Verhaftetsein&lt;/strong&gt; an Sprache zu lösen und etwas zu sehen, was wir vorher nicht sehen konnten. Gemeinsam ist ihnen: Sie bieten Methoden, um das zu schaffen. Den Methoden gemeinsam ist: Sie führen zu vorhersagbaren, mindestens begrenzten Ergebnissen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir leben, könnte man sagen, in einem Gefängnis der Sprache. &quot;Sprache&quot;, sagte Heidegger, &quot;ist das Haus des Seins. In ihrer Behausung wohnt der Mensch.&quot; Haus - Gefängnis, es könnte beides zutreffen. Ein neuer Ansatz war die Phänomenologie mit dem Schlachtruf &quot;&lt;strong&gt;Zu den Sachen selbst!&lt;/strong&gt;&quot; Nicht weg von den Phänomenen (vulgo: Dingen), sondern viel, viel näher ran.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	Was ist die formale Anzeige? Wie wird sie angewandt?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die &quot;formale Anzeige&quot; als Methode meint nicht eine funktionale Gebrauchsanleitung zu einem angestrebten Ergebnis, sondern ein Verhalten: gr. &lt;strong&gt;μεθα οδοσ&lt;/strong&gt; = META ODOS, der Weg nach …, oder: &lt;strong&gt;μεθοδοσ&lt;/strong&gt;, METHODOS, was &quot;Auf-dem-Weg-bleiben&quot; meint. Das bedeutet, Du musst den Weg (selbst) gehen, er-fahren und: Der Weg ist das Entscheidende, nicht der Zielpunkt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Methode … von was, wofür? Eine Methode des phänomenologisch Philosophierenden, um &quot;den Blick auf die &lt;strong&gt;Phänomene&lt;/strong&gt; von theoretisierenden Vorgriffen, insbesondere von ihrer Betrachtung als Objekte, freizuhalten, um somit die Phänomene als solche&quot; in den Blick zu bekommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&quot;Des phänomenologisch Philosophierenden&quot; ist schon irreführend, denn es geht eben nicht darum, dass dies ein Verhalten &#039;der anderen&#039; oder einer bestimmten Berufsklasse von Menschen ist, sondern eine &lt;strong&gt;Er-fahr-ung des unverstellten Daseins&lt;/strong&gt; (&quot;Dasein&quot; meint bei Heidegger den Menschen), von mir und von dir, wenn wir uns zur Eigentlichkeit (&quot;Eigentlichkeit&quot; meint bei Heidegger das &#039;eigentliche&#039; Leben) entschließen. Er-fahr-ung heißt: Ich nehme mich selbst mit, ich stelle bei der Betrachtung der Phänomene alles, was ich über sie schon zu wissen meine, zur Disposition, ich bin offen für das Phänomen als solches und somit auch bereit, mich durch das Neue, das ich er-fahre, wandeln zu lassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier sind schon einige der entscheidenden Charaktere der formalen Anzeige genannt:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Abweisung (das, was ich schon zu wissen meine, in Frage stellen),&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Offenheit,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Bereitschaft,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Konversion (Wandlung meiner selbst).&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Was meint Offenheit für ein &lt;strong&gt;Phänomen&lt;/strong&gt;? Ein Phänomen besteht nicht nur aus seinem Gehalts-, sondern auch aus seinem Bezugs- und Vollzugssinn:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Gehaltssinn&lt;/strong&gt;: das zumeist als Gegenständliches gefasste &#039;Was&#039; des Phänomens&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Bezugssinn&lt;/strong&gt;: das &#039;Wie&#039; des &#039;Habens&#039; des Gegenstandes&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Vollzugssinn&lt;/strong&gt;: die Weise, in der ich mich in Bezug auf den Gegenstand verhalte, z.B. traurig, distanziert&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Üblicherweise wird ein Phänomen als dessen Gehaltssinn gefasst, als Gegenstand, bzw. Objekt. Indem aber auf ein Phänomen als Objekt Bezug genommen wird, wird der &lt;strong&gt;Vollzugssinn&lt;/strong&gt; dieser Bezugnahme vernachlässigt. D.h. wenn ich ein Phänomen als Objekt betrachte, distanziere ich mich von dem Phänomen. Dadurch wird ein Phänomen nicht in seiner Gesamtheit gefasst, sondern aus seinem lebendigen Erfahrungszusammenhang herausgerissen und zum bloßen Untersuchungsgegenstand degradiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie aber komme ich in die &quot;lebendige Erfahrung&quot;? Wo doch meine alltäglichen selbstverständlichen Konzepte und Begriffe mir den freien Blick auf das Phänomen verstellen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bezeichnung &quot;formale Anzeige&quot; selbst gibt einen Wink auf das Besondere der Methode oder des Prozesses (um das Sich-selbst-mitnehmen, das Selbst-gehen und die daraus folgende Verwandlung deutlicher zu machen): &lt;strong&gt;formalanzeigend&lt;/strong&gt;, weil der jeweils verwendete Begriff zur Anzeige eines bestimmten Phänomens jeder vorgängigen inhaltlichen Bedeutung entbehren soll, rein formal, inhaltlich leer, schlicht und einfach eine &lt;strong&gt;Zeichenfolge&lt;/strong&gt;, die auf das noch un-begriffene Phänomen zeigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die so richtig verstandene, er-fahrene &lt;strong&gt;Leerstelle&lt;/strong&gt; weist auf das Phänomen und bewirkt das Fragen, Hin-wenden und Hin-hören zum Phänomen, das Eröffnen und Sich-öffnen-für neue Möglichkeiten des Sehens oder anders, die Bereitschaft, die Leerstelle neu und anders zu füllen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit sind weitere Charaktere der formalen Anzeige genannt:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Anweisung (Hinweis auf die Verstehensrichtung, die vom Phänomen selbst vorgegeben wird),&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Richtung (in die ich mich hin-wende),&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Möglichkeit,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Hören,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Frage.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Die &quot;formale Anzeige&quot; bedeutet zuerst und vorrangig: &lt;strong&gt;Fragen&lt;/strong&gt;. Die Frage braucht nicht unbedingt ein Satzmodus zu sein. Entscheidend ist der Vollzug des In-Frage-Stellens. Zum echten Fragen schreibt Heidegger, es ist&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;&quot;... ein Fragen, in dem wir in das Ganze des Seienden hineinfragen&lt;br /&gt;
	und so fragen, daß wir selbst, die Fragenden,&lt;br /&gt;
	dabei mit in die Frage gestellt,&lt;br /&gt;
	in Frage gestellt werden.&quot;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses Fragen - anders als wir es aus Schule und Alltäglichkeit gewohnt sind - führt nicht zu einer schnellen Antwort, einem Ergebnis, das wir abschließen können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine typische erste &#039;Anwort&#039; im Prozess der formalen Anzeige ist eine &lt;strong&gt;Tautologie&lt;/strong&gt; oder ein &lt;strong&gt;Zirkel&lt;/strong&gt;: Was ist Sprache? Sprache ist sprechen - um jeglichen unhinterfragten, vorgängigen Gehalt des Phänomens oder die Gewohnheit, das Phänomen schon als etwas anderes zu sehen, abzuweisen und stattdessen nur das Phänomen als solches anzuweisen. Das &quot;als&quot; führt jedoch nicht notwendig vom Phänomen weg, z. B. ist bei der Formulierung &quot;Sprache als Sprache&quot; der gewollte Zirkel gewährleistet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &quot;formale Anzeige&quot; ist in sich in &lt;strong&gt;drei Stufen&lt;/strong&gt; unterteilt. Diese konretisieren sich von der ersten Anzeige eines rein formalen, noch vollständig inhaltsleeren Phänomens hin zu einem konkreten, vulgären Phänomen. Diese Abfolge kann auch als &lt;strong&gt;Entformalisierung&lt;/strong&gt; bezeichnet werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Stufen sind:&lt;/p&gt;
&lt;div align=&quot;center&quot; id=&quot;kreuztabelle&quot;&gt;
&lt;table&gt;&lt;caption&gt;
			Kreuztabelle: Formale Anzeige&lt;/caption&gt;
&lt;tbody style=&quot;border-top: 0pt none;&quot;&gt;&lt;tr&gt;&lt;th class=&quot;kreuztabellethema&quot;&gt;
					Formale&lt;br /&gt;
					Anzeige&lt;/th&gt;
&lt;th&gt;
					Möglichkeits-&lt;br /&gt;
					Stufen&lt;/th&gt;
&lt;th&gt;
					Phänomen-&lt;br /&gt;
					Begriff&lt;/th&gt;
&lt;th&gt;
					Frage&lt;/th&gt;
&lt;th&gt;
					Syllogismus&lt;/th&gt;
&lt;th&gt;
					Ontologie&lt;/th&gt;
&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;th&gt;
					1. Stufe&lt;/th&gt;
&lt;td&gt;
					Ermög-&lt;br /&gt;
					lichendes&lt;/td&gt;
&lt;td class=&quot;cellcolordark&quot;&gt;
					formal&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;
					Ge-&lt;br /&gt;
					fragtes&lt;/td&gt;
&lt;td class=&quot;cellcolordark&quot;&gt;
					Allgemeines&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;
					Sein&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;th&gt;
					2. Stufe&lt;/th&gt;
&lt;td class=&quot;cellcolordark&quot;&gt;
					Möglichsein&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;
					phänome-&lt;br /&gt;
					nologisch&lt;/td&gt;
&lt;td class=&quot;cellcolordark&quot;&gt;
					Er-&lt;br /&gt;
					fragtes&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;
					Besonderes&lt;/td&gt;
&lt;td class=&quot;cellcolordark&quot;&gt;
					Sinn von&lt;br /&gt;
					Sein&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;th&gt;
					3. Stufe&lt;/th&gt;
&lt;td&gt;
					Möglichkeit&lt;/td&gt;
&lt;td class=&quot;cellcolordark&quot;&gt;
					vulgär&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;
					Be-&lt;br /&gt;
					fragtes&lt;/td&gt;
&lt;td class=&quot;cellcolordark&quot;&gt;
					Einzelnes&lt;/td&gt;
&lt;td&gt;
					Seiendes&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Die genannte Entformalisierung ist also das Aufzeigen eines &lt;strong&gt;Ermöglichungszusammenhangs&lt;/strong&gt;: Der formale Phänomenbegriff ist dasjenige, was überhaupt er-möglicht oder auch: der Grund der Bedingung der Möglichkeit. Der phänomenologische Phänomenbegriff bezeichnet das Möglichsein oder die Bedingung der Möglichkeit: Das, &quot;was sich in den Erscheinungen, dem vulgär verstandenen Phänomen vorgängig und mitgängig, obzwar unthematisch, schon zeigt&quot;. Der vulgäre Phänomenbegriff bezeichnet eine realisierte Möglichkeit. Formal anzeigendes Denken kann auf jeder dieser drei Stufen begonnen werden.&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Begriffe auf der &lt;strong&gt;1. Stufe&lt;/strong&gt; beginnend zu erkunden, wird heißen, sie fortschreitend zu konkretisieren. Zunächst wird ein Begriff gefunden (Sein, Kreativität, Freiheit, Schönheit), der ein Allgemeines (formale Struktur) anzuzeigen geeignet ist, also vollständig leer von Vorstellungen gemacht werden kann. Erst dann kann der Fragende sich unbefangen in diese Frage stellen und Besonderes nach Hinweisen absuchen, wie sich eine solche Struktur konkretisieren ließe. Auf der dritten Stufe, im Einzelnen erst wird sie greifbar, sinnlich anschaubar.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Begriffe auf der &lt;strong&gt;3. Stufe&lt;/strong&gt; zu befragen heißt, sie nach dem zu befragen, was und wie sich in ihnen etwas zeigt und sodann nach dem, was dieses ermöglicht. Alltägliches Verstehen von Begriffen auf der Stufe vulgärer Phänomene ist zunächst durch das uns so selbstverständliche Denken in &quot;Vorhandenheiten&quot; geprägt. Sie in &quot;formale Anzeige&quot; zu nehmen, wird bewirken, dass sie sich wandeln und mit sich den Fragenden, der sich selbst von einem vermeintlich &quot;Vorhandenen&quot; in ein &quot;Dasein&quot; wandeln muss, wenn er das was sie ihm sagen, verstehen will.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Von der &lt;strong&gt;2. Stufe&lt;/strong&gt; beginnend zu fragen, ist die eigentliche Domäne des formal anzeigenden Denkens - sie führt in den &quot;Hermeneutischen Zirkel&quot;: Das Einzelne durch Fragen an das Allgemeine (Ganze) und dieses durch das beharrende Fragen, wie es sich im Konkreten zeige, zurückzufragen. Erfragt wird in diesem kreisenden Denken nicht nur die Mitte zwischen Ermöglichendem und realisierter Möglichkeit, zwischen Allgemeinem und Einzelnen, sondern in dieser Mitte entbirgt der Fragende sich selbst.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Ein Beispiel für den Ermöglichungszusammenhang: Das Sein, welches als Ermöglichendes das Seinsverständnis schickt (1. Stufe), das Seinsverständnis (2. Stufe), welches als vorgängiges Verstehen schon immer gegeben sein muß, um &quot;Dasein&quot;, sprich &quot;In-der-Welt-sein&quot; sein zu können. Das &quot;In-der-Welt-sein&quot; schließlich als realisierte Möglichkeit eines Seienden (3. Stufe).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;An diesem Beispiel ist zu sehen, dass die &quot;formale Anzeige&quot; 3. Stufe nicht vorschnell mit empirisch zugänglichen, konkretem Seiendem gleichgesetzt werden kann. Es geht &lt;strong&gt;nicht&lt;/strong&gt; darum, am Ende, endlich, ein &lt;strong&gt;Resultat&lt;/strong&gt; vorweisen zu können (&quot;Ah, nun weiß ich es: Das ist ein weltloser Gegenstand, ein &#039;Vorhandenes&#039;, ein Tisch.“), sondern die drei Stufen sind jeweils Stufen der Näherung an ein Phänomen, sozusagen die Suchgegend, in der ich meine Expedition starte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann die Expedition an einem Punkt abbrechen und sich zufrieden geben, weil man etwas gefunden hat. Dies entspricht nicht der formalen Anzeige als Seinsweise des &quot;eigentlichen Daseins&quot;, sich vom Phänomen immer wieder neu angehen und wandeln zu lassen. Der umgangssprachliche Phänomenbegriff (wie in: &quot;ein Phänomen!&quot;, &quot;phänomenal!&quot;) weist die Richtung: Die formale Anzeige hält den Philosophierenden im &lt;strong&gt;Staunen&lt;/strong&gt;, die Welt ist nicht altbekannt, sondern Abenteuer.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	Ausblick&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Was dürfen, was können wir in einer Zeit des weltpolitischen und gesellschaftlichen Verfalls, in einer von Willkür und machenschaftlichen Denken getriebenen Welt, in der uns nichts erstaunt, von einer formal anzeigenden Philosophie erwarten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun, nichts, was uns abgeschlossene Antworten geben könnte! Nichts, was uns in unserer Bequemlichkeit und Selbstgenügsamkeit bestärken oder sogar bestätigen könnte! Die &quot;formale Anzeige&quot; mit ihrer permanenten Konversionsforderung ist die radikalste Kampfansage an das, was wir für die selbstverständlichste Sache der Welt halten – nämlich uns selbst.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;&quot;Nur was wir nicht verstanden haben, können wir abschließen.&quot;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
