<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<rss version="2.0" xml:base="https://www.mde-net.de"  xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">
<channel>
 <title>Michael D. Eschner - Fundamentalismus</title>
 <link>https://www.mde-net.de/taxonomy/term/33</link>
 <description></description>
 <language>de</language>
<item>
 <title>Sekten und Fundamentalismus-Check</title>
 <link>https://www.mde-net.de/sekte</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;p&gt;Wenn man in der bundesrepublikanischen Gesellschaft eine Gruppe Menschen ächten will gibt es ein unfehlbares Mittel: Man bezeichnet diese Gruppe als &lt;strong&gt;Sekte&lt;/strong&gt;, wahlweise: Jugend-, Psycho- oder Satanisten-Sekte. Sobald die Massenmedien diese Bezeichnung übernommen haben und veröffentlichen, ist das Spiel gelaufen. Von Stund an bekommen die Mitglieder dieser Gruppe keinen Arbeitsplatz und kein Bankkonto mehr, haben Prozesse schon vor dem ersten Prozeßtag verloren und sind Freiwild für jeden durchgedrehten Journalisten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Ob eine Gruppe eine Sekte ist wird entweder per &lt;strong&gt;Freistil&lt;/strong&gt; oder mit &lt;strong&gt;Checklisten&lt;/strong&gt;, sogenannten Sektenfragebögen, entschieden. Da Freistil völlig willkürlich, Fragebögen jedoch evaluierbar sind, orientieren wir uns an letzteren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Es gibt sehr viele Sektenfragebögen. Eines haben alle gemeinsam: Die &quot;&lt;strong&gt;Sekte&lt;/strong&gt;&quot;&lt;strong&gt; sind immer die Anderen&lt;/strong&gt;, deshalb basieren alle diese Fragebögen auf der Weltanschauung des Herstellers des Fragebogens. Was durch diese Fragebögen herausgefunden wird, ist: Stimmt der Glaube der &quot;Sekte&quot; mit dem Glauben der Hersteller des Fragebogens überein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Alle Fragebögen dieser Art sind selbst &lt;strong&gt;weltanschaulich infiziert&lt;/strong&gt;, denn die Kriterien basieren auf der Weltanschauung der Verfasser. So wird z.B. oft behauptet, daß es für die Gefährlichkeit einer Gruppe spricht, wenn sie das wissenschaftliche Weltbild zugunsten höherer Erkenntnisse ablehnt - aber das trifft auf jede Religion zu und beweist Gefährlichkeit nur aus der Sicht eines seinerseits gefährlichen Wissenschaftsfundamentalismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Die folgende Checkliste geht anders vor. Sie bietet anhand von &lt;strong&gt;Kriterien&lt;/strong&gt;, &lt;strong&gt;Symptomen&lt;/strong&gt; und &lt;strong&gt;Indizien&lt;/strong&gt; erste Hilfe für die Beurteilung einer Weltanschauung (Religion, Sekte, soziale Bewegung, etc.) am Maßstab des &lt;strong&gt;Fundamentalismus&lt;/strong&gt; - und legt die leitenden &lt;strong&gt;Prämissen &lt;/strong&gt;offen.&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Jeder Fundamentalismus ist abzulehnen,&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;weil er die Selbstbestimmung der Menschen be- oder sogar verhindert.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die &lt;strong&gt;Prämissen&lt;/strong&gt; dieser Checkliste sind:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Wahrheitsprämisse&lt;/strong&gt;: Es gibt für Menschen keine absolute Wahrheit. (Absolute Wahrheiten sind alle  Behauptungen, welche die Möglichkeit eines Irrtums ausschließen.)&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Irrtumsprämisse&lt;/strong&gt;: Jeder Mensch ist fehlbar, jeder Mensch kann irren.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Kritikprämisse&lt;/strong&gt;: Jede Behauptung ist kritisierbar und darf kritisiert werden. (Kritisches Denken, Argumentieren und Experimentieren kann Fehler der eigenen Überzeugungen aufdecken.)&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Freiheitsprämisse&lt;/strong&gt;: Niemand hat das Recht, die Denk-, Rede- und Handlungsfreiheit eines Menschen gewaltsam einzuschränken oder zu behindern. (Daraus folgt, daß niemand das Recht hat, einem anderen Menschen eine Weltanschauung vorzuschreiben.)&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Davon ausgehend ist eine &lt;strong&gt;Weltanschauung fundamentalistisch&lt;/strong&gt;, wenn eines der folgenden vier &lt;strong&gt;Kriterien&lt;/strong&gt; zutrifft:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Wahrheit&lt;/strong&gt;: Es wird behauptet, im Besitz einer absoluten Wahrheit zu sein. Auch die Behauptung, es gibt keine Wahrheit, ist eine - wenngleich selbstwidersprüchliche - absolute Wahrheit.