Tom Cruise: Ein deutscher Widerstandskämpfer

Irre, der Schauspieler Tom Cruise, der in einem Stauffenberg-Film den Hitler-Attentäter spielen soll, wird selbst zum Widerstandskämpfer.

Reihenweise hagelt es Absagen für Drehgenehmigungen an den Originalschauplätzen. Von kleinen Abgeordneten bis zu entscheidungsgewaltigen Ministern sind sich alle einig: Ein Scientologe, Tom Cruise bekennt sich dazu, darf diese Rolle nicht spielen.

Man muss sich das wirklich auf der Zunge zergehen lassen: Es geht um einen Film über den Widerstand gegen Hitler - und die Bundesregierung ächtet einen Schauspieler wegen seines privaten religiösen Glaubens. 

Der Unterschied zwischen einer freien und einer faschistischen Gesellschaft, habe ich in der Schule gelernt, besteht u.a. darin, dass in einer freien Gesellschaft jeder glauben kann, was er will, egal wie absurd es ist. Zugegeben, Scientologie ist absurd, aber nicht absurder als der christliche Glaube. Scientologie ist nicht einmal, wie der Islam, für terroristische Neigungen bekannt - aber Islamisten werden sogar durch Steuermittel gefördert. Niemand würde es wagen, gegen einen Schauspieler, der Moslem ist, so vorzugehen.

Die religiöse Unterdrückung in Deutschland hat, wie die langjährige Sektenhysterie zeigt, schon lange wieder ein Ausmaß erreicht, das mit einer freien Gesellschaft inkompatibel ist. Erinnerungen an das Hitler-Reich liegen nahe.

So gesehen, muss man bekennen: Tom Cruise, ein deutscher  Widerstandskämpfer.

... und ich persönlich mag weder Tom Cruise noch Scientologie :-(


Kommentare

Hallo MDE,

das Thema gehört zu den weiten Feldern und man sollte Deine Thesen differenzieren.

1) Die Church of Scientology wird nicht als Religion von Seiten des Staates geächtet, sondern ihr wird der Vorwurf gemacht, ein nach Gewinnmaximierung stehendes Unternehmen zu sein, dass sich den Deckmantel der Religion gibt. Staatliche Seiten hätten auch keine Berührungsängste mit der Free Zone e.V., die sich selbst als scientologisch begreift - und deren Philosophie auch einige Parallelen zur thelemitischen aufweist. Laut Selbstdarstellung erfahre diese auch Unterdrückung durch die CoS. TC wird deshalb geächtet, weil er Stimme und Gesicht einer Organisation ist, die in den Augen des Systems als totalitär angesehen wird. Ihn deshalb zum Widerstandskämpfer zu verklären, halte ich für bezweifelnd.

2) Wenn Islamisten finanziert werden, dann nicht, weil sie Islamisten sind, sondern weil man - vergeblich - versucht, so die Palästinenser zu unterstützen. Von der   Doppelmoral können wir mal absehen.

3) Dass Stauffenberg zur BRD- Ikone erhoben wird, gehört zu den Ironien an sich. Ebenso können wir es als amüsant ansehen,  wenn ein Scientologe einen christlich- nationalkonservativen, preußischen Offizier spielt. Es wäre ebenso lustig, als wenn ein "Sektenbeauftragter" die Rolle Crowleys spielen würde.

Lassen wir sie weiterspielen ;-)

mfg.

AgapeXI

 

Hi AgapeXI,

wenn wir nicht wollen, daß der Staat in unser Privatleben hineinregiert, müssen wir eindeutig zwischen öffentlichen und privaten Bereichen trennen.  Religion ist Privatsache. Meine Religion hat den Staat nicht zu interessieren - und da gibt es nichts zu differenzieren, weil jedes differenzieren dem Staat eingriffe in mein Privatleben erlaubt.

Deshalb interessieren mich weder staatliche Vorwürfe gegen Scientologie noch hat der Staat das Recht Christen oder Islamisten - aus welchem Grund auch immer - zu fördern.