	(Peter Hoeg, Fräulein Smilla)&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	Metapher für die formale Anzeige - ein Seiltanz&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Ein Seiltanz zwischen den Abgründen der analytischen, alles in kleine handhabbare, machbare Häppchen zerteilende Präzision auf der einen und dem der im Unbestimmt-Nebligen bleibenden Vagheit auf der anderen Seite - zwischen der Gefahr im Einzelnen zu versinken oder sich im Allgemeinen zu verlieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie hält ein Mensch sich in dieser schwankenden Höhe - auf dem Seil - ohne abzustürzen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Tanzend, das ist mit &quot;Seiltanz&quot; schon angezeigt, aber wie tanzt er, wie allein kann Mensch auf einem Seil tanzen? In Bewegung bleibend - tastend zwar aber entschlossen, auf jeden Schritt ohne Zögern den nächsten zu wagen. Den Mut, die Kraft für den nächsten Schritt, erhört, erfühlt, ersieht der Tanzende aus den Abgründen sich, die ihn tragen, indem der eine sowohl wie der andere ihn in je seine Tiefe zu sinken lockt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Je tiefer und zarter sich ziehen lassend - er beiden Abgründen zugleich sich öffnet, je sicherer, tanzender setzt er seine Schritte.&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Das Ohr hin zum Abgrund der Vagheit lauscht auf das frag-würdige Wort und vernimmt immer feiner seine Fragen, seine Herkunft, seine Sehnsucht, verstanden, gehört, gehütet zu werden.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Das andere Ohr steht senkrecht-scharf in die Höhe, das Gewirr der klagenden, zerrenden Schreie aus dem Abgrund der Zerteilten zu orten und aufzusammeln, in Worte zu sammeln.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Im endlos kreisenden Hin und Her zu den Abgründen hin erprobt der Tanzende das Lied, das er unentwegt weiter-dichtend, zu singen lernt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Mensch, der sich zu &quot;Dasein&quot; wandelt, wäre dann ein singender Mensch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Oder wird er zum Übersetzer zwischen zwei Abgründen, die ohne ihn nicht die Spur einer Chance haben, einander und damit sich selbst zu verstehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie singt er genau?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um singend den nächsten Tanzschritt zu finden, kommt alles darauf an, dass er sein Hören-können entwickelt. Um Nach-zusprechen, was er verstanden hat - so treffend und fein wie ihm möglich - nachsprechend, in Worten aussprechend?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und Hören meint auch - vernehmliche Laute, Stimmen, ebenso aber das Bewegen, Zucken, Schwingen, Leuchten aller Arten von Sinne. Die er zu Worten übersetzen lernt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine seltsame Gegenbewegung ist dieses Hören, das er, ja schon auf dem Seil tanzend, immer weiter verfeinern muß:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hören auf die Frage, die &lt;strong&gt;sich selbst&lt;/strong&gt; (ohne von ihm gesungen zu werden) nicht verstehen kann.&lt;br /&gt;
	Dafür muss er - sein Hören &quot;klar&quot; halten. Er muss standhalten: Mehr und zugleich weniger hören als er vielleicht gewohnt sein mag:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Hellhörig werden dafür, wie mögliche Antworten, mögliche antwortende Fragen klingen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Und taub für das sonstige Stimmengewirr, das ihn hier - oder dort in den Abgrund zöge.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Und nur er kann die einen mit den anderen - zueinander - ins Gespräch bringen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Und dieses Gespräch ist er selbst - er wird es, indem er es singt.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;h2&gt;
	Beispiele um in formal anzeigendes Denken hineinzukommen&lt;/h2&gt;
&lt;h3&gt;
	Kant&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Kant hat über Mündigkeit nachgedacht, hat dann diesen tollen Satz, &quot;Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit&quot;, geschrieben. Den können wir lesen, abschreiben, lernen und die Sache ist erledigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir Begriffe wie &quot;Aufklärung&quot; oder &quot;Mündigkeit&quot; formal anzeigend fassen ... dann sind sie provisorische Platzhalter ... dann kann uns Kant nicht mehr das Denken abnehmen, sondern wird eine Zeitlang unser Begleiter und irgendwann verlassen wir ihn und wo wir letztlich landen, ist ungewiss.&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;
	Drache&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Nun stelle dir vor, du gehst eine belebte Straße entlang. Es pfeift auf irgendwie anstößige Weise, und wie du dich im Laufen umdrehst, da siehst du einen goldenen Drachen hinter dir her trippeln, der ganz lässig eine türkisfarbene Handtasche um sein linkes Handgelenk schlenkert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Du staunst! „Wow, das kann doch nicht wahr sein, ein leibhaftiger goldener Drache, der seine türkisfarbene Handtasche schlenkert.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber im nächsten Moment würdest du denken, dass es so etwas doch gar nicht gibt, weil so etwas einfach nicht &lt;u&gt;sein&lt;/u&gt; kann. Erstens ist es um diese Jahreszeit viel zu kalt und zweitens gibt es keine goldenen Drachen, die am hellichten Tag mit einer farbigen Handtasche am Arm auf einer belebten Straße herumlaufen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gut, vielleicht hast du recht. Doch im Grunde ist diese Situation wie geschaffen für ein phänomenologisch ausgezeichnetes philosophierendes Verhalten und - die &quot;formale Anzeige&quot;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Du hast nun zwei Möglichkeiten: Du rennst entweder Hals über Kopf davon, um nie wieder auch nur ein Wort darüber zu verlieren oder du bleibst und stellst dich dieser ungeheuerlichen Konversionszumutung. Denn, was du jetzt zu tun hast, ist fragend denkendes Besinnen dieses Phänomens und deines &quot;Daseins&quot; in der Welt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ok, was siehst du? Einen Drachen, was sonst. Du fragst ihn, ob er einer ist, doch er blinzelt nur zurück. Du beschließt, ihn anzufassen und wunderst dich, wie kühl diese Haut ist. Aber eigentlich ist sie gar nicht kühl und auch gar keine Haut. Da sind jede Menge Schuppen und Schüppchen und als du dran zupfst, beginnt er zu glucksen. Auch das noch!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber du merkst, dass dir bei diesem Erkundungsgang nicht ganz wohl ist. Du diagnostizierst an dir eine Art Schock und musst dich zwingen, das Gerede in Deinem Kopf im Zaum zu halten: „das kann doch nicht sein, das kann doch nicht sein, das kann doch nicht sein, das kann doch nicht…“, u.s.f.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Worauf es jedoch ankommt ist, weiterhin &#039;im Sturm zu stehen&#039;, dabei zu bleiben, offen zu sein und mit zu bekommen, was mit dir geschieht, was dieses Phänomen mit dir &#039;macht&#039;. Wichtig ist, wie wir die Erkundung des Phänomens vollziehen. Wie wir uns als Mensch und Mitmensch in und mit unserer Welt auseinandersetzen und das dies immer mit unserer &#039;Selbstwelt&#039; zu tun hat.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	Beispiele für Verhalten, das sich der Aufgabe, die eine formale Anzeige ist, stellt&lt;/h2&gt;
&lt;h3&gt;
	&quot;Sein und Zeit&quot;&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Die Frage nach dem &lt;strong&gt;Sein&lt;/strong&gt; zu stellen, überhaupt zu finden, wie nach dem Sein fragen, erfordert (so Heidegger in der Einleitung zu SZ) das &lt;strong&gt;Seiende&lt;/strong&gt; selbst auf sein Sein hin abzufragen. (S.6)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das heißt aber nicht einfach: Hinsehen und beschreiben, sondern zuvor muss dieses Seiende &#039;zugänglich&#039; für den Fragenden geworden sein. Und &#039;zugänglich machen&#039; kann ja dann nicht heißen, wild draufloszufragen, sondern erst zu finden, wie ich fragen kann, damit dieses Seiende mir zugänglich wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was will ich erfahren? - Wie es ist. Wie es sein kann. Wozu und dann: Worumwillen es ist - den &lt;strong&gt;Sinn seines Seins&lt;/strong&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber wie frage ich das Seiende danach? Heidegger lenkt die Aufmerksamkeit auf das Seiende, das sich verstehend, fragend zu sich selbst verhält - dem Dasein. Wie &lt;strong&gt;Dasein&lt;/strong&gt; sich selbst, sein &quot;Wozu&quot;, &quot;Worumwillen&quot; verstehen kann. Was es von sich versteht und was ihm zunächst verborgen bleiben muss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &lt;strong&gt;Gefragte&lt;/strong&gt; also ist das &lt;strong&gt;Sein&lt;/strong&gt;, das Ermöglichende, die eröffnende Frage. Sie öffnet den Antwortraum und hält ihn offen. Diese, die eröffnende, ermöglichende Frage, wird an keiner Stelle von &quot;Sein und Zeit&quot; beantwortet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &lt;strong&gt;Erfragte&lt;/strong&gt; ist der &lt;strong&gt;Sinn von Sein&lt;/strong&gt;, der zu erforschende Antwortraum, der vom Gefragten offengehalten wird. Diesen Antwortraum erforscht Heidegger fragend danach, wie, wodurch es möglich ist (Möglichsein), dass Sein verstanden werden kann:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&quot;Der gesuchte &lt;strong&gt;Sinn von Sein&lt;/strong&gt; ist nichts hinter dem Sein. Der Sinn ist das, aus dem her Sein verstanden wird.&quot; (§ 32, S. 152)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &lt;strong&gt;Befragte&lt;/strong&gt; ist das &lt;strong&gt;Seiende&lt;/strong&gt; selbst (Möglichkeit), das auf sein Sein-können, sein Möglich-sein hin befragt wird - Dasein. &quot;Die Frage nach dem Sinn ist die Frage nach dem Sein, vorausgesetzt, das Sein hält sich in der Verständlichkeit des &lt;strong&gt;Daseins&lt;/strong&gt; .&quot; (ebd.)&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;
	Wer bin ich?&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Zunächst werden dir vermutlich sämtliche Eigenschaften einfallen, die du dir zuschreiben würdest. Irgendwann - obwohl du es vermutlich endlos so weiter machen könntest - bist du mit deinem Latein am Ende: Das bin ich nicht!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als nächstes könnten dir Erinnerungen einfallen - Erlebnisse, die dich geprägt haben - Erfahrungen, die zu dir gehören, die du bist. Irgendwann kommt ein Punkt, wo es auch hier nicht weiterzugehen scheint.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was nun? Deine räumliche Umgebung scheint plötzlich furchtbar aufregend zu werden, aber dir wird klar, dass dieses urplötzliche Interesse nur dazu dient, um von dir abzulenken. Wenn du dich wieder auf dich zentrierst und tief in dich hineinspürst, bist du irgendwann nur noch deine Empfindungen. Alle Äußerlichkeiten sind beiseite geräumt, deine Vergangenheit zählt nicht mehr, dein Kopf ist geleert, du bist deine Empfindung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem du dich von allem befreit hast, woran du dich festgehalten hattest, und nichts mehr übrigbeleibt, ist der Punkt erreicht, an dem eine Umwandlung stattfinden kann.&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;
	Geist&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Was ist Geist? Zur vulgären Fassung des Phänomens ist festzuhalten, dass man sich davon distanziert, sei es verunsichert, verächtlich oder anders. Die Frage: &quot;Was ist Geist&quot;, ist jedenfalls unzulässig und irrelevant. Man weiß, es ist eine Frage für studierte Philosophen, vielleicht auch für Psychiater. Sind nicht beide Berufe dafür bekannt, uns das Leben schwer zu machen durch die Erfindung abstruser Begriffe?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf der formalen Ebene wird ein Philosoph gerade aus dem Umstand, daß der Begriff &quot;Geist&quot; vage ist, den Ansporn ziehen, ihn klären zu wollen. Er muss nicht überzeugt sein, die wahre Antwort zu finden, doch zumindest eine wahrere als wir bisher kennen. So liegt es nahe, die Ergebnisse und Aussagen anderer Philosophen (evt. auch Naturwissenschaftler) zu vergleichen und durch Gemeinsamkeiten und Unterschiede und Widersprüche mehr zu erkennen. Da die Erkenntnisfähigkeit des Einzelnen begrenzt ist, kann durch Kombination vieler einzelner Ansätze mehr erkannt werden. Zugrunde liegt dem die Überzeugung, dass die Wahrheit in der optimalen Beschreibung liegt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf der phänomenologischen Ebene muss man sich von den vorgängigen Leitgedanken lösen. Das vulgäre Phänomen, also das, was ich selbstverständlich mit &quot;Geist&quot; meine, befrage ich auf sein Wesen. Ergänzend zur Sachliteratur werde ich z.B. meditieren, Drogen nehmen, den Biorhythmus einbeziehen. All diese Erfahrungen können bedenkenswerte Wege und Abwege zeigen.&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;
	Faschismus&lt;/h3&gt;
&lt;ol&gt;&lt;li&gt;
		Schritt: das III. Reich war schlecht; Nazis sind super; u.a. Aussagen&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Schritt: &quot;Der Begriff Faschismus entstand als Name für die Bewegung Benito Mussolinis in Italien. Beginnend mit Stalin wurde er von der kommunistischen Propaganda weitgehend dem Antikommunismus gleichgesetzt. Eine neuere Interpretation des Begriffes durch Ernst Nolte (seit etwa 1970) beschränkt die Verwendung des Begriffes auf antiliberale, antidemokratische und antikommunistische Ideologien und schließt damit auch den (deutschen) Nationalsozialismus ein. Abgeleitet ist der Begriff Faschismus vom italienischen fascio bzw. lateinischem fascis für Bund, Bündel. ...&quot;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Schritt: ein Gedicht (eine Möglichkeit zumindest; um die abschließende Wahrheit geht es nicht)&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Theodor Kramer&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Dichter Theodor Kramer war ein österreichischer Jude. Er floh nach dem Anschluß Österreichs nach England. Der Faschist, um den es in dem Gedicht geht, war Josef Weinheber - auch er ein österreichischer Dichter. Er schrieb nach dem Anschluss Gedichte zur Verherrlichung Hitlers. Im April 45 nahm Weinheber sich das Leben. Einen Monat später schrieb Kramer das &quot;Requiem&quot;.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Requiem für einen Faschisten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;Du warst in allem einer ihrer Besten&lt;br /&gt;
	erschrocken fühl ich heut mich dir verwandt,&lt;br /&gt;
	du schwelgtest gerne bei den gleichen Festen&lt;br /&gt;
	und zogst wie ich oft wochenlang durchs Land.&lt;br /&gt;
	Es füllte dich wie mich der gleiche Ekel&lt;br /&gt;
	vor dem Geklügel ohne innern Drang,&lt;br /&gt;
	vor jedem Wortgekletzel und Gehäkel,&lt;br /&gt;
	nichts galt dir als der schöne Überschwang.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;So zog es dich zu ihnen, die marschierten,&lt;br /&gt;
	wer weiß da, wann du auf dem Marsch ins Nichts&lt;br /&gt;
	gewahr der Zeichen wurdest, die sie zierten?&lt;br /&gt;
	Du liegst gefällt am Tage des Gerichts.&lt;br /&gt;
	Ich hätte dich mit eigner Hand erschlagen;&lt;br /&gt;
	doch unser keiner hatte die Geduld,&lt;br /&gt;
	in deiner Sprache dir den Weg zu sagen:&lt;br /&gt;
	dein Tod ist unsre, ist auch meine Schuld.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;Ich setz für dich zu Abend diese Zeilen,&lt;br /&gt;
	da schrill die Grille ihre Beine reibt,&lt;br /&gt;
	wie du es liebtest, und der Seim im geilen&lt;br /&gt;
	Faulbaum im Kreis die schwarzen Käfer treibt.&lt;br /&gt;
	Daß wir des Tods und Ursprungs nicht vergessen,&lt;br /&gt;
	wann jeder Brot hat und zum Brot auch Wein,&lt;br /&gt;
	vom Überschwang zu singen wie besessen,&lt;br /&gt;
	soll um dich, Bruder, meine Klage sein.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;section class=&quot;field field-name-taxonomy-vocabulary-4 field-type-taxonomy-term-reference field-label-inline clearfix view-mode-rss&quot;&gt;&lt;h2 class=&quot;field-label&quot;&gt;Tags:&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;&lt;ul class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/46&quot;&gt;Philosophie&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/48&quot;&gt;Vernunft&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/section&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-field-vg-wort-story field-type-text field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;img src=&quot;https://vg06.met.vgwort.de/na/4453dd45560440a69deb256cf6fa0678&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Fri, 03 Aug 2007 19:51:38 +0000</pubDate>
 <dc:creator>MDE</dc:creator>
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 <title>Reflexionsstufen: reflektieren auf das Unendliche ...</title>