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Glaube&lt;/strong&gt;: Es wird verlangt, daß an den Wahrheitsanspruch und die Wahrheit bestimmter Behauptungen oder einen &quot;unfehlbaren&quot; bzw. &quot;erleuchteten Führer&quot; geglaubt wird.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Kritik&lt;/strong&gt;: Kritische Diskussionen des Wahrheitsanspruchs oder des Wahrheitsinhalts der &quot;offiziellen Lehre&quot; oder bestimmter Behauptungen werden behindert, abgelehnt oder sanktioniert. Das betrifft sowohl argumentative Kritik, wie auch künstlerische Infragegestellung, Satire und Witze.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Gewalt&lt;/strong&gt;: Es wird Gewalt gegen Andersdenkende gefordert, befürwortet oder geduldet.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Weltanschauungen, Gruppen oder Behauptungen, auf die auch nur &lt;strong&gt;ein einziger&lt;/strong&gt; dieser Punkte zutrifft, sind fundamentalistisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da die o.g. Kriterien, insbesondere in der Anwerbungsphase, nicht immer klar erkennbar sind, kann man sich an folgenden &lt;strong&gt;Symptomen&lt;/strong&gt; orientieren:&lt;/p&gt;
&lt;ol&gt;&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Einfachheit&lt;/strong&gt;: Die Weltanschauung ist verblüffend einfach und löst alle Probleme. Beispiele: Glaube nur an Gott und Du bist gerettet. Lebe einfach im Hier und Jetzt.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Guruismus&lt;/strong&gt;: Die Weltanschauung hat einen Meister, Führer, Vater, Guru oder Vordenker, der allein im Besitz der ganzen Wahrheit ist oder entsprechend verehrt wird.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Katastrophe&lt;/strong&gt;: Es wird behauptet, die Welt treibe auf eine Katastrophe zu und nur diese Weltanschauung ist die Rettung.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Emotionalismus&lt;/strong&gt;: Kritisch-rationales Fragen oder Denken wird als &quot;Verkopfung&quot;, negativ, satanisch, unerleuchtet etc. abgelehnt, die Wahrheit müsse &quot;mit dem Herzen&quot; oder &quot;intuitiv&quot; erfaßt werden.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Feinde&lt;/strong&gt;: Andere Weltanschauungen werden als satanisch verteufelt, ihre Anhänger als &quot;Ungläubige&quot; angefeindet.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Rettung&lt;/strong&gt;: Es wird behauptet, daß es Rettung, das Heil oder Erlösung nur in dieser Weltanschauung, Kirche oder Religion gäbe. (Das ist abzugrenzen von erfolgreichen Methoden die jeder, mit der entsprechenden Ausbildung, anwenden kann.)&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;&lt;p&gt;Keines der folgenden &lt;strong&gt;Indizien&lt;/strong&gt; kann für sich allein Fundamentalismus beweisen, aber je mehr davon auf eine Gruppe zutreffen, desto stärker der Verdacht:&lt;/p&gt;
&lt;ol&gt;&lt;li&gt;
		Kritik und Ablehnung durch Außenstehende werden als Beweis dafür angeführt, daß die Weltanschauung wahr ist.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Es wird verlangt, aus welchen Gründen auch immer, daß alle bestehenden Beziehungen (Verwandtschaft, Wohngemeinschaft, Freundschaften) abgebrochen werden.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Die Gruppe grenzt sich von der übrigen Welt ab, z.B. durch
&lt;ol&gt;&lt;li&gt;
				Kleidung&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
				Ernährungsvorschriften&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
				eine eigene Gruppensprache oder&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
				Reglementierung von zwischenmenschlichen Beziehungen.&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Die Gruppe verlangt die strikte Befolgung von Verhaltens-Regeln, die nicht diskutiert oder nicht geändert werden dürfen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Es erfolgt eine Überwachung durch einen Vertreter der Gruppe, z.B. durch ständige Anwesenheit oder Begleitung.&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;&lt;p&gt;Wenn die hier vorgelegten Prämissen, Kriterien, Symptome und Indizien für Dich plausibel sind, kannst Du danach selbst entscheiden, ob oder inwieweit eine Gruppe, Kirche oder sonstige Organisation fundamentalistisch ist.&lt;/p&gt;