Liebe Grüße

MDE

 

Hallo Mike,

Deine Formulierungen wirken sehr absolut. Es geht um die grundsätzliche Frage, inwieweit sich der Staat in die Privatsphäre einmischen darf. Und wird das Private gewollt zum öffentlichen Thema, dann hört es auf, privat zu sein.

Die Grenzen religiöser Privatsphäre eines Islamisten hören dann auf, wenn er sich einen Sprengstoffgürtel um dein Leib gürtet; die abstrusen Ansichten eines Zeugen Jehova werden ebenso zum Politikum, wenn sie missioniert werden & ein Scientologe ist dann kein bloßer Gläubiger mehr, wenn er die Psychatrien attackiert. Zu Hause kann man jeden Glauben pflegen, sobald man ihn nach außen kehrt, wird es in meinen Augen nicht mehr der eigene.

Und Abgeordnete bzw. Stauffenbergsöhne  haben doch ebenso ihr Recht, ihren Willen zu äußern. Dass es keinen Verbot des Films gibt, versteht sich von selbst. Und die Verweigerung des Filmedrehens in einem öffentlichen Ministerium ist Wille des Staates.

hG,

AgapeXI

Hi AgapeXI,

ich habe gesagt, daß der Staat weder das Recht hat Religionen zu fördern noch sie abzulehnen. Ich habe nie bestritten, daß der Staat nicht nur das Recht, sondern die Pflicht hat primäre Gewalt zu verhindern bzw. zu sanktionieren - egal aus welchen Gründen sie ausgeübt wurde.

Was zum öffentlichen Thema wird ist deshalb noch lange nicht Sache des Staates.

Natürlich hat jeder das Recht seine Meinung frei zu äußern, sowohl die Zeugen Jehovas wie die Stauffenbergsöhne. Ich mache da keinen Unterschied, denn jede Unterscheidung könnte nur entweder im Namen eines absoluten Wahrheitsanspruchs oder von Willkür gemacht werden. Jeder Mensch hat das unbedingte Recht auf seine Wahrheit, aber niemand hat das Recht auf primäre Gewalt, auch nicht der Staat.

>Und die Verweigerung des Filmedrehens in einem öffentlichen Ministerium ist Wille des Staates.

Was soll denn das sein: Der Wille des Staates? Mir scheint, eine Mystifizierung. In meiner Welt haben nur Individuen einen Willen. Abgesehen davon wurden für den 'deutschen' Stauffenbergfilm die Drehgenehmigungen erteilt - ohne Probleme. Die Ablehnung im vorliegenden Fall stützt sich einzig auf religiöse Diskriminierung - oder ist willkürlich.

Da gibt es für mich keine fließenden Grenzen. Das ist der Unterschied zwischen Freiheit und Diktatur.

Nun, das ist meine Einstellung. Wenn Du das anders siehst kann man darüber kaum streiten. Es gibt verschiedene Vorstellungen über die Rechte des Individuums und des Staates, aber sicherlich keine Wahrheiten. Für mich geht das Individuum vor, immer - und die Aufgabe des Staates ist es die kleinste aller Minderheiten zu schützen: das Individuum.

Liebe Grüße

Mike

Beim Lesen des Dianetik-Buches von Hubbard (hat mir nichts gegeben...) ist bei mir der Eindruck entstanden, es handelt sich eher um eine Form des Versuchs alternativer Psychologie/ Psychiatrie, als um eine Kirche/ Religion... Aber richtig abkotzen kann man erst bei Hubbards ScienceFiction-Romanen, militaristischer Müll.
Tom Cruise und John Travolta sind richtig fürchterlich, aber es gibt auch einen Scientologen, den ich mag: Roger Waters, neben Syd Barret das zweite Genie der Uraltband Pink Floyd. Am deutlichsten pro-Scientology wurde er mit der Soloproduktion "Amused to Death", da ist u.a. das Instrumentalstück "Ballad of Rob Hubbard" drauf.

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