 <link>https://www.mde-net.de/reflexion</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;p&gt;Gotthard Günther unterscheidet, im Anschluß an Hegel, vier Reflexionsstufen, die ich hier, durch eigene Überlegungen angereichert, reformuliere. Ich kürze &quot;Reflexionsstufe&quot; durch &quot;R&quot; mit der dahintergeschriebenen Ordnungszahl ab, also bedeutet &quot;R0&quot; Reflexionsstufe Null:&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	&lt;strong&gt;R0 - Unbewußtsein, keine Reflexion&lt;/strong&gt;&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die Reflexionsstufe ist als R0, nullte R-Stufe, bezeichnet, weil hier noch keine Reflexion stattfindet. Das Thema des Denkens ist nur das Sein (die Objekte der Umwelt, Es) und das Subjekt (Ich) hat keine bewußte Erkenntnis darüber, daß es dieses Außen und das Denken darüber gibt. Faktisch ist die Differenz zwischen Ich und Umwelt vorhanden, aber es gibt kein Bewußtsein dieser Differenz. Das Modell der Welt ist subjektivisch, d.h. alles lebt und alle Geschehnisse (auch Naturereignisse) sind intentional. Das Leben ist wesentlich Schicksal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Subjekt weiß, aber es weiß nicht, daß es weiß. Es hat Wissen über das Sein, aber kein Wissen von seinem Wissen, es reflektiert nicht, deshalb ist es unbewußt.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	&lt;strong&gt;R1 - Seinsbewußtsein, Verstand, Reflexion auf das Sein (R0)&lt;/strong&gt;&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Hier wird erstmalig zwischen Sein und Bewußtsein, Innenwelt und Außenwelt, Subjekt und Objekt bewußt unterschieden. Das Thema dieser Stufe ist das &lt;strong&gt;Abbildverhältnis von Denken und Sein&lt;/strong&gt;, von Innen- und Außenwelt, von Bewußtsein und abgebildetem Objekt. Hier wird reflektiert und der Gegenstand der Reflexion ist das Objekt, das Sein (R0). Das Subjekt hat nicht nur Wissen, sondern es hat Wissen von seinem Wissen. Von seinem Wissen zu wissen ist Selbstbewußtsein, welches hier faktisch vorhanden, aber noch nicht bewußt ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Diese Reflexionsstufe ist der Ort der klassischen, zweiwertigen (wahr, falsch) aristotelischen Logik&lt;/strong&gt;, deren Gegenstand R0, d.h. die Objekte der Umwelt sind. Mit dem Instrumentarium der zweiwertigen Logik wird entschieden, ob eine Aussage über ein Objekt (z. B.: &quot;Die Rose ist rot.&quot;) wahr oder falsch ist. Es gibt keinen Unterschied zwischen Wissen und Glauben, denn die Wahrheit wird von Göttern oder anderen höheren Mächten garantiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf dieser Stufe ist sich das Lebewesen seines Wissens bewußt und hat deshalb &lt;strong&gt;Selbstbewußtsein&lt;/strong&gt; (Wissen des Wissens), aber es hat kein Bewußtsein seines Selbstbewußtseins, ist sich nur des Seins bewußt, weil es nur über das Sein, nicht aber über das Selbstbewußtsein reflektiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Beispiel&lt;/strong&gt;: Auf R0 weiß das Lebewesen, daß es Hunger hat, aber es weiß nicht, daß es von seinem Hunger weiß. Deshalb führt Hunger zum Essen - oder zum Verhungern, aber es ist unmöglich bewußt zu hungern, sich für das Hungern zu entscheiden. Auf R1 hingegen weiß das Lebewesen, daß es weiß, daß es Hunger hat - und kann sich deshalb zur Diät, d.h. zum reflektierten Umgang mit dem Hunger, entscheiden. Auf R0 ist die Befriedigung des gewußten Hungers Ziel und man kann entscheiden, wie man den Hunger stillt, aber nicht ob man den Hunger stillt.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	&lt;strong&gt;R2.1 - Selbstbewußtsein, Vernunft, Reflexion auf R1&lt;/strong&gt;&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der Gegenstand der Reflexion ist die Reflexion von R1 auf R0, d.h. die &lt;strong&gt;Reflexion auf die Reflexion des Bewußtseins auf das Sein&lt;/strong&gt;. Das impliziert die Reflexion auf die zweiwertige Logik und damit stellen sich ganz neue Wahrheits- und Begründungsfragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die primäre Frage ist nun nicht mehr, ob eine Aussage wahr oder falsch ist, sondern: &quot;&lt;strong&gt;Was ist Wahrheit?&lt;/strong&gt;&quot;. Mit dieser Frage ist man aber mitten im Dschungel des Gestrüpps der Letztbegründungen und die Wahrheitsfrage, wird zu der Frage: Wie kann man Wahrheit begründen? Gibt es einen Gott? In der Philosophiegeschichte beginnt diese Stufe mit Descartes: Ich denke, also bin ich. Diese Frage reflektiert auf das Subjekt von R1 und deshalb wird hier das Selbstbewußtsein bewußt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Reflektiertes Selbstbewußtsein ist &lt;strong&gt;Sinnbewußtsein&lt;/strong&gt;. Sinnbewußtsein ist hier zwar vorhanden, aber nicht bewußt, d.h. der Sinn wird nicht reflektiert, reflektiert wird nur das Selbstbewußtsein, nicht das bewußte Selbstbewußtsein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Beispiel&lt;/strong&gt;: Auf R1 wird die Frage, ob der Hunger gestillt wird nach feststehenden Wahrheiten entschieden, z.B. nach den 10 Geboten, überlieferten Sitten und Gebräuchen oder der Anweisung von Autoritäten. Auf R2 werden alle diese Wahrheiten reflektiert - und verlieren damit ihre Wahrheit, werden kontingent (auch anders möglich).&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	&lt;strong&gt;R2.2 - die Unendlichkeit der Iterationen der Reflektion auf R1&lt;/strong&gt; (Iterationsbewußtsein)&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die Reflexion auf R1 erfolgt mittels Metaebenen, d.h. man reflektiert auf Logik mittels einer Metalogik, und jede &lt;strong&gt;Metaebene&lt;/strong&gt; benötigt zu ihrer Begründung eine weitere Metaebene. Die Reflexion verfängt sich so in einer unendlichen Iteration. Diese Denkstufe erfuhr ihre volle Ausprägung mit der Entdeckung der Antinomien der Mengenlehre und der folgenden expliziten Einführung von Metaebenen und Metasprachen und dem Gödelschen Beweis, daß formale Systeme ausreichender Komplexität entweder unvollständig oder selbstwidersprüchlich sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Je mehr der Denkende versucht, sich selbst und die Welt zu bestimmen, desto mehr gehen Selbst und Welt in der Unendlichkeit der möglichen Bestimmungen verloren: das rasende Kreisen der Schlange, die sich immer nur in ihren eigenen Schwanz beißt.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	&lt;strong&gt;R3 - Sinnbewußtsein, Reflexion auf R2.2&lt;/strong&gt;&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der Gegenstand der Reflexion ist nicht R2.1, sondern die unendliche Iteration von R2.2, in der R2.1 sich verfängt: reflektiertes Sinnbewußtsein!&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;&quot;Der Inhalt dieser neuen Reflexion ist also die Idee der Totalität der infiniten Folge der Iterationen (und nicht selbst eine Iteration, auf die andere folgen könnten).&quot; (G. Günter).&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Die Frage ist jetzt nicht mehr, wie Wahrheit begründet werden kann, sondern wie man den unendlichen Regreß der Metabegründungen überwinden kann. Diese Frage kann nur beantwortet werden, indem man über diesen unendlichen Regreß reflektiert, die &lt;strong&gt;Unendlichkeit der Iterationen zum Objekt der Reflektion&lt;/strong&gt; macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer am Gegensatz des Endlichen und Unendlichen festhält, der hält am Endlichen selbst fest - und bleibt in den unendlichen Iterationen gefangen. Das Unendliche kann nicht der Gegensatz des Endlichen sein, weil sonst das Unendliche am Endlichen enden würde - und so eben nicht mehr unendlich, sondern nur ein größeres Endliches wäre. Das Unendliche ist nur dann unendlich, wenn das Endliche im Unendlichen enthalten ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf R3 ist erkannt, daß die Frage nach der Wahrheit und der Begründung der Wahrheit nur Teil eines größeren Ganzen ist. Das Wahre ist das gemachte und deshalb wird die Wahrheitsfrage in der Sinnfrage aufgehoben und die Sinnfrage ist die Frage nach einer angemessenen Gestaltung (machen!) des Selbst und des Seins, welche dadurch erst zu ihrem Sinn kommen. Sinnbewußtsein besteht somit nicht mehr in der Reflexion auf die Wahrheit des Seins oder des Selbst, sondern in der &lt;strong&gt;doppelten Reflexion&lt;/strong&gt; auf den &lt;strong&gt;Sinn des Seins&lt;/strong&gt; und den &lt;strong&gt;Sinn des Sinns&lt;/strong&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sinn be- und entsteht in der Reflexion auf das klassische Denken. Die klassische symmetrische Trennung zwischen Position und Negation, die letztlich in der Identität des Positiven beobachtet wird, ist dadurch aufgehoben. Es wird nicht mehr eine Identität, sondern die &lt;strong&gt;Differenz&lt;/strong&gt; voneinander abhängiger Komponenten beobachtet und auf diese wird reflektiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Niklas Luhmann definiert Sinn als die Einheit der Differenz von Aktualität (dem Wirklichen) und Possibilität (dem Möglichen). Man reflektiert z.B. nicht mehr auf Wahrheit, sondern auf die Differenz Wahrheit/Irrtum, d.h. auf Sinn. Das ist etwas anderes als nur zu bestimmen, was wahr oder falsch ist (R1) oder zu bestimmen was Wahrheit (die Wahrheit der Wahrheit) ist (R2). Aus Identitäten ist Sinn nicht zu gewinnen. Sinn kann nur Differenzen abgerungen werden: Erst die Position, dann die Negation, dann die &lt;strong&gt;Aufhebung&lt;/strong&gt; (in der dreifachen Bedeutung von Bewahren, Beenden und Hochheben) oder &lt;strong&gt;Rejektion&lt;/strong&gt; (Zurückweisung) der ursprünglichen Differenz von Position und Negation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Für R3 &quot;gibt es kein absolut objektives Sein mehr, das unabhängig vom Denken beschreibbar wäre. Sein ist von jetzt ab nur noch operables Reflexionsmotiv &lt;strong&gt;innerhalb&lt;/strong&gt; des Systembereichs der doppelten Reflexion&quot; (G. Günther).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich und alle Du gemeinsam erschaffen Sinn, indem wir Sinn, damit uns selbst und letztlich die Welt gestalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist &lt;strong&gt;essentiell&lt;/strong&gt; zu begreifen, daß es keine absolute Wahrheit im klassischen Verständnis und keinen wahren Sinn oder wahren Willen geben kann. So zu denken wäre R2. Es ist genauso essentiell zu begreifen, daß auch die Annahme alles sei relativ, d.h. es gäbe keine absolute Wahrheit, ein Denken auf der Stufe R2 wäre. Sinnbewußtsein hat sowohl eine &lt;strong&gt;inhärente Notwendigkeit&lt;/strong&gt;, die jede seiner Gestalten absolut wahr macht, wie auch eine &lt;strong&gt;inhärente Kontingenz&lt;/strong&gt; (kontingent, d.h. auch anders möglich), die jede seiner Gestalten relativ, eben auf den individuellen Sinnprozeß, macht. Das Konzept des reinen Willens drückt diese Interdependenz aus:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Thesis&lt;/strong&gt; (Position): Als im Prozeß der Verwirklichung des reinen Willens befindlich ist jede der Gestalten des Sinnbewußtseins ein Moment der absoluten Wahrheit.&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Antithesis&lt;/strong&gt; (Negation): Da dieser Prozeß aber immer ein individueller Sinnprozeß ist, ist jede seiner Gestalten kontingent und relativ zu dem jeweiligen individuellen Sinnprozeß.&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Synthesis&lt;/strong&gt; (Aufhebung): Die kulturelle Evolution als Ganzheit ist die absolute Wahrheit, aber die individuellen Gestalten dieser Evolution sind kontingent.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Beispiel&lt;/strong&gt;: Auf R 2.2 kann letztlich nicht entschieden werden, ob man seinen Hunger stillen oder lieber verhungern sollte, ob es besser ist zu leben oder sich umzubringen - also folgt man im allgemeinen dem Weg des geringsten Widerstandes und befriedigt seine Triebe. Auf R3 bekommt das Leben Sinn und damit Wert. Das Ich erkennt, erschafft und übernimmt seinen Zweck in der Gestaltung der sozialen Evolution und kann aus dieser Perspektive sichere Entscheidungen treffen: Ich stille meinen Hunger, um meinen Zweck zu erfüllen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist offensichtlich, daß die moderne Philosophie sich in den Schlingen von R.2.2 verfangen hat. Auf dieser Reflexionsstufe ist eine Lösung der Wahrheits- und Begründungsprobleme unmöglich. Der strukturelle Grund dafür liegt in der zweiwertigen Logik und der von dieser implizierten Seinslehre (Ontologie), denn in R2 wird immer noch im Rahmen der zweiwertigen Logik gedacht.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	&lt;strong&gt;Von R2.2 aus gibt es drei Wege&lt;/strong&gt;&lt;/h2&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Man kann an dem Problem der unendlichen Iteration verzweifeln und seine Rettung resignierend in einem Rückgang auf R1 suchen, z.B. indem man sich als Hexe, Germane oder Schamane stilisiert.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Man kann das Problem verewigen, indem man auf dieser Ebene bleibt und verzweifelt oder sich als zynischer Intellektueller präsentiert.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Man kann die Herausforderung annehmen und versuchen, unter denkerischen Mühen und körperlichen Plagen die psychosomatische Erleuchtung R3 zu gewinnen.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Welche Lösung man wählt, ist eine Frage ... intellektueller Redlichkeit.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	&lt;strong&gt;Die Postulate der ontischen Identitätslogik&lt;/strong&gt;&lt;/h2&gt;
&lt;ol&gt;&lt;li&gt;
		Der Satz der &lt;strong&gt;Identität&lt;/strong&gt;: Alles ist mit sich identisch und verschieden von anderem: A = A. Wenn jemand ein Mann ist dann ist er ein Mann - und weder Frau noch Kind und unveränderlich genau dieser Mann.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Der Satz vom &lt;strong&gt;ausgeschlossenen Widerspruch&lt;/strong&gt;: von zwei sich widersprechenden Aussagen kann nur eine wahr sein: nicht(A und nicht-A) : ((Albert ist 12 Jahre alt) und (Albert ist 30 Jahre alt)) ist falsch, nur eine der beiden Aussagen kann wahr sein.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Der Satz vom &lt;strong&gt;ausgeschlossenen Dritten&lt;/strong&gt;: von zwei Sätzen, von denen einer das vollständige Gegenteil des anderen aussagt, muß einer wahr sein, entweder A oder nicht-A, aber kein Drittes. Entweder Albert ist ein Christ oder Albert ist ein Nicht-Christ.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Der Satz vom &lt;strong&gt;zureichenden Grund&lt;/strong&gt;: Alles hat einen Grund, warum es so ist, wie es ist, z.B. das Universum ist entstanden, weil Gott es erschaffen hat.&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;&lt;h2&gt;
	Die Postulate der meontischen Sinnlogik&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Vgl. die R-Stufen! Beachte, daß Sinn das ist, was etwas nicht objektiv, also unabhängig vom Beobachter wie bei der Identitätslogik, sondern für uns, also für einen Beobachter, &lt;strong&gt;ist&lt;/strong&gt;. Wenn das klar ist, dann kann man statt &quot;Der Sinn eines Phänomens ist&quot; korrekterweise einfach sagen &quot;Alles ist&quot;:&lt;/p&gt;
&lt;ol&gt;&lt;li&gt;
		Der Satz vom &lt;strong&gt;reflektierten Gegensinn&lt;/strong&gt;: Der Sinn eines Phänomens ist der Unterschied zwischen dem was etwas ist und dem was es nicht ist: A = A/-A (&quot;/&quot; steht für Differenz)&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Der Satz der &lt;strong&gt;thematischen Inversion&lt;/strong&gt;: Der Sinn eines Phänomen kann nur als sein Gegensatz gedacht werden. A = -A&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Der Satz der &lt;strong&gt;infiniten Reflexionsfolgen&lt;/strong&gt;: Die Reflexion der Einheit (B) des Unterschiedenen (A/-A) muß auf einer höheren Reflexionsebene erfolgen. B&lt;sub&gt;i+1&lt;/sub&gt; = (A/ -A)&lt;sub&gt;i&lt;/sub&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Der Satz vom &lt;strong&gt;transfiniten Ursprung&lt;/strong&gt;: Sinn-Wahrheit ist die adäquate Abbildung des Selbstbewußtseins, welches das Begreifen der infiniten Reflexionsfolge ist.&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;&lt;p&gt;... und schon kann es losgehen: reflektiere auf das Unendliche ...&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;