&lt;hr size=&quot;2&quot; width=&quot;100%&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;section class=&quot;field field-name-taxonomy-vocabulary-4 field-type-taxonomy-term-reference field-label-inline clearfix view-mode-rss&quot;&gt;&lt;h2 class=&quot;field-label&quot;&gt;Tags:&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;&lt;ul class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/41&quot;&gt;Einführung&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/33&quot;&gt;Fundamentalismus&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/31&quot;&gt;Religion&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/32&quot;&gt;Sekten&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/section&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-field-vg-wort-story field-type-text field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;img src=&quot;https://vg06.met.vgwort.de/na/141177213fc7409aacb902e401036d00&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Mon, 11 Jun 2007 21:08:40 +0000</pubDate>
 <dc:creator>MDE</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">69 at https://www.mde-net.de</guid>
 <comments>https://www.mde-net.de/sekte#comments</comments>
</item>
<item>
 <title>Die Utopie der offenen Zukunft</title>
 <link>https://www.mde-net.de/zukunft</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;p&gt;Das ideal der geschlossenen Zukunft, also eines &lt;strong&gt;Endzustandes der Geschichte mit der idealen Gesellschaft&lt;/strong&gt;, ist nach Walter Benjamin die inhaltliche Bestimmung des Utopischen als schon immanente und in seiner historischen Form gewußte Struktur:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;
	&quot;Die Elemente des Endzustandes ... sind als gefährdetste, verrufenste und verlachte Schöpfungen und Gedanken tief in jeder Gegenwart eingebettet. Den immanenten Zustand der Vollkommenheit rein zum absoluten zu gestalten, ihn sichtbar und herrschend in der Gegenwart zu machen, ist die geschichtliche Aufgabe.&quot;&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Vom &quot;zurück zur Natur&quot; über den Marxismus und die Religionen bis zum Nationalsozialismus beschreibt dieses Zitat die dahinterstehende fundamentalistische Ideologie: Der ideale Endzustand ist bekannt, wir müssen ihn nur noch verwirkichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach dem &lt;strong&gt;Scheitern aller Utopien&lt;/strong&gt; - und dies ist die historische Lehre des 20. Jahrhunderts - hätte man es besser wissen können, könnte jeder es besser wissen. Das Problem ist nicht nur, daß all diese schönen Zukünfte in Massenmord und Diktatur endeten, das könnte vielleicht Zufall sein. Das Problem ist, daß die behauptete Kenntnis des letztgültigen Glückszustandes für alle Menschen immer eine innere Tendenz dazu hat, diesen Zustand den Menschen aufzuzwingen - es dient ja nur ihrem wahren Glück.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Von diesen Problemen ganz abgesehen kann man das Wissen um den endgültigen Glückszustand für alle Menschen nur dann haben, wenn man die &lt;strong&gt;Wahrheit&lt;/strong&gt; über Gott, die Welt, die Geschichte und die Menschen kennt. Aber wir wissen (!) heute, daß alles Wissen historisch und kulturell bedingt ist. Jede historische Epoche und jede Kultur hat andere Ideale und Werte und deshalb andere Vorstellungen vom Glück der Menschheit und vom Ende der Geschichte. Abgesehen davon ist die Wahrheit selbst nur noch ein Fragezeichen, auf welches niemand eine Antwort weiß.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Die Alternative ist jedoch auch nicht das &lt;strong&gt;Festhalten am Gegebenen&lt;/strong&gt;, denn daß wir auf dem falschen Weg sind und dies durch ökologische Ausdrücke formuliert werden kann - von politischen und wirtschaftlichen Problemen ganz zu schweigen - ist heute nur noch schwerlich zu bestreiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Wenn aber eine inhaltlich festgelegte Utopie unhaltbar geworden ist, weil es sowohl philosophisch als auch historisch unhaltbar geworden ist, zu behaupten, daß wir wissen könnten, wie eine bessere Welt in Wahrheit aussähe. Wenn außerdem das Festhalten am Gegebenen auch unhaltbar geworden ist, weil das &quot;weiter so&quot; in den globalen Kollaps führt, was haben wir dann noch für &lt;strong&gt;Alternativen&lt;/strong&gt;?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Wenn &quot;weiter so&quot; nicht geht, muß eine Utopie her, wenn eine inhaltlich festgelegte Utopie nicht geht, muß eine inhaltlich unbestimmte Utopie her. Eine inhaltlich unbestimmte Utopie ist eine Utopie der offenen Zukunft. Aber besagt ein solches Etikett denn mehr, als daß die Zukunft offen sein soll? Wo bleibt das utopische Element?