	 &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;section class=&quot;field field-name-taxonomy-vocabulary-4 field-type-taxonomy-term-reference field-label-inline clearfix view-mode-rss&quot;&gt;&lt;h2 class=&quot;field-label&quot;&gt;Tags:&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;&lt;ul class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/46&quot;&gt;Philosophie&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/48&quot;&gt;Vernunft&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/section&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-field-vg-wort-buch field-type-text field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;img src=&quot;https://vg06.met.vgwort.de/na/fa6b3ca1cd34435f90fbce9ce6bac8f6&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Tue, 26 Jun 2007 17:51:30 +0000</pubDate>
 <dc:creator>MDE</dc:creator>
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 <title>Unterscheidung: Wie macht man das?</title>
 <link>https://www.mde-net.de/einheit-unterscheidung</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&quot;&lt;strong&gt;In der Mitte der zwei, im Zwischen von Welt und Ding,&lt;br /&gt;
	in ihrem inter, in diesem Unter- waltet der Schied&lt;/strong&gt;&quot;&lt;br /&gt;
	(Heidegger, Unterwegs zur Sprache)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine der - oder die? - grundlegendsten Konstituenten des Lebens und der Welt ist die Unterscheidung - oder die Einheit? - von Einheit und Unterscheidung.&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Jede Einheit kann nur Einheit sein, wenn sie sich von etwas anderem unterscheidet -&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		aber jede Unterscheidung kann nur etwas unterscheiden, was ihr als Einheit, also als nicht-unterschiedenes zugrundeliegt.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Das ist ein &lt;strong&gt;Zirkel&lt;/strong&gt;: Einheit setzt Unterscheidung voraus und Unterscheidung setzt Einheit voraus - ohne Henne keine Ei und ohne Ei keine Henne. &lt;strong&gt;Was wir suchen ist das Huhn, welches das Ei legt, aus dem es eben geschlüpft ist&lt;/strong&gt;. Versuchen wir das Rätsel zu lösen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was unterscheidet ein Unterschied? Wenn wir voraussetzungslos - so weit das halt geht - anfangen, dann gibt es nichts, das unterschieden werden könnte. Um das zu verdeutlichen, wählen wir den Begriff &quot;&lt;strong&gt;Unterscheidung&lt;/strong&gt;&quot;, denn dieser kann sowohl die Tätigkeit des Unterscheidens als auch das Unterschiedene bezeichnen. Fangen wir mit der reinen Unterscheidung an, dann muß die Unterscheidung&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		sowohl das was sie unterscheidet, nennen wir es den &lt;strong&gt;Raum &lt;/strong&gt;der Unterscheidung, also den Raum, in den die Unterscheidung eingeschrieben wird und der als solcher nicht unterschiedene Einheit ist,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		als auch die &lt;strong&gt;Seiten &lt;/strong&gt;der Unterscheidung und&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		die &lt;strong&gt;Grenze &lt;/strong&gt;zwischen den Seiten, selbst erzeugen.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Die Unterscheidung unterscheidet sich &lt;u&gt;von sich&lt;/u&gt; selbst als Einheit und &lt;u&gt;ist in sich&lt;/u&gt; selbst Unterscheidung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weiterhin darf die Unterscheidung sich nicht von etwas anderem als sich selbst unterscheiden, denn dann gäbe es zwei Unterschiede. Das bedeutet, daß der Raum, den die Unterscheidung erzeugt, keine Grenze haben darf. Außerdem, nähme man eine Grenze dieses Raumes an, dann müßte man den umschließenden Raum auch wieder unterscheiden, was auf einen &lt;strong&gt;infiniten Regreß&lt;/strong&gt; hinauslaufen würde. Der erzeugte Raum ist also grenzenlos d.h. ohne Rand, die scheinbaren Grenzen sind Horizonte. Das kann man konsistent nur denken, wenn man annimmt, daß dieser Raum in sich geschlossen ist. Ein in sich geschlossener Raum ist endlich, sonst wäre er nicht &lt;u&gt;geschlossen&lt;/u&gt;, und unbegrenzt, sonst wäre er nicht &lt;u&gt;in sich&lt;/u&gt; geschlossen, und hat keine unterscheidbaren, also durch eine Grenze getrennten, Innen- und Außenseiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als anschauliches Beispiel für endlich und unbegrenzt mag man an eine Kugeloberfläche denken - es gibt keine Ränder, aber irgendwann trifft man wieder auf die eigenen Fußspuren. Aber Kugeln haben eine Innen- und eine Außenseite und sind deshalb ein unbrauchbares Beispiel. Ein angemessenes Modell für einen Raum ohne Innen- und Außenseite ist ein &lt;strong&gt;Möbiusband&lt;/strong&gt;, welches wir jetzt als mathematisches und anschauliches Modell benutzen werden.&lt;/p&gt;
&lt;div align=&quot;center&quot;&gt;
&lt;table align=&quot;center&quot; border=&quot;1&quot; cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; style=&quot;border-color: rgb(39, 99, 165); margin: 5px;&quot; width=&quot;90%&quot;&gt;&lt;tbody style=&quot;border-top: 0pt none;&quot;&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;padding: 10px;&quot;&gt;
					&lt;img align=&quot;left&quot; alt=&quot;&quot; height=&quot;131&quot; hspace=&quot;5&quot; src=&quot;/files/mde/image/FAQ/Moebiusband.jpg&quot; width=&quot;207&quot; /&gt;Ein Möbiusband, auch Möbiusschleife genannt, ist eine zweidimensionale Struktur in der Topologie, die nur eine Kante und eine Fläche hat.
&lt;p&gt;					Das Objekt geht derart in sich selbst über, dass man, wenn man auf einer der scheinbar zwei Seiten beginnt, die Fläche einzufärben, zum Schluss das ganze Objekt gefärbt hat. Es wurde im Jahr 1858 unabhängig voneinander von dem Göttinger Mathematiker und Physiker Johann Benedikt Listing und dem Leipziger Mathematiker und Astronomen August Ferdinand Möbius entdeckt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;					Ein anschauliches Möbiusband ist leicht herzustellen, indem man einen längeren Streifen Papier an beiden Enden ringförmig zusammenklebt, ein Ende aber vor dem Zusammenkleben um 180° verdreht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;					Andere interessante Effekte entstehen, wenn man auf dem Band eine Mittellinie oder zwei zur Mittellinie parallele Linien einzeichnet und das Band längs dieser Linie(n) aufschneidet. Im ersten Fall, also beim Durchschneiden entlang der Mittellinie, entsteht ein einmal verdrillter Ring. Im zweiten Fall entstehen zwei Objekte: Ein Möbiusband und ein zweifach verdrillter Ring mit zwei Seiten und zwei Rändern. Diese zwei Ringe hängen ineinander, wobei der zweifach verdrillte Ring einmal zusätzlich um das Möbiusband geschlungen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;					Eine weitere Fläche mit nur einer Seite, allerdings ohne Ränder, ist die Kleinsche Flasche.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;					Das Möbiusband ist, ebenso wie die Kleinsche Flasche, eine nicht-orientierbare Mannigfaltigkeit. Man kann eine Kleinsche Flasche so in zwei Teile zerlegen, dass zwei Möbiusbänder entstehen. (aus Wikipedia: &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6biusband&quot;&gt;Möbiusbänder&lt;/a&gt;, gekürzt)&lt;/p&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	 &lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Das Möbiusband&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		ist &lt;strong&gt;endlich&lt;/strong&gt;, denn wenn wenn man eine Seite entlangfährt kommt man irgendwann wieder beim Ausgangspunkt an.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		ist &lt;strong&gt;unbegrenzt&lt;/strong&gt;, denn man kann solange an einer Seite entlangfahren wie man will, man stößt nie auf eine Grenze.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		hat &lt;strong&gt;keine unterscheidbare Innen- und Außenseite&lt;/strong&gt;, denn wenn man einmal den ganzen Weg entlangfährt, hat man, ohne eine Grenze zu überqueren, alle Seiten begangen.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Dennoch geschieht etwas Entscheidendes: Wenn man eine beliebige zweidimensionale Form an einer Stelle des Möbiusbandes auflegt und diese Form &lt;u&gt;einmal&lt;/u&gt; im Kreis führt, bis sie direkt gegenüber dem Ausgangspunkt ist, dann ist diese Form &lt;strong&gt;spiegelverkehrt&lt;/strong&gt; geworden. Es ist also einerseits die gleiche Form wie am Anfang, aber gleichzeitig die exakt entgegengesetze Form. &lt;strong&gt;Im Möbiusband wird also eine Unterscheidung allein durch die Struktur des in sich geschlossenen Raumes erzeugt&lt;/strong&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Egal wo man anfängt, das Ergebnis ist immer das gleiche: eine Unterscheidung. Die Unterscheidung ist über die gesamte kontinuierliche Fläche des Möbiusbandes &lt;strong&gt;verschmiert&lt;/strong&gt; - egal ob jemand unterscheiden will oder nicht, die Unterscheidung ist da. Sie ist allgemein überall und immer, dennoch nirgendwann und nirgendwo im besonderen. Die Einheit der ununterschiedenen einen Seite ist selbst in sich die Unterscheidung - oder: die Unterscheidung ist die Einheit:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Die Einheit &lt;u&gt;ist sich&lt;/u&gt;&lt;em&gt; &lt;/em&gt;Unterschied und unterscheidet sich &lt;u&gt;von sich&lt;/u&gt; als Einheit.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Der Unterschied &lt;u&gt;ist sich&lt;/u&gt;&lt;em&gt; &lt;/em&gt;Einheit und unterscheidet sich &lt;u&gt;von sich&lt;/u&gt; als Unterschied.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Es ist wichtig, das festzuhalten: Ein Unterschied, der nur eine Seite unterschiede, wäre kein Unterschied sondern eine Einheit. Wir müssen also sagen: &lt;strong&gt;die sich-selbst-unterscheidende Unterscheidung&lt;/strong&gt; hat genauso zwei unterschiedene Seiten wie sie auch nur eine (nicht-unterschiedene) Seite hat - sie hat weder eine noch zwei Seiten, sie hat sowohl eine als auch zwei Seiten. Sie ist sowohl die Einheit der Unterscheidung als auch die Unterscheidung der Einheit - alles zusammen, alles gleichzeitig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lebenspraktisch&lt;/strong&gt; geht es hier um: &quot;je nachdem aus welcher Perspektive man schaut&quot;. Um es bildhaft auszudrücken:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Wenn ich durch die Augen nach draußen schaue, dann sehe ich eine externe Umwelt oder Außenwelt und die Wissenschaft sagt mir, daß ich nicht wirklich nach draußen schaue sondern das &quot;undifferenzierte Codierung&quot; oder &quot;strukturelle Kopplung&quot; vorliegt. Das ist so sicher völlig korrekt, es ist ja Wissenschaft, aber es ist nur die eine Seite.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Wenn die Struktur der Unterscheidung richtig analysiert ist, dann muß es einen zweiten &#039;Weg&#039; geben, bei dem Innen und Außen eins ist. Das muß wohl ein Weg sein, der nicht über die Sinnesorgane sondern über die Tiefe der Psyche geht - z.B. ähnlich den Jungschen Archetypen. Über diesen Weg komme ich in den gleichen Raum, den ich auf dem anderen Weg durch die Sinnesorgane als Außen wahrnahm. Auf dem Innenweg habe ich aber keine Grenze überschritten - und deshalb ist der vorher externe Raum, die Außenwelt, nun interner Raum, Innenwelt.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;In dem mathematischen Modell des Möbiusbandes ist das deutlich dargestellt: &lt;strong&gt;Der Raum ist so in sich verdreht, daß die Unterscheidung durch ihre Struktur an jedem Punkt potentiell vorhanden ist&lt;/strong&gt;. Egal an welchem Punkt man anfängt das Band entlangzulaufen, wenn man auf der entgegengesetzten Seite des Ausgangspunktes anlangt, dann ist das was (vorher &quot;A&quot; war &quot;-A&quot; geworden) da entlangläuft, spiegelverkehrt (different), geht man weiter zum Ausgangspunkt zurück ist es wieder mit dem anfänglichen identisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Philosophien und Religionen haben jedes der hier möglichen und unmöglichen Verhältnisse von Einheit und Unterscheidung aufgenommen:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Weltanschauungen, welche nur die Unterscheidung sehen und die Einheit leugnen, z.B. &lt;strong&gt;Wissenschaft&lt;/strong&gt;.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Weltanschauungen, welche nur die Einheit sehen und die Unterscheidung leugnen, z.B. viele esoterische Lehren und die meisten asiatischen &lt;strong&gt;Religionen&lt;/strong&gt;.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Das Spiel, welches Unterscheidung und Einheit in der hier aufgezeigten Einheit und Unterscheidung zeigt: &lt;strong&gt;Das Muster&lt;/strong&gt;.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;div&gt;
	 &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;section class=&quot;field field-name-taxonomy-vocabulary-4 field-type-taxonomy-term-reference field-label-inline clearfix view-mode-rss&quot;&gt;&lt;h2 class=&quot;field-label&quot;&gt;Tags:&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;&lt;ul class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/47&quot;&gt;Denken&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/27&quot;&gt;FAQ&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/46&quot;&gt;Philosophie&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/section&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-field-vg-wort-buch field-type-text field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;img src=&quot;https://vg06.met.vgwort.de/na/9846f26ff43a456392e7626bd09a7a9e&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Mon, 25 Jun 2007 23:04:07 +0000</pubDate>
 <dc:creator>MDE</dc:creator>
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 <title>Subversionen</title>
 <link>https://www.mde-net.de/subversion</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;h2&gt;
	Subversion 1: Die Hierarchie der Gegensätze unterminieren&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Zweiwertiges Denken ist &lt;u&gt;Denken in Gegensätzen&lt;/u&gt;: Wahr-Falsch, Recht-Unrecht, Gut-Böse usw. Bei der Betrachtung der Beispiele fällt auf, daß die beiden Seiten nicht gleichwertig sind. Wahrheit ist besser als Falschheit, Recht besser als Unrecht und das Gute erstrebenswerter als das Böse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Das Denken in Gegensatzpaaren ist faktisch immer &lt;strong&gt;asymmetrisch&lt;/strong&gt; (ungleichgewichtig): Die eine Seite ist privilegiert und &lt;u&gt;zentral&lt;/u&gt;, die andere Seite marginal und peripher. Entweder wird eine Seite aus konventionellen Gründen bevorzugt oder es gibt &quot;Beweise&quot; für die &lt;u&gt;Wahrheit&lt;/u&gt; einer Seite. Damit wird das mögliche Spiel der Gegensätze fixiert und eingefroren, man weiß immer schon, welche Seite die richtige ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &lt;strong&gt;erste Subversion&lt;/strong&gt; ist das &lt;u&gt;Spiel des Dezentrierens&lt;/u&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Die &lt;strong&gt;Hierarchie offenlegen&lt;/strong&gt;: Wir machen uns klar, welche Seite privilegiert und zentral ist.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Die &lt;strong&gt;Umkehrung der Hierarchie&lt;/strong&gt;: Dann kehren wir die Gewichtung um und machen die  bisher marginalisierte Seite zentral.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Beispiel:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Position&lt;/strong&gt;: Wahrheit ist besser als Falschheit, weil man nur insoweit erfolgreich handeln kann, als die Wahrheit im Handlungsbereich bekannt ist.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Negation&lt;/strong&gt;: Falschheit ist besser als Wahrheit, weil das Leben öde und langweilig wäre, wenn alle Wahrheit gekannt würde. Nur wo man nicht weiß, ist Abenteuer möglich!&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Wenn man dieses Spiel eine Weile hin und her spielt, immer wieder für jede Seite Argumente sammelt, verändert sich das Gegensatzpaar. Aus dem eingefrorenen Verhalten hierarchischen Denkens und Empfindens eröffnet sich ein Wechsel der Gegensätze in lebendigem &lt;strong&gt;Spiel&lt;/strong&gt;, ein schöpferischer Fluß des Erfindens und Erschaffens neuer Möglichkeiten und damit neuer Zukünfte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Wenn eine Seite eines Gegensatzes schwach ist, dann ist es auch die andere Seite. Wenn Dich Wahrheit nicht interessiert, dann ist auch Falschheit uninteressant. Wenn Du nur wenig unglücklich sein kannst, dann wirst Du auch nur geringes Glück verspüren. Nur wer zutiefst leidet, hat die Möglichkeit, die höchste Ekstase zu erfahren - was ihn dann wiederum zu noch intensiverem Leid berechtigt :)&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	Subversion 2: Eigenschaften, Gegensätze und Verhalten&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Machen wir uns den Unterschied an einfachen Beispielen deutlich:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Die Rose ist rot. &quot;Rot&quot; ist eine &lt;u&gt;Eigenschaft&lt;/u&gt; oder ein &lt;u&gt;Prädikat&lt;/u&gt; des &lt;u&gt;Dinges&lt;/u&gt; oder &lt;u&gt;Hauptwortes&lt;/u&gt; &quot;Rose&quot;. Der Satz, die Rose ist rot, kann wahr oder falsch sein. Prädikate und Hauptworte gibt es in Sätzen, Eigenschaften gehören zu Dingen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Im Gegensatz dazu sind links-rechts, wahr-falsch, hell-dunkel oder traurig-glücklich keine Eigenschaften von Dingen, sondern Gegensätze, Polaritäten oder Dualitäten. Die korrekte Anwendung der Begriffe eines Gegensatzpaares ist immer von einer &lt;strong&gt;Perspektive&lt;/strong&gt; abhängig, denn man kann einem Gegenstand nicht ansehen (sinnlich wahrnehmen) ob er &quot;links&quot;, &quot;wahr&quot;, &quot;hell&quot; oder &quot;dunkel&quot; ist, denn das hängt immer von etwas nicht am Gegenstand selbst vorfindlichem ab.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Wenn ich sage, die Lampe ist hell, dann sage ich nichts über die Lampe, sondern etwas über das Verhältnis der Lampe zu ihrer Umgebung. Neben einem Scheinwerfer ist eine Taschenlampe dunkel. Wenn ich sage, das Auto steht rechts die Straße hinunter, dann sage ich nichts über die Straße oder das Auto, sondern etwas über meinen &lt;strong&gt;Standort&lt;/strong&gt; in Bezug auf das Auto.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Den besonderen Charakter von Begriffen, in denen sich die Position des Sprechers  widerspiegelt, hat Hegel mit der Unterscheidung von &lt;strong&gt;Reflexionsbestimmungen&lt;/strong&gt; und &lt;strong&gt;Seinsbestimmungen&lt;/strong&gt; markiert. Ob ich etwas als eine Blume identifiziere, ist von meinem Standpunkt unabhängig, ob ich sie als groß oder klein, schön oder häßlich, nah oder fern bestimme nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Reflexionsbestimmungen sind aufgrund ihrer &lt;strong&gt;Standpunktabhängigkeit&lt;/strong&gt; relativ  (perspektivisch). Es sind Prädikationen, die ihr eigenes Gegenteil in sich tragen und sinnvoll nur zusammen mit ihrer Negation auftreten können: was &quot;groß&quot; ist, kann ich nur sagen, wenn ich weiß was &quot;klein&quot; ist. Die Bedeutung eines Reflexionsbegriffes beruht auf der Doppelung in Position und Negation, d. h. sie liegt nicht in der Identität des Begriffs, im Begriff an sich, sondern im Unterschied des Begriffs zu sich, in Position und Negation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Das Problem ist, daß es in der &lt;strong&gt;Sprache&lt;/strong&gt; &lt;u&gt;keinen grammatischen Unterschied&lt;/u&gt; macht, ob wir von Eigenschaften (Seinsbestimmungen) oder Gegensätzen (Reflexionsbestimmungen) sprechen. Die Sätze bestehen immer aus Subjekt und Prädikat: Die Rose ist rot, die Frau ist traurig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Wenn wir sagen, ich bin glücklich, dann fällt uns vielleicht noch auf, daß das keine Eigenschaft ist. Wie ist es aber, wenn wir sagen: Egon ist Alkoholiker, Rosa ist dumm, Karl ist Christ, Uwe ist böse oder Peter ist verfressen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Denken wir in solchen Sätzen nicht oft &lt;strong&gt;Personen&lt;/strong&gt; &lt;u&gt;als Dinge mit Eigenschaften&lt;/u&gt;? Denken wir Egon als ein lebendes Ding mit der Eigenschaft, Alkoholiker zu sein?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Zwischen &lt;u&gt;Menschen und Dingen&lt;/u&gt; gibt es einen essentiellen Unterschied: Menschen haben keine Eigenschaften, sondern &lt;strong&gt;Verhaltensgewohnheiten&lt;/strong&gt;. Natürlich kann man an Menschen physikalische Eigenschaften, wie Größe, Haarfarbe, Gewicht und Blutalkoholspiegel wahrnehmen. Aber die physikalischen Eingeschaften haben mit unserem Menschsein nichts zu tun. Menschen haben keinen Körper, sondern sind ein &lt;strong&gt;Leib&lt;/strong&gt;, d.h. ein beseelter (sich selbst aus sich selbst bewegender) Körper - und eben deshalb kein (rein physikalischer) Körper.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Wenn wir die &lt;strong&gt;Unterscheidung Eigenschaft-Verhalten&lt;/strong&gt; berücksichtigen, dann können wir nicht mehr sagen, Peter ist verfressen, sondern, Peter verhält sich verfressen. Peter ist dann nicht mehr identisch mit Verfressenheit, sondern er ißt häufig sehr viel oder zu viel  - im Vergleich z. B. zum Durchschnittsesser oder zu dem was die letzte Abmagerungskur verlangt. Peter wird dadurch nicht auf Verfressenheit als Eigenschaft festgenagelt, sondern ihm eröffnet sich die Möglichkeit zu sagen: &quot;Ich esse so viel, daß man mein Verhalten als verfressen bezeichnen kann - aber ich werde das ändern und künftig weniger essen. Allerdings werde ich nicht so wenig essen, daß ich dem Schlankheitsideal der Werbung entspreche.&quot;&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	Subversion 3: Aus der Falle springen&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;In &quot;&lt;strong&gt;Subversion 1&lt;/strong&gt;&quot; haben wir die Hierarchie der Gegensätze dekonstruiert. Wenn wir nun genauer hinschauen was wir da getan haben, dann sehen wir, daß das ursprüngliche Gegensatzpaar &lt;strong&gt;verdoppelt&lt;/strong&gt; wurde:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Meta A&lt;/strong&gt;: A-zentral und -A-marginal, Gut ist besser als Böse, versus&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Meta -A&lt;/strong&gt;: A-marginal und -A-zentral, Böse ist besser als Gut.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;table align=&quot;right&quot; border=&quot;0&quot; cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; width=&quot;155&quot;&gt;&lt;tbody style=&quot;border-top: 0pt none;&quot;&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;
&lt;div align=&quot;center&quot;&gt;
					&lt;img align=&quot;middle&quot; alt=&quot;Lord Byron&quot; height=&quot;160&quot; src=&quot;/files/mde/image/Lebens_Wissen/Lethos_Die_Erfahrung_lethischen_Denkens/Subversion/Lord_Byron.jpg&quot; width=&quot;135&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p class=&quot;bildunterschrift&quot;&gt;Lord Byron&lt;/p&gt;
&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;Solche über-Kreuz-Strukur der Begriffe nennt man einen &quot;&lt;strong&gt;Chiasmus&lt;/strong&gt;&quot;. Beispiel: &quot;Das &lt;u&gt;Vergnügen&lt;/u&gt; ist eine &lt;u&gt;Sünde&lt;/u&gt; und manchmal ist &lt;u&gt;Sünde&lt;/u&gt; ein &lt;u&gt;Vergnügen&lt;/u&gt;&quot; (Lord Byron, engl. Dichter). Es werden die &lt;u&gt;gleichen&lt;/u&gt; Begriffe benutzt, aber indem sie vertauscht werden, sind sie nicht &lt;u&gt;dieselben&lt;/u&gt;, ihre Bedeutung ist nicht identisch. Innerhalb jedes Gegensatzpaares bleibt eine Hierarchie, aber die Hierarchie wechselt von einem Gegensatzpaar zu dem über Kreuz.entgegengesetzten Paar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Eine nützliche &lt;strong&gt;Anwendung&lt;/strong&gt; des Chiasmus ist der Gegensatz:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		A: Ich habe Recht und Du hast Unrecht.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		-A: Ich habe Unrecht und Du hast Recht.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Gewöhnlich bevorzugt man A. &lt;strong&gt;Preisfrage&lt;/strong&gt;: schaffst Du es -A zu bevorzugen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Wenn wir uns jetzt wieder an unsere Unterscheidung von Eigenschaften und Verhalten erinnern, können wir sehen, daß keine der beiden Möglichkeiten eine Eigenschaft kennzeichnet, wir also mit keiner der beiden Seiten identisch sind, sondern jenseits der Alternativen stehen. Ein &lt;strong&gt;Beispiel&lt;/strong&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Meta A: Alkoholiker zu sein ist besser als Nicht-Alkoholiker zu sein.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Meta -A: Nicht-Alkoholiker zu sein ist besser als Alkoholiker zu sein.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Ein Mensch kann nie die Eigenschaft haben, Alkoholiker zu sein, aber er kann Alkohol trinken zu einer Verhaltensgewohnheit machen.  Eine angemessenere Formulierung wäre also:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Meta A: Gewohnheitsmäßig viel Alkohol zu trinken ist besser als gewohnheitsmäßig wenig Alkohol zu trinken.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Meta -A: Gewohnheitsmäßig wenig Alkohol zu trinken ist besser als gewohnheitsmäßig viel  Alkohol zu trinken.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Wenn wir es wirklich schaffen, beiden Seiten gerecht zu werden, sowohl Meta A als auch Meta -A als wahr zu erkennen, dann befreien wir uns aus Identifizierungen und gewinnen die &lt;strong&gt;Freiheit&lt;/strong&gt; zu neuen Wahlmöglichkeiten. Im einfachsten Fall könnte das dazu führen, daß man, je nach Ausgangslage, mehr oder weniger als bisher trinkt. Die interessantere Möglichkeit ist aber, daß man die ganze Alternative zurückweist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Logisch ist das eine &lt;strong&gt;Rejektion&lt;/strong&gt; (Zurückweisung), weder - noch, weder Meta A noch Meta -A und damit auch weder A noch -A. Die Alternativen der Gegensatzpaare werden zurückgewiesen und wir finden oder erfinden ein Drittes, den sogenannten Rejektionswert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Der &lt;strong&gt;Rejektionswert&lt;/strong&gt; ist eine extrem wichtige Errungenschaft: Er ist, egal welche sonstigen Inhalte er haben mag, der Standpunkt des wählenden und entscheidenden Ich, welches sich aus eingefrorenen Identitäten befreit hat. Die vorher im Dualismus der Gegensätze auf die simple Ja-Nein-Alternative verengte Welt ist nicht nur wieder geöffnet, sondern in bisher unbekannter und unmöglicher Weite und Offenheit neu entstanden. Die &lt;u&gt;einzige&lt;/u&gt; Möglichkeit, die jetzt bleibt ist die Möglichkeit kreativen Findens und Erfindens von Möglichkeiten und der ungebundenen Entscheidung zwischen diesen Möglichkeiten. Deshalb kann es an dieser Stelle kein Beispiel geben.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	Subversion 4: Im Anderen Äon landen&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Das geht am weitesten über das gewohnte Denken hinaus, es ist das Denken in &lt;strong&gt;Komplementaritäten&lt;/strong&gt; und &lt;strong&gt;Heterarchien&lt;/strong&gt; anstatt in Gegensätzen und Hierarchien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Paradigmatische &lt;strong&gt;Beispiele&lt;/strong&gt; sind der &lt;u&gt;Welle-Teilchen-Dualismus&lt;/u&gt; und die &lt;u&gt;Götterwelt des alten Ägypten&lt;/u&gt;. Genauere Beschreibungen des ersten Beispiels findest Du in jedem Buch über Atomphysik und eine ausgezeichnete Beschreibung des zweiten Beispiels in dem Buch &quot;Der Eine und die Vielen&quot; von Erik Hornung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Der Clou an der Sache ist, daß Gegensatzpaare nicht mehr als sich gegenseitig ausschließend, sondern als sich &lt;strong&gt;ergänzend&lt;/strong&gt; (komplementär) erfaßt werden. Wir denken z.B. gewöhnlich, daß es nur entweder einen Gott oder viele Götter geben kann. Für den alten Ägypter war das kein Problem. Jeder Gott konnte der Eine Schöpfergott sein und das tat den anderen Göttern, die auch jeder der Eine sein konnten, keinen Abbruch. Erst die Juden, dann Christen und Moslems konstruierten daraus einen Gegensatz und verbannten die vielen Götter zugunsten des Einzigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Aktueller ist das vielleicht als &lt;strong&gt;Wahrheitsproblem&lt;/strong&gt; bekannt: Eine Wahrheit oder viele Wahrheiten (Relativismus). Wenn man das als Gegensatz konstruiert, hat man das Problem der Wahrheitsfrage, wenn man die eine und die vielen Wahrheiten komplementär nimmt, gibt es kein Problem, dafür aber eine ungleich reichere Welt und ungleich vielfältigere Lebens- und Erfahrungsmöglichkeiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Liebe ich meinen Partner oder nicht? Man kann versuchen, diese Frage zu beantworten. Egal wie man sie beantwortet, die &lt;strong&gt;Lebensentscheidung&lt;/strong&gt; ist auf Ja-Nein eingeengt. Man kann die Alternative zurückweisen, z.B. die Frage stellen: Möchte ich mit dem Anderen zusammenleben? Man kann auch beide Alternativen als komplementär nehmen: Ich habe viele Geliebte - und jede/r ist die/der Eine die/den ich wirklich liebe! &lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Was ist wichtiger, denken, fühlen oder handeln? Sind nicht alle drei gleichursprünglich?&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Was ist wichtiger, Ich, Du oder Es (Dinge)? Sind nicht alle drei gleichursprünglich?&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;h2&gt;
	Beispiel: Täter und Opfer beim Fremdgehen&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die chiastische Struktur ist:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Täter ® Opfer = A ® B&lt;br /&gt;
		   I      X      I&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Opfer ® Täter = A ® B&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Das &quot;®&quot; steht für Relation. Das Kreuz des Chiasmus geht von Täter zu Täter und von Opfer zu Opfer. Die senkrechten von Täter zu Opfer zeigen personale Identität, während es horizontal sich um verschiedene Personen handelt.&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;
	&quot;Derjenige, der fremdgeht, gilt im allgemeinen als der Täter, da er/sie schließlich etwas tut, wogegen das Opfer, der/die Betrogene, nichts tut, sondern von der Handlung des anderen betroffen ist, also unter den Auswirkungen dieser Handlung leidet. Die Relation (&lt;u&gt;Täter&lt;/u&gt; ® &lt;u&gt;Opfer&lt;/u&gt;) drückt also die Handlungsgewalt, das dynamische Gefälle innerhalb der Konfliktsituation aus, wenn eine Person A als Täter identifiziert wird und eine Person B als Opfer.&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;