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Zum einen enthält die Vorstellung einer offenen Zukunft schon an sich ein utopisches Element, denn &quot;offene Zukunft&quot; beinhaltet, daß wir eine prinzipielle Offenheit zu immer neuen Lebensentwürfen zu jedem historischen Zeitpunkt anstreben. Das Gegenteil wäre eine Utopie einer geschlossenen oder beendeten Zukunft: Alles bleibt wie es ist!&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Die offene Zukunft,&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;also die prinzipielle Offenheit zu immer neuen Lebensentwürfen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;zu jedem historischen Zeitpunkt,&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;ist eine Zukunft, für die wir uns entscheiden müssen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;und die wir anstreben müssen,&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;wenn wir sie wollen,&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;deshalb&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;und weil sie nicht Gegenwart ist,&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;ist die offene Zukunft eine Utopie.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Versuchen wir den Entwurf einer offenen Zukunft noch etwas näher zu bestimmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Wissen und Wirklichkeit sind durch den handelnden Menschen miteinander verbunden: Durch sein Handeln und die daraus resultierenden Wirkungen erwirbt er pragmatisches Wissen, d.h. Wissen als &lt;strong&gt;Werkzeug&lt;/strong&gt;. Diese Verbindung von Handeln, Wissen und Werkzeug ist nur durch eine Lebensform möglich, die in ihren Lebensentwürfen auf eine offene Zukunft zielt, da es erst für künftige Handlungen möglich ist, sich an Wissen zu orientieren, welches durch gegenwärtiges Handeln erzielt wird. Jeder Wissenszuwachs zeigt uns neue mögliche Handlungen und neue beobachtbare Konsequenzen. Dadurch wird einerseits ein Teil des bisherigen Handelns als falsch erkannt, andererseits werden neue Handlungsentwürfe, d.h. neue Bestimmungen der Zukunft, möglich. Wir lernen an der Erfahrung für zukünftig mögliche Lebensformen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Die uns bekannte Welt ist durch bewußt kontrollierte Handlungen in Richtung auf eine gewollte Zukunft veränderbar. Nicht immer, aber oft genug. Das ist eine für jeden Menschen täglich erfahrbare Tatsache, die vielleicht deshalb oft vernachlässigt wird, weil sie so selbstverständlich ist. Durch jeden bewußt gesetzen und verwirklichten Zweck verändern wir die Welt. Daraus folgt, daß wir unsere Wirklichkeit in wesentlichen Bereichen gemeinsam erzeugen. &lt;strong&gt;Kultur&lt;/strong&gt;, die für Menschen als Menschen wesentliche Wirklichkeit, ist etwas, was Menschen allererst herstellen müssen und tatsächlich herstellten - und wenn wir sie herstellen, sind wir dafür verantwortlich. Die Verantwortung liegt in der Wahl eines Zukunftsentwurfs aus mehreren Alternativen und darin, was wir tun, um diese Zukunft zu realisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Ein so gewählter Entwurf wird weder vollkommen bestimmt noch vollkommen unbestimmt sein. Einerseits wissen wir nicht genug, andererseits aber doch einiges. Einen solchen Entwurf eines künftigen Seins nennen wir &lt;strong&gt;unterbestimmt&lt;/strong&gt;. Das ist es, was mit offener Zukunft gemeint ist:&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Eine Zukunft, die in wesentlichen Aspekten festgelegt und&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;in wesentlichen Aspekten nicht festgelegt ist -&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;aber keinen Aspekt festlegt,&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;der ihre weitere Offenheit einschränken würde.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Welche Bedingungen sind Voraussetzung einer Utopie der offenen Zukunft?&lt;/p&gt;