	Die Identifikationen sind also klar und das logische System ließe nach klassischem Zuschnitt keinerlei Verschiebungen oder Transformationen zu. Das aber widerspricht in den allermeisten Fällen nicht nur den möglicherweise nur als Alibi vorgebrachten Rechtfertigungen des Täters (&quot;Das habe ich ja nur getan, weil Du mich dazu getrieben hast.&quot;), sondern grundsätzlich auch den Bedingungen der Möglichkeit, sowohl Täter oder Opfer &lt;u&gt;werden zu können&lt;/u&gt;. Täter wie Opfer sind wesenhaft aufeinander angewiesen: ohne Betrüger kein Betrogener und umgekehrt. Ist also schon die Rollen-Konstitution nicht aus dem bilateralen Gefüge herauszupräparieren, ohne die wechselseitige &lt;u&gt;funktionale&lt;/u&gt; Abhängigkeit zu zerstören, so kann - und dies ist durch die therapeutische Praxis durchaus gedeckt - stärker noch von einer bipolaren Handlungsgewalt gesprochen werden, d.h. das dynamische Gefälle fließt in beide Richtungen. Denn oft läßt sich beobachten, daß auch B der Täter ist, da durch sein/ihr Verhalten A allererst zum Fremdgehen animiert oder gedrängt wurde. Ebenso häufig kann festgehalten werden, daß ein Paar bewußt oder unbewußt vereinbart, wer wann fremdgeht, um ein Problem in der Beziehung zu lösen, bzw. erstmals als solches auf den Tisch zu bringen. Dies entspricht der Relation (&lt;u&gt;Opfer&lt;/u&gt; ® &lt;u&gt;Täter&lt;/u&gt;), d.h. hier gilt B als der Täter und A als Opfer. Innerhalb des Schemas bedeuten dann die senkrechten Linien die personale Identität von A und B, denn in beiden Beschreibungssystemen sind sie selbstverständlich die gleichen geblieben.&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;
	Wichtig hierbei ist nun die Einsicht, daß es sich innerhalb dieser Aspektverdoppelung nicht um einen sukzessiven Rollentausch handelt, den man einnehmen kann oder nicht, sondern um eine zeitgleiche und untrennbare Doppelbesetzung. Dadurch verkompliziert sich das System bis an die Grenze des kognitiven Fassungsvermögens, denn nun begegnen sich A und B nicht nur als Täter und Opfer, bzw. umgekehrt als Opfer und Täter, sondern gleichzeitig auch als Täter und Täter und Opfer und Opfer. Wir verdeutlichen dies anhand der gekreuzten Doppelpfeile, die anzeigen, daß es sich an diesen Stellen um ein Umtauschverhältnis handelt, daß das Täter-sein von A in der oberen Relation austauschbar ist mit Täter-sein von B in der unteren. Gleiches dann für das Opfer-sein.&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;
	Eine ausschöpfende Beschreibung dessen, was innerhalb der chiastischen Struktur als Identifikation erscheint, hätte somit folgende Gestalt:&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;
	Ich bin Täter und habe ein Opfer und ich bin ein Opfer in der Hand eines Täters, und also bin ich Täter-Opfer und Opfer-Täter und Opfer-Täter und Täter-Opfer und Täter-Täter und Opfer-Opfer und all das bin ich einzeln und für sich und dennoch zugleich und in eins - und Du bist es auch!&quot; (Aus: Klaus Grochowiak, Joachim Castella &quot;&lt;a href=&quot;http://www.thinkartlab.com/pkl/chias-to.htm&quot;&gt;Der Chiasmus von Täter und Opfer&lt;/a&gt;&quot; )&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;h2&gt;
	Subversion Step by Step&lt;/h2&gt;
&lt;ol&gt;&lt;li&gt;
		Schreibe Dein  &lt;strong&gt;Thema&lt;/strong&gt;, deine Frage oder Dein  Problem so kurz wie möglich aber genau wie nötig auf.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Nun &lt;strong&gt;erkunde&lt;/strong&gt; deine Gedanken, deine Gefühle und Dein  Verhalten im Kontext des Themas.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Schreibe die &lt;strong&gt;Antwort&lt;/strong&gt; oder Behauptung (A), die Du gefunden oder aufgestellt hast, kurz aber genau auf. Wenn Du keine eindeutige Antwort findest, schreibe eine Alternative auf - der nächste Schritt entfällt dann.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Schreibe die &lt;strong&gt;Negation&lt;/strong&gt; der Antwort (-A), also das genaue Gegenteil auf.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Finde für A und -A jeweils die stärksten &lt;strong&gt;Argumente&lt;/strong&gt; die Du finden kannst.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Wenn eine Seite Dir lieber, angenehmer oder besser begründet erscheint, &lt;strong&gt;stärke&lt;/strong&gt; die andere Seite argumentativ und emotional - am besten auch dadurch, daß Du so handelst als hättest Du Dich für die schwächere Seite entschieden.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Laß Dir Zeit! Es kommt gewöhnlich nicht auf ein paar Tage oder Wochen an. &lt;strong&gt;Wechsel die Positionen&lt;/strong&gt; so lange, bis beide Seiten gleich attraktiv sind, erst dann bist Du frei von dieser Alternative, erst dann kannst Du mit Aussicht auf Erfolg zum nächsten Schritt übergehen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Gibt es eine &lt;strong&gt;Fuzzy-Lösung&lt;/strong&gt;, d.h. eine Möglichkeit die den Gegensatz A und -A auf eine Strecke mit den Endpunkten A und -A überträgt und die Antwort nicht an einem der Pole sondern dazwischen findet?&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Denke über &lt;strong&gt;Alternativen&lt;/strong&gt; zu dem bisherigen Gegensatzpaar nach: Weder A noch -A. Du bist jetzt frei, Du kannst über völlig neue Möglichkeiten nachdenken.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Egal was das Ergebnis des vorherigen Schrittes war, vielleicht hast Du ja eine wunderbare Lösung gefunden, befreie Dich jetzt endgültig von dem Denken in sich ausschließenden Gegensätzen: Erkunde die &lt;strong&gt;Komplementarität&lt;/strong&gt; der Alternative: A und -A. Wie  ergänzen die beiden Seiten des Gegensatzes einander?&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Gehe jetzt alle vier Positionen durch. Bedenke, erfühle, erhandle die Wirklichkeiten und Möglichkeiten des ganzen Reichtums, der sich Dir eröffnet hat. &lt;strong&gt;Entscheide&lt;/strong&gt; - wenn Du willst ... oder fang mit einer der gefunden Positionen neu an.&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Beispiel&lt;/strong&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;ol&gt;&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Positon A&lt;/strong&gt;: Niemand versteht mich.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Negation -A&lt;/strong&gt;: Alle verstehen mich.&lt;br /&gt;
		Es gibt gewöhnlich mehrere mögliche Negationen. Um sie alle zu finden negiere einfach alle Wörter in deiner Postion einzeln und miteinander. Schreibe alle Negationen auf und wähle die, welche Dir kognitiv und emotional am besten gefällt. Beispiele: Alle verstehen andere. Alle mißverstehen mich. Ich verstehe alle anderen.)&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;A stärken&lt;/strong&gt;: Wunderbar, so erspare ich mir den Zeitaufwand, mit anderen Reden zu müssen und gewinne viel Zeit für meine eigentlichen Interessen. Andererseits habe ich damit ein wahnsinnig interessantes Experimentierfeld gewonnen: was muß man tun, um verstanden zu werden?&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;-A schwächen&lt;/strong&gt;: Wie langweilig wenn einen jeder versteht, die Gesprächsthemen gehen so schnell aus. Vermutlich bin ich einfach ein Langweiler der nur denkt, was jeder andere schon lange gedacht hat, sonst müßte ja häufiger ein Nicht-verstehen auftreten.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;A schwächen&lt;/strong&gt;: Es ist einfach frustrierend, nie verstanden zu werden. Wozu redet man überhaupt mit anderen?&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;-A stärken&lt;/strong&gt;: Wenn alle mich verstehen, bin ich überall beliebt und habe viele Freunde.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Wiederhole&lt;/strong&gt; Punkte drei bis sechs bis Dir beide Alternativen gleich gut erscheinen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Fuzzy&lt;/strong&gt;: Zu 50% verstanden und zu 50% nicht verstanden werden, könnte das Beste beider Seiten vereinen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Weder-noch&lt;/strong&gt;: Ob ich verstanden werde oder nicht, das macht wirklich keinen Unterschied. Es geht doch darum Spaß im Leben zu haben und wenn ich Menschen finde, mit denen zusammen ich interessante Sachen machen und Spaß haben kann, was soll ich mich noch um verstehen kümmern?&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Komplementär&lt;/strong&gt;: Natürlich versteht mich niemand, außer ich führe ein verständigungsorientiertes Gespräch mit ihm - und natürlich verstehen mich alle, wenn ich das tue. Andererseits ist jeder Mensch sich selbst intransparent, d.h. man versteht sich selbst nicht, wie sollen mich da andere verstehen. Aber was heißt das überhaupt, daß unser gemeinsames Verhalten funktioniert, beweist doch, daß wir uns hinreichend verstehen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fazit&lt;/strong&gt;: Menschen reden nur miteinander, weil sie sich nicht verstehen, um sich verstehen zu lernen. Das eine setzt das andere immer schon voraus.&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;&lt;h2&gt;
	Schluß&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Natürlich kann man die angegebenen Methoden des lethischen Denkens &lt;strong&gt;mißbrauchen&lt;/strong&gt; - aber das wäre kein lethisches, sondern logisches Denken, man vermeidet neue Möglichkeiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Man kann mit dieser Methode alle &quot;guten Gründe&quot; etwas zu tun oder zu lassen methodisch geschickt  abwehren und die eigene Trägheit, Verstocktheit und Habgier damit zu rechtfertigen versuchen - aber das wäre nicht lethisch, sondern logisch, man sperrt sich in seiner Enge ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Lethisches Denken ist immer &lt;strong&gt;fragendes Denken&lt;/strong&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Bedenke: Jedes Ergebnis und jedes Zwischenergebnis des lethischen Denkens kann ein neuer Ausgangspunkt der Anwendung der Methode werden. Was Du damit erreichst ist:&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Die Gegend die Dein  Leben ist&lt;br /&gt;
	kennenlernen und erkunden -&lt;br /&gt;
	nicht fliehen, sondern fließen!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;section class=&quot;field field-name-taxonomy-vocabulary-4 field-type-taxonomy-term-reference field-label-inline clearfix view-mode-rss&quot;&gt;&lt;h2 class=&quot;field-label&quot;&gt;Tags:&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;&lt;ul class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/47&quot;&gt;Denken&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/46&quot;&gt;Philosophie&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/48&quot;&gt;Vernunft&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/section&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-field-vg-wort-buch field-type-text field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;img src=&quot;https://vg06.met.vgwort.de/na/4f0de334ef704d4d8023dfdd9ab517b7&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Sat, 23 Jun 2007 18:39:09 +0000</pubDate>
 <dc:creator>MDE</dc:creator>
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 <title>Lethos: Die Erfahrung lethischen Denkens</title>
 <link>https://www.mde-net.de/lethos</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;table align=&quot;left&quot; border=&quot;0&quot; cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; width=&quot;127&quot;&gt;&lt;tbody style=&quot;border-top: 0pt none;&quot;&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;
				&lt;img alt=&quot;Cheshire Cat&quot; height=&quot;104&quot; src=&quot;/files/mde/image/Lebens_Wissen/Lethos_Die_Erfahrung_lethischen_Denkens/Cheshire_Cat.jpg&quot; width=&quot;113&quot; /&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&quot; &lt;strong&gt;&#039;All right,&#039; said the Cat; and this time it vanished quite slowly, beginning with the end of the tail, and ending with the grin, which remained some time after the rest of it had gone. &#039;Well! I&#039;ve often seen a cat without a grin,&#039; thought Alice, &#039;but a grin without a cat! It&#039;s the most curious thing I ever saw in my life!&#039; &lt;/strong&gt;&quot; (Alice in Wonderland, Lewis Carroll)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Wer die Kapitel dieses Buches in der gegeben Reihenfolge liest, hat bessere Chancen zu verstehen. Aber es droht Ver-Rücktheit.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;left&quot;&gt;Wer die Kapitel in beliebiger Reihenfolge liest, hat bessere Chancen diskursive Dummheit des Verfassers zu entdecken - und so der Erkenntnis des Wahn-Sinns zu entgehen.&lt;/p&gt;
&lt;div align=&quot;center&quot;&gt;
&lt;h2&gt;
		Inhaltsverzeichnis&lt;/h2&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;section class=&quot;field field-name-taxonomy-vocabulary-4 field-type-taxonomy-term-reference field-label-inline clearfix view-mode-rss&quot;&gt;&lt;h2 class=&quot;field-label&quot;&gt;Tags:&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;&lt;ul class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/47&quot;&gt;Denken&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/26&quot;&gt;Lebens-Wissen&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/46&quot;&gt;Philosophie&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/48&quot;&gt;Vernunft&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/section&gt;</description>
 <pubDate>Sat, 23 Jun 2007 18:09:12 +0000</pubDate>
 <dc:creator>MDE</dc:creator>
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 <title>Lethos und Aristoteles</title>
 <link>https://www.mde-net.de/aristoteles</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;h2&gt;Das Wort &quot;Lethos&quot;&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Das Wort &quot;Lethos&quot; ist eine Wortschöpfung aus dem griechischen Wort &quot;legein&quot; (sammeln), woraus &lt;strong&gt;Logos&lt;/strong&gt; (u.a. Rede, Vernunft) abgeleitet ist, und &lt;strong&gt;Mythos&lt;/strong&gt; (Erzählung von ursprünglichen Ereignissen). Lethos, &lt;u&gt;lethisches Denken&lt;/u&gt;, ist die Fusion von logischem und mythischem Denken, die gewöhnlich als sich ausschließende Gegensätze angesehen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bezeichnung erinnert an &quot;&lt;strong&gt;Leto II&lt;/strong&gt;&quot;, Sohn des Paul Muad Dib Atreides, Gottkaiser des Wüstenplaneten (Herbert, Frank, Der Gottkaiser des Wüstenplaneten), das ist nicht ungewollt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wichtiger ist der Anklang an das griechische Wort &quot;&lt;strong&gt;lethe&lt;/strong&gt;&quot; (vergessen, verborgen), dessen Negation &quot;&lt;strong&gt;aletheia&lt;/strong&gt;&quot; das Unverborgene, das Offene bezeichnet. &quot;Lethe&quot; ist in der griechischen Mythologie einer der Flüsse, die durch das Reich des Hades, die Unterwelt, fließen. Es ist der Fluß des Vergessens, aus dem die Schatten der Toten trinken, um ihr vergangenes Leben auf Erden zu vergessen. Man muß &lt;strong&gt;vergessen&lt;/strong&gt;, um zu lernen - um im Fluß zu bleiben!&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Das Grundschema lethischen Denkens&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Bevor wir uns in der Theorie verirren, kommen wir direkt zur Praxis. Das &lt;u&gt;Grundschema lethischen Denkens&lt;/u&gt; ist:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Logisch&lt;/strong&gt;: Entweder A oder Nicht-A (-A). Entweder gilt A oder es gilt -A (&quot;-A&quot; bedeutet Nicht-A, die Negation von A), eines von beiden ist wahr, das andere falsch. Es kann nicht beides wahr oder beides falsch sein (kontradiktorisch).&lt;br /&gt;&lt;u&gt;Fuzzisch&lt;/u&gt; (eine Modifikation des Logischen): Teilweise A und teilweise -A. Zwischen A und -A gibt es einen kontinuierlichen Übergang.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Kreativ&lt;/strong&gt;: Weder A noch -A. Beides ist falsch, aber was dann?&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Mythisch&lt;/strong&gt;: A &amp;amp; -A. Es gilt A und -A, beides ist wahr.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Lethisch&lt;/strong&gt;: logisch-kreativ-mythisch - das wird im folgenden ausführlich behandelt.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;So ergeben sich zu jeder Postion &lt;strong&gt;vier Alternativen&lt;/strong&gt;: A, -A, Weder A noch -A und A &amp;amp; -A.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beispiel:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Logisch&lt;/strong&gt;: Es gibt entweder nur einen Gott oder viele Götter, aber nicht beides zusammen.&lt;br /&gt;