&lt;ol&gt;&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Offenheit&lt;/strong&gt;: Entwürfe müssen kontrolliert so gewählt werden, daß auch in Zukunft freie Entscheidungen über künftige Handlungen möglich sind.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Erkennen&lt;/strong&gt;: Bedingung 1. ist nur zu erfüllen, wenn es dem Menschen gelingt zu erkennen, unter welchen Bedingungen er so handelt, daß er möglicherweise Bedingung 1. erfüllen könnte.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Vorhersage&lt;/strong&gt;: Bedingung 2. ist nur zu erfüllen, wenn es dem Menschen gelingt, in entscheidenden Fragen Wissen (Wirklichkeit) von Meinung (Unwirklichkeit) zu unterscheiden. Das ist immer dann möglich, wenn er Erfahrungen macht, die ihm ausreichend genaue Vorhersagen über Handlungsfolgen erlauben.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Verständigung&lt;/strong&gt;: Bedingung 3. ist, weil es hier wesentlich um psychologisches und soziales Wissen geht, nur zu erfüllen, wenn Menschen verständigungsorientiert und gemeinsam handeln, forschen und erschaffen.&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;&lt;p&gt;Die Utopie einer offenen Zukunft ist also nur realisierbar durch Erwerb von Wissen, welches ausreichend genaue Vorhersagen über die &lt;strong&gt;Konsequenzen&lt;/strong&gt; von Handlungen macht oder solche abzuleiten erlaubt - und dieses Wissen können wir nur durch gemeinsames verständigungsorientiertes Handeln erwerben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Das sich daraus ergebende Programm ist:&lt;/p&gt;
&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Bewahrung der Freiheit.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Intensivierung verständigungsorientierten Handelns.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemeinsames Erschaffen der Zukunft.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;hr size=&quot;2&quot; width=&quot;100%&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;section class=&quot;field field-name-taxonomy-vocabulary-4 field-type-taxonomy-term-reference field-label-inline clearfix view-mode-rss&quot;&gt;&lt;h2 class=&quot;field-label&quot;&gt;Tags:&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;&lt;ul class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/33&quot;&gt;Fundamentalismus&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/28&quot;&gt;Zukunft&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/section&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-field-vg-wort-story field-type-text field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;img src=&quot;https://vg06.met.vgwort.de/na/40ec581ed76948d483a6523acc3caa81&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Sun, 03 Jun 2007 23:45:04 +0000</pubDate>
 <dc:creator>MDE</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">58 at https://www.mde-net.de</guid>
 <comments>https://www.mde-net.de/zukunft#comments</comments>
</item>
<item>
 <title>Was ist &quot;Open Religion&quot;?</title>
 <link>https://www.mde-net.de/open-religion</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;strong&gt;Freiheit für Ungläubige&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&quot;Open Religion&quot; ist, soweit ich weiß, eine Erfindung von mir :-)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	&quot;Open Religion&quot; ist für Religion so etwas ähnliches wie &quot;Open Source&quot; für Software. Einige Leute haben eine Idee, verbünden sich - und gründen eine Religion. Diese Religion steht anderen Menschen offen. Jeder kann diese Religion benutzen und er kann auch beim &#039;Programmieren&#039; dieser Religion mitmachen. Je mehr Open Religionen desto besser - und keine Open Religion stellt den Anspruch, die einzige sein zu müssen oder im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betrachten wir das etwas genauer:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Weltanschauung&lt;/strong&gt;: Wie ein Mensch seine Realität konstruiert. Alltagssprachlich: In welcher Realität ein Mensch lebt, wie er die Welt erlebt. Es gibt wissenschaftliche, künstlerische, religiöse, wirtschaftliche und natürlich politische Weltanschauungen - und noch einige mehr.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Religion&lt;/strong&gt;: Weltanschauung, die primär auf Sinngebung (Sinn des Lebens) abzielt. Gründet gewöhnlich auf einem Jenseits mit Gott oder Göttern, Sein, Nirvana oder Tao. Das Jenseits ist mit den irdischen Sinnen nicht wahrnehmbar und garantiert Wahrheit - zumindest wenn man daran glaubt. Im weiteren Sinne ist jede Weltanschauung, an deren Wahrheit geglaubt wird, eine Religion, egal ob sie auf gasförmigen Wirbeltieren oder wissenschaftlichen Methoden gründet.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Jeder Mensch hat eine Weltanschauung, die meisten Menschen eine Religion. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Closed Religion&lt;/strong&gt;: (Fundamentalismus, Kirchen, Wissenschaftsimperialismus): Nur meine Religion ist wahr, alle anderen Religionen sind falsch: Irrglauben! Wer nicht zu meiner Religion gehört, ist ein Ungläubiger, der falsch denkt. Wer diese Auffassung vertritt, schreibt sich selbst göttliche Erkenntnismacht zu, denn wie sollte er sonst die Wahrheit kennen?&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&lt;strong&gt;Open Religion&lt;/strong&gt;: Jede Religion ist wahr. Jeder Mensch hat das Recht, über seine Wahrheit selbst zu entscheiden. Wer zu einer Closed Religion gehört, mag das tun, solange er nicht versucht, seine Weltanschauung anderen Menschen vorzuschreiben bzw. sie mit anderen Mitteln als dem &quot;sanften Zwang der Argumentation&quot; (Habermas) zu bekehren.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Closed Religionen leiten aus ihrer Wahrheit ihre Einzigartigkeit ab. Open Religionen sind - jede - einzigartig, das reicht ihnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Es ist ein Unterschied, ob man sagt: &quot;alle Religionen sind wahr&quot; oder &quot;alle Religionen sind falsch&quot;. Im ersteren Fall nimmt man sie ernst, d.h. man gesteht ihnen zu, dass sie ihren Gläubigen irgendeinen Nutzen bringen, im letzteren Fall nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Wenn eine Religion Menschen sinnvoll erscheint, z.B. weil sie zu ihrem Glück, Wohl oder Nutzen beiträgt, wird es Menschen geben, die diese Religion wählen und gestalten. Eine exklusive Wahrheit oder Letztbegründung braucht es dazu nicht. Wenn eine Religion dies nicht mehr leistet, hilft ihr auch kein Wahrheitsanspruch mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Wenn ein Mensch aber meint, dass er die einzige Wahrheit haben muss, mag er das tun und entsprechend wählen - solange er anderen Menschen das gleiche Recht zugesteht und seine Wahrheit nicht anderen Menschen vorzuschreiben versucht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Man kann Weltanschauungen danach abscannen, welche in welchen Hinsichten leistungsfähiger sind oder welche irgendeinen anderen Reiz bieten, der es sinnvoll erscheinen läßt, sie zu wählen, vielleicht nur, um mit ihnen eine Weile zu experimentieren. Dabei werden verschiedene Menschen zu verschiedenen Ergebnissen kommen. Und das ist gut so.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Als moderner Mitteleuropäer kann man heute nicht mehr ernsthaft behaupten, dass eine bestimmte Religion die einzig wahre Religion sei. Aber man kann sich dafür entscheiden, eine bestimmte Religion als Wahrheit zu wählen - dieses Recht auf die eigene Wahl muss man dann aber jedem Menschen zugestehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Open-Religion Erklärung:&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;	Wir / Ich stimme(n) zu: Jede Religion ist wahr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&quot;Religion ist eine Beleidigung der Menschenwürde. Ohne sie gäbe es gute Menschen, die gute Dinge tun und schlechte Menschen, die schlechte Dinge tun, aber um gute Menschen dazu zu bringen, schlechte Dinge zu tun, ist Religion notwendig.&quot;&lt;/strong&gt; (Steven Weinberg, zweimaliger Nobelpreisträger)&lt;/p&gt;
&lt;hr size=&quot;2&quot; width=&quot;100%&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;section class=&quot;field field-name-taxonomy-vocabulary-4 field-type-taxonomy-term-reference field-label-inline clearfix view-mode-rss&quot;&gt;&lt;h2 class=&quot;field-label&quot;&gt;Tags:&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;&lt;ul class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/41&quot;&gt;Einführung&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/33&quot;&gt;Fundamentalismus&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/taxonomy/term/31&quot;&gt;Religion&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/section&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-field-vg-wort-story field-type-text field-label-hidden view-mode-rss&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;img src=&quot;https://vg06.met.vgwort.de/na/a5d153454e234c70acd68a5d78c32b49&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Sun, 01 Apr 2007 17:28:08 +0000</pubDate>
 <dc:creator>MDE</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">3 at https://www.mde-net.de</guid>
 <comments>https://www.mde-net.de/open-religion#comments</comments>
</item>
</channel>
</rss>