	Wir müssen also herausfinden, welche Behauptung die Wahrheit ist.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Kreativ&lt;/strong&gt;: Es gibt weder einen noch viele Götter.&lt;br /&gt;
	Die Alternative wird zurückgewiesen durch z.B.: Es gibt keine Gottheit, weder eine noch viele. Mit der Gegenbehauptung, es gibt Gottheit kann das lethische Spiel dann weitergehen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;strong&gt;Mythisch&lt;/strong&gt;: Es gibt einen Gott und viele Götter.&lt;br /&gt;
	So sahen das z.B. die alten Ägypter: Es gibt viele Götter, jeder Gott ist der Eine, aber keiner der Einzige.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Ein &lt;u&gt;praktisches Anwendungsbeispiel&lt;/u&gt; wie es alltäglich sich als Problem stellt:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;Entweder ich habe Recht oder Du hast Recht, wir können nicht beide Recht haben.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Weder ich habe Recht noch hast Du Recht, wir haben beide Unrecht.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Ich habe Recht und Du hast Recht, wir haben beide Recht.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Lethisches Denken verbindet Logik, Kreativität und Mythos zu einem Weg, der neue Erfahrungen eröffnet. &lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Der moderne Mensch denkt logisch: zweiwertig und hierarchisch!&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die Grundlage alles Denkens der letzten 2000 Jahre ist die aristotelische Logik. Sie wird so genannt, weil sie von dem griechischen Philosophen Aristoteles (384-322 v.Chr.) begründet wurde. Ihr Kennzeichen ist &lt;strong&gt;Zweiwertigkeit&lt;/strong&gt; (entwder A oder -A, aber kein Drittes) und das daraus folgende Denken in &lt;strong&gt;Hierarchien&lt;/strong&gt;. &quot;Zweiwertigkeit&quot; bedeutet: Denken in  sich gegenseitig ausschließenden Gegenüberstellungen wie wahr/falsch, Mann/Frau, Sein/Nichts, Gott/Teufel usw. &quot;Hierarchien&quot; meint das Denken in Gliederungen vom Höheren zum Niederen (Tier -&amp;gt; Säugetier -&amp;gt; Mensch) und an der Spitze aller Gliederungen steht die Wahrheit, Gott, das Ich oder ein allgemeines Prinzip.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da wir alle in einer &lt;strong&gt;Kultur&lt;/strong&gt; aufgewachsen sind, die diese Logik als Denkstruktur verinnerlicht hat, denken wir im Rahmen dieser Logik - gewöhnlich, ohne das auch nur zu bemerken. Dieses Denken erfordert keine Logikschulung, wir saugen es sozusagen mit der Muttermilch auf. Auch wer denkt, daß er mit Logik nichts am Hütchen hat, denkt in dieser Logik :)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die folgenden Überlegungen sind vielleicht nicht einfach zu verstehen. Aber das ist normal, wenn es um ein Denken geht, welches die Tradition überschreitet. Eine große Gefahr besteht darin, daß man das lethische Denken mit der Brille des zweiwertigen Denkens versteht - und es so grundlegend mißversteht. Auf diese Gefahr kann nur aufmerksam gemacht werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betrachten wir zunächst die &lt;strong&gt;Struktur des aristotelischen Denkens&lt;/strong&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die zweiwertige Logik beruht auf &lt;strong&gt;vier Prinzipien&lt;/strong&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;Der Satz der &lt;strong&gt;Identität&lt;/strong&gt;: Alles ist mit sich identisch und verschieden von anderem: A = A. Wenn jemand ein Mann ist, dann ist er ein Mann - und weder Frau noch Kind.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Der Satz vom &lt;strong&gt;ausgeschlossenen Widerspruch&lt;/strong&gt;: von zwei sich widersprechenden Aussagen kann nur eine wahr sein: nicht(A und nicht-A) : ((Albert ist 12 Jahre alt) und (Albert ist 30 Jahre alt)) ist falsch, nur eine der beiden Aussagen kann wahr sein.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Der Satz vom &lt;strong&gt;ausgeschlossenen Dritten&lt;/strong&gt;: von zwei Sätzen, von denen einer das vollständige Gegenteil des anderen aussagt, muß einer wahr sein, entweder A oder nicht-A, aber kein Drittes. Entweder Albert ist ein Christ oder Albert ist ein Nicht-Christ.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Der Satz vom &lt;strong&gt;zureichenden Grund&lt;/strong&gt;: Alles hat einen Grund, warum es so ist, wie es ist, z.B. das Universum ist entstanden, weil Gott es erschaffen hat.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Auf dem in diesem Grundsätzen eingeschlossenen Denken beruht unsere Kultur. Deshalb denken und diskutieren wir &lt;strong&gt;positional&lt;/strong&gt;, d.h. wir halten eine bestimmte Aussage für wahr, die gegenteilige Aussage für falsch, versuchen unsere Überzeugung als wahr zu begründen und die gegenteilige Überzeugung zu widerlegen. Moderne &lt;u&gt;mehrwertige Logiken&lt;/u&gt; lassen sich alle auf die zweiwertige Logik zurückführen bzw. sind aus dieser entwickelt worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;section class=&quot;field field-name-taxonomy-vocabulary-4 field-type-taxonomy-term-reference field-label-inline clearfix view-mode-rss&quot;&gt;&lt;h2 class=&quot;field-label&quot;&gt;Tags:&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;&lt;ul class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/47&quot;&gt;Denken&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/46&quot;&gt;Philosophie&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/48&quot;&gt;Vernunft&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/section&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-field-vg-wort-buch field-type-text field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;img src=&quot;https://vg06.met.vgwort.de/na/251af84734b848998b972f610be45d6e&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Sat, 23 Jun 2007 17:56:48 +0000</pubDate>
 <dc:creator>MDE</dc:creator>
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 <title>Wie man Thelemit wird</title>
 <link>https://www.mde-net.de/kontingenzschock</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;p&gt;Der Durchbruch zum Thelemiten ereignet sich als &lt;strong&gt;Kontingenzschock&lt;/strong&gt;, als die Erfahrung: Es steckt nichts dahinter. Die Welt verliert ihre Bedeutsamkeit und wird absurd. Sie erscheint als nacktes &#039;Das&#039; auf dem Hintergrund des Nichts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Thelema beginnt, wenn Du den Mut hast, Dir das Nichts begegnen zu lassen und es auszuhalten. Im verschlingenden Anblick des Nichts klingt die Ahnung, daß Du nicht nur &#039;irgendetwas&#039; bist, sondern ein schöpferisches Wesen, das aus dem Nichts etwas erschaffen kann. Entscheidend ist: Der Mensch kann sich erfahren als der Ort, wo aus Nichts Etwas oder aus Etwas Nichts wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Horror vor dem Nichts, wenn Du es Dir begegnen läßt, führt an diesen Umschlagspunkt. Er konfrontiert Dich mit dem Möglichsein, daß Du selbst bist.&lt;/p&gt;
&lt;div align=&quot;center&quot;&gt;
	&lt;strong&gt;Thelema ist nur im Triumph des Stolzes über die Qual. &lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;
&lt;hr size=&quot;2&quot; width=&quot;100%&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;section class=&quot;field field-name-taxonomyextra field-type-taxonomy-term-reference field-label-inline clearfix view-mode-rss&quot;&gt;&lt;h2 class=&quot;field-label&quot;&gt;Tags:&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;&lt;ul class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/46&quot;&gt;Philosophie&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/24&quot;&gt;Thelema&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/section&gt;</description>
 <pubDate>Thu, 21 Jun 2007 16:13:55 +0000</pubDate>
 <dc:creator>MDE</dc:creator>
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 <title>Philosophie für Dummies</title>
 <link>https://www.mde-net.de/philosophieren</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Philosophie:&lt;br /&gt;
	Bastel Deine Lebenserfahrungen,&lt;br /&gt;
	Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten&lt;br /&gt;
	so in einen Zusammenhang,&lt;br /&gt;
	daß sie für Deine Zwecke nützlich werden.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;&lt;img align=&quot;middle&quot; alt=&quot;Grosse Denker&quot; height=&quot;77&quot; src=&quot;/files/mde/image/Lebens_Wissen/Philosophie_fuer_Dummies/Grosse_Denker(1).jpg&quot; width=&quot;494&quot; /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	Philosophie ist Philosophieren&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Philosophie, man stellt sich darunter gelehrte Dispute, unverständliche Texte und Büchereien voller staubiger Wälzer vor. Korrekt, das ist aus der Philosophie geworden. Aber eigentlich ist Philosophie eine ganz praktische Sache.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Das Wort &quot;&lt;strong&gt;Philosophie&lt;/strong&gt;&quot; bedeutet: Liebe zur Weisheit. Wenn wir aus dieser hochwürdigen Bezeichnung ein wenig die Luft rauslassen, dann bleibt etwas übrig, was jeder Mensch immer schon tut: Sich in der Welt &lt;strong&gt;orientieren&lt;/strong&gt;, sein Leben &lt;strong&gt;gestalten&lt;/strong&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Die meisten Menschen kümmern sich nicht weiter darum, wie ihre Lebenserfahrungen zu einer &lt;strong&gt;Weltbeschreibung&lt;/strong&gt; zusammenwachsen. Das Ergebnis sind Widersprüche, Ungereimtheiten und Brüche: falsche Orientierungen, man versteht Menschen oder die Welt irgendwann nicht mehr, stößt an unverständliche Grenzen und kann Möglichkeiten für ein besseres Leben nicht erkennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Philosophieren ist eine &lt;strong&gt;Tätigkeit&lt;/strong&gt;, die darin besteht, seine Lebenserfahrungen, Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten zu überschauen, zu sortieren, Verbindungen herzustellen und Widersprüche auszuräumen. Der Zweck des Philosophierens ist: Sich ein besseres Leben zu ermöglichen. &quot;&lt;strong&gt;Besser&lt;/strong&gt;&quot; bedeutet für jeden Menschen etwas anderes: Glück, Erfolg, Wohlstand, Überleben, Liebe - was auch immer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	&lt;u&gt;Die&lt;/u&gt; Philosophie gibt es nicht. Jeder Mensch, der philosophiert, kommt dadurch zu seiner Philosophie. Zwischen den Philosophien gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede, aber es gibt keine absolut &lt;strong&gt;wahre Philosophie&lt;/strong&gt;, die für alle Menschen gültig wäre.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	Warum philosophieren?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Auslöser des Philosophierens, sagt man gewöhnlich, sei das &lt;strong&gt;Staunen&lt;/strong&gt;. Darin steckt ein richtiger Kern. Wenn wir aus dem Stauen ein wenig Luft rauslassen, bleibt: &lt;strong&gt;Verwirrung&lt;/strong&gt;. Da ist etwas anders, als man es erwartet hatte: staun. Das geschieht, wenn man merkt, daß mit der eigenen Weltbeschreibung irgendetwas nicht stimmt. Die Welt ist anders als erwartet.&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Man verliert unerwartet seinen Job,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		die Frau ist nicht mehr da, wenn man nach Hause kommt,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		die Kinder ernähren sich von Rauschgift,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		der beste Freund läßt sich plötzlich nicht mehr sehen,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		das Leben ist nur noch langweilig,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		was auch immer.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Viele Menschen reagieren erst, wenn ihnen solch unglaubliche Ereignisse selbst geschehen. Manche Menschen sind vorsichtiger, sie staunen schon, wenn sie sehen, was anderen Menschen geschieht. Sie sehen um sich herum Ehen auseinanderbrechen, Kinder verwahrlosen und aus Freunden Feinde werden: staun. Damit ihnen selbst solche Unglücke erspart bleiben, fangen sie an, ihre eigene Weltbeschreibung zu prüfen, um solche Überraschungen zu vermeiden, besser darauf vorbereitet zu sein und ihr Leben zielsicher in die eigenen Hände zu nehmen. Sie beginnen zu philosophieren.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Der Zweck des Philosophierens ist also:&lt;br /&gt;
	Ein reicheres, besseres, erfolgreicheres und glücklicheres Leben.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	Wie philosophieren?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Ein Mensch erzeugt seine Weltbeschreibung durch:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		&#039;&lt;strong&gt;Gesunden Menschenverstand&lt;/strong&gt;&#039;, d.h. man läßt seine Lebenserfahrungen zusammenwachsen wie es gerade so kommt und paßt. Solche Weltbeschreibungen funktionieren kurzfristig oft ganz gut, scheitern aber immer wieder an langfristigen Entscheidungen und Problemen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Emotionalismus&lt;/strong&gt;, d. h. was sich gut anfühlt ist richtig. Solche Weltbeschreibungen funktionieren nie, weil Emotionen widersprüchlich und nicht dazu fähig sind, die Ergebnisse von Handlungen und Entscheidungen einigermaßen verläßlich vorherzusagen. Emotionalismus erzeugt unglückliche Menschen, denn es werden durch emotionales Verhalten immer wieder Brüche im Leben erzeugt (das Leben zerbrochen).&lt;br /&gt;
		Emotionen sind weder unnütz noch schlecht, ganz im Gegenteil: Sie sind absolut lebensnotwendig - bloß eben nicht zur Weltbeschreibung geeignet.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Glauben&lt;/strong&gt;, d. h. man übernimmt die Weltbeschreibung eines anderen Menschen und versucht seine eigenen Lebenserfahrungen an diese Weltbeschreibung anzupassen. Das ist ein Glücksspiel, es kann zeitweilig halbwegs funktionieren, es kann aber auch fürchterlich danebengehen - und das wird langfristig geschehen, weil keine zwei Menschen gleich sind.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Vernunft&lt;/strong&gt;, d. h. man erzeugt durch selber-denken, durch das Spiel von Gründen und Gegengründen, ein eigenes Weltbild. Das ist langfristig die einzige Möglichkeit, sich gewollte und erreichbare Ziele zu setzen und diese zu erreichen.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Seine Weltbeschreibung durch Philosophieren erzeugen bedeutet: Die eigenen Lebenserfahrungen durch &lt;strong&gt;vernünftige Argumentation und ohne weitere Voraussetzung&lt;/strong&gt; (z. B. Emotionalismus oder  Glauben) zu einem zusammenhängenden, widerspruchsfreien und funktionierenden Ganzen, der eigenen Weltbeschreibung, zu integrieren.&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Zusammenhängend&lt;/strong&gt;: Alle Teile sind miteinander verbunden - &quot;vernetzt&quot; sagt man heute.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Widerspruchsfrei&lt;/strong&gt;: Widersprüche verhindern Verstehen und Handeln, denn in der wirklichen Welt gibt es keine Widersprüche. Wo scheinbar Widersprüche auftreten, ist etwas noch nicht genau genug durchdacht. Natürlich können Widersprüche, z. B. in der Kunst, durchaus sinnvoll verwendet werden - aber nur, wenn man weiß: Da sind Widersprüche.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Funktioniert&lt;/strong&gt;: Das meint anwendbar, nützlich und brauchbar, um Probleme zu lösen und Ziele zu erreichen. Funktionieren kann eine Weltbeschreibung nur, wenn sie zusammenhängend und widerspruchsfrei ist.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Nun ist es unmöglich, alle Lebenserfahrungen auf Zettelchen zu schreiben und dann wie ein Puzzle zu einem Ganzen zusammenzufügen. Man braucht deshalb &lt;strong&gt;Prinzipien&lt;/strong&gt; oder allgemeine Regeln als Leitlinien, sowohl für das Philosophieren als auch in der daraus entstehenden Philosophie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Man beginnt mit sogenannten Prämissen, d. h. mit Voraussetzungen, auf denen der Rest durch Schlußfolgerung aufgebaut wird. Ein &lt;strong&gt;Beispiel&lt;/strong&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;div align=&quot;center&quot;&gt;
&lt;table border=&quot;1&quot; cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; style=&quot;border-color: rgb(39, 99, 165);&quot; width=&quot;90%&quot;&gt;&lt;tbody style=&quot;border-top: 0pt none;&quot;&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;padding: 8px;&quot;&gt;
&lt;div align=&quot;left&quot;&gt;
						&lt;strong&gt;1. Prämisse&lt;/strong&gt;: Es gibt sinnliche Wahrnehmung.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Prämisse&lt;/strong&gt;: Sinnliche Wahrnehmung unterteilt sich in Wahrgenommenes und Wahrnehmenden.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Schlußfolgerung&lt;/strong&gt;: Es gibt Wahrnehmende und Wahrgenommenes.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
						 &lt;/div&gt;
&lt;div align=&quot;left&quot;&gt;
						Beide Prämissen sind evident (offensichtlich), d. h. sie sind absolut und unwiderlegbar. Die Schlußfolgerung ist logisch aus den Prämissen abgeleitet.&lt;/div&gt;
&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	 &lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Es geht nun nicht darum, ob das Beispiel für Dich passend ist. Man kann mit sehr verschiedenen Prämissen beginnen, aber man beginnt immer mit &lt;strong&gt;Prämissen&lt;/strong&gt; (oder Axiomen bei formalen Systemen), denn Prämissen sind das, was evident (oder voraus-gesetzt) ist und keines Beweise bedarf. Beweise und Schlußfolgerungen können immer nur aus Prämissen abgeleitet werden.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Aber:&lt;br /&gt;
	Wenn etwas nicht funktioniert, prüfe deine Prämissen.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;table align=&quot;right&quot; border=&quot;0&quot; cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; width=&quot;309&quot;&gt;&lt;tbody style=&quot;border-top: 0pt none;&quot;&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;
&lt;div align=&quot;center&quot;&gt;
					&lt;img alt=&quot;Amelie und Richard an der Uni, Szene 1&quot; height=&quot;196&quot; src=&quot;/files/mde/image/Lebens_Wissen/Philosophie_fuer_Dummies/Uni_1.jpg&quot; width=&quot;309&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;
&lt;div align=&quot;center&quot;&gt;
					&lt;img alt=&quot;Amelie und Richard an der Uni, Szene 2&quot; height=&quot;203&quot; src=&quot;/files/mde/image/Lebens_Wissen/Philosophie_fuer_Dummies/Uni_2.jpg&quot; width=&quot;271&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p class=&quot;bildunterschrift&quot;&gt;Ein schöner Tag an der Uni ...&lt;/p&gt;
&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;Nun hat nicht jeder Mensch die Zeit - und mancher auch nicht die Denkfähigkeit - um seine Philosophie von Grund auf zu entwerfen. Deshalb kann es vernünftig sein, auf die Entwürfe anderer Menschen zurückzugreifen - aber diese dann nicht zu glauben, sondern sie &lt;strong&gt;nach-denkend&lt;/strong&gt; zu prüfen und sich verstehend anzueignen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Da tritt jedoch ein Problem auf: Die meisten Philosophien sind so abstrakt und kompliziert, daß man sie ohne ein Studium der Philosophie kaum verstehen kann. Letztlich ist das aber kein Problem, denn diese hochabstrakten Entwürfe haben mit der Lebenspraxis Null zu tun. Es sind &lt;strong&gt;sprachliche Labyrinthe&lt;/strong&gt;, in denen ihre Schöpfer wie Leser sich immer nur verirrt haben. Sie fangen mit abstrakten Prämissen an und enden bei ebenso abstrakten Konzepten. Interessant sind sie nur als Sprachspiele für weltferne Spezialisten, nicht für das Leben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Weltbeschreibung ist für das praktische Leben nur dann interessant, wenn sie auf der &lt;strong&gt;praktischen Lebenserfahrung&lt;/strong&gt; gründet, uns sagt, was wir mit unserem Leben machen und wie wir das erreichen können. Alles andere ist, außer als intellektueller Zeitvertreib oder Denktraining, uninteressant.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	&lt;strong&gt;Ayn Rand&lt;/strong&gt; (* 20. Januar/2. Februar 1905 in Sankt Petersburg, Russland; † 6. März 1982 in New York City), Schriftstellerin und eine sehr praktische Philosophin, beschrieb in &quot;The Romantic Manifesto&quot; die Bedeutung einer Philosophie für das Leben (Hervorhebungen und in &quot;[ ]&quot; von MDE):&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;
	&quot;Um zu &lt;strong&gt;leben&lt;/strong&gt;, muss der Mensch &lt;strong&gt;handeln&lt;/strong&gt;. Um zu handeln, muss er &lt;strong&gt;Entscheidungen&lt;/strong&gt; treffen. Um Entscheidungen zu treffen, muss er einen &lt;strong&gt;Wertekodex&lt;/strong&gt; [allgemeine Entscheidungsregeln] definieren. Um einen Wertekodex zu definieren, muss er &lt;strong&gt;wissen&lt;/strong&gt;, was er ist und wo er ist, d. h. er muss seine eigene Natur kennen (einschließlich der Mittel der Erkenntnis) und die Natur des Universums, in dem er handelt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Immanuel Kant&lt;/strong&gt; (* 22. April 1724 in Königsberg; † 12. Februar 1804 ebenda) ein ansonsten eher abstrakter Philosoph, den Ayn Rand intensivst verabscheute, beschrieb Philosophie als Aufklärung (Hervorhebungen und in &quot;[ ]&quot; von MDE) :&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;
	&quot;Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten &lt;strong&gt;Unmündigkeit&lt;/strong&gt;. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen. &lt;strong&gt;Selbstverschuldet&lt;/strong&gt; ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. &lt;strong&gt;Sapere aude&lt;/strong&gt; [wage es verständig zu sein]! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.&quot; (Beantwortung der Frage: was ist Aufklärung? Berlinische Monatsschrift, 1784,2, S. 481–494)&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;h2&gt;
	Die philosophischen Grundfragen&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der oben erwähnte Immanuel Kant hat sich &lt;strong&gt;vier Fragen&lt;/strong&gt; gestellt, und diese zu beantworten versucht:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Was &lt;strong&gt;kann&lt;/strong&gt; ich &lt;strong&gt;wissen&lt;/strong&gt;? - Beantwortet in der Erkenntnistheorie&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Was &lt;strong&gt;soll&lt;/strong&gt; ich &lt;strong&gt;tun&lt;/strong&gt;? - Beantwortet in der Ethik&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Was &lt;strong&gt;darf&lt;/strong&gt; ich &lt;strong&gt;hoffen&lt;/strong&gt;? - Beantwortet in der Religionsphilosophie&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Was &lt;strong&gt;ist&lt;/strong&gt; der &lt;strong&gt;Mensch&lt;/strong&gt;? - Beantwortet in der Anthropologie (Wissenschaft vom Menschen)&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Wenn das die Fragen sind, die einem Menschen wichtig sind, könnte es sich für diesen Menschen lohnen, Kant zu lesen. Aber Kant ist nicht einfach zu verstehen und wird von jedem seiner Leser anders verstanden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Ich finde Kants Fragen uninteressant. Ich habe mir folgende &lt;strong&gt;drei Fragen&lt;/strong&gt; gestellt und versuche diese zu beantworten:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Was &lt;strong&gt;kann&lt;/strong&gt; ich tun? Antwortet auf die Frage, nach den Möglichkeiten des Handelns, nach möglichen Mitteln, um Ziele zu erreichen und damit auch, welche Ziele überhaupt erreichbar sind.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Was &lt;strong&gt;muß&lt;/strong&gt; ich tun? Antwortet auf die Frage: Wie kann ich (über)leben?&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Was &lt;strong&gt;will&lt;/strong&gt; ich tun (aus mir machen)? Antwortet auf die Frage: Wozu lebe ich?&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Jeder Mensch muß sich seinen persönlichen Frageset zusammenstellen. Im folgenden kann ich nur eine Antwortmöglichkeit auf meine Fragen zeigen - meine Antworten, wie ich sie gegenwärtig gebe - das kann sich aber morgen schon geändert haben.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;
	Meine Philosophie&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Als Beispiel, wie man sich eine Philosophie bastelt, sei meine Philosophie, denn die kenne ich am besten, angeführt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Ich bin, wie aus meinen obigen Fragen schon hervorgeht, Pragmatiker. Pragmatiker stellen immer die Frage: ,Welche Konsequenzen folgen daraus?&#039;, und nie die Frage ,Ist es wirklich so?&#039;.&quot; Man kann z. B. die Aussage eines anderen nur verstehen, wenn man erfaßt, welche Konsequenzen für den Sprecher und für den Hörer damit verbunden sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Man kann dann feststellen, ob aus einer Handlung oder Behauptung&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Konsequenzen folgen, die mir oder anderen &lt;strong&gt;nützlich&lt;/strong&gt; sind, also Ziele fördern.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Konsequenzen folgen, die mir oder anderen &lt;strong&gt;schädlich&lt;/strong&gt; sind, also Ziele behindern.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Keine Konsequenzen folgen, also &lt;strong&gt;nutz- und schadlos&lt;/strong&gt; sind.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Das wird entsprechend angewandt:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Das Nützliche ist das, was ich &lt;strong&gt;tue&lt;/strong&gt; oder &lt;strong&gt;fördere&lt;/strong&gt;,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		das Schädliche ist das, was ich &lt;strong&gt;vermeide&lt;/strong&gt; oder &lt;strong&gt;verhindere&lt;/strong&gt; und &lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		das, woraus keine Konsequenzen folgen, ist &lt;strong&gt;uninteressant&lt;/strong&gt;.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Das sind meine Prämissen. Ich beanspruche für diese Prämissen keinerlei Wahrheit oder Allgemeingültigkeit. Es sind einfach meine Entscheidungen. Wenn man mich fragt, warum ich mich für diese Prämissen entschieden habe, gibt es nur eine Antwort:&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Ich will leben,&lt;br /&gt;
	ich will glücklich leben und&lt;br /&gt;
	ich will, daß mein Leben blüht und gedeiht.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man darüber nachdenkt, stellt man fest, daß &quot;leben wollen&quot;, &quot;glücklich leben wollen&quot; und ein &quot;florierendes Leben&quot; (blüht und gedeiht) ein und dasselbe ist. Wer überhaupt leben will, der will auch glücklich und dauerhaft leben. Wer weder glücklich noch dauerhaft leben will, der will gar nicht leben. Er will sterben, tot sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Das ist typisch der Fall, wenn dieses Leben nur als ein &lt;strong&gt;Durchgangsstadium&lt;/strong&gt; in ein anderes, besseres Leben (Himmel, Paradies, Nirwana) verstanden wird.&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Selbst wenn wir annehmen, daß es solch ein jenseitiges Leben gibt, ist es höchst unlogisch anzunehmen, daß es Leuten gewährt wird, die im diesseitigen Leben nur sterben wollten.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Wenn es ein jenseitiges Leben gibt, kann es nur Menschen zugänglich sein, die im diesseitigen Leben aus voller Kraft lebendig waren - und als &lt;strong&gt;Lebensprotze&lt;/strong&gt; im Jenseits ankommen. Das müssen Menschen sein, die mit ihrer gewaltigen Lebenskraft den Tod überwinden.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Leben wollen ist eine Lebenseinstellung!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Beispiel dafür, wie &lt;strong&gt;durch Lebenskraft der Tod überwunden&lt;/strong&gt; werden kann, wäre z. B. das aus asiatischen Religionen bekannte Aufsteigen der &lt;strong&gt;Kundalini-Shakti&lt;/strong&gt;, die als Sammlung der Lebensenergie verstanden wird. Ob das Phänomen, welches als Kundalini-Shakti beschrieben wird, erzeugt werden kann und welche Konsequenzen das hat, kann man praktisch ausprobieren. Das ist deshalb eine Möglichkeit, wie ein Weiterleben nach dem Tode für einen Pragmatiker annehmbar ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Daraus wird klar, was oben mit &quot;nützlich&quot; gemeint war:&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Nützlich für mein Leben,&lt;br /&gt;
	als glückliches und langfristig florierendes Leben.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Soweit so einfach. Das Problem liegt natürlich darin, festzustellen, welche Ziele man verfolgen muß, um so zu leben und welche Konsequenzen aus einer Handlung oder Behauptung folgen. Dieses Problem kann nur durch konsequente Vernunft gelöst werden, die auf den folgenden Prämissen beruht:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		Die Konsequenzen von &lt;strong&gt;Behauptungen&lt;/strong&gt; kann man durch Schlußfolgerung erschließen und letztlich nur durch Handeln (Experiment) beweisen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Die Konsequenzen von &lt;strong&gt;Handlungen&lt;/strong&gt; kann man sinnlich wahrnehmen (operationale Beschreibungen).&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Die Basis der Weltbeschreibung müssen also sinnliche Wahrnehmungen sein. Darauf bauen Konzepte auf, die diese Wahrnehmungen in einen widerspruchsfreien Zusammenhang bringen. Aus diesen Konzepten können neue Handlungen und ihre Ergebnisse (&lt;strong&gt;Vorhersagen&lt;/strong&gt;) abgeleitet werden, die Lebensmöglichkeiten erweitern. Wir sehen, das sind alles nur Anwendungen dessen, was wir oben &quot;Philosophieren&quot; nannten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Der nächste Schritt wäre die Ableitung von &lt;strong&gt;Spielregeln&lt;/strong&gt; (Prinzipien), mit denen die genannten Verhaltensweisen gefördert und verwirklicht werden. Da es sich hier nur um eine erste kleine Einführung handelt: Ende!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	&lt;strong&gt;Jetzt bist Du dran&lt;/strong&gt; - und wenn Du mehr wissen willst, kannst Du auf dieser Site rumschmökern: Es gibt noch viel zum Thema zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Das Leben gibt es nur als permanente Beta-Version.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;hr size=&quot;2&quot; width=&quot;100%&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;section class=&quot;field field-name-taxonomy-vocabulary-4 field-type-taxonomy-term-reference field-label-inline clearfix view-mode-rss&quot;&gt;&lt;h2 class=&quot;field-label&quot;&gt;Tags:&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;&lt;ul class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/41&quot;&gt;Einführung&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/26&quot;&gt;Lebens-Wissen&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/46&quot;&gt;Philosophie&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/section&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-field-vg-wort-story field-type-text field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;img src=&quot;https://vg06.met.vgwort.de/na/e8194caadb6a465e9921e5a3cea2b0c9&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Mon, 18 Jun 2007 00:31:13 +0000</pubDate>
 <dc:creator>MDE</dc:creator>
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