Tue was du willst!
Auf der Homepage der Giordano Bruno Stiftung (Stiftung zur Förderung des evolutionären Humanismus) ist zu lesen: "Wir leben in einer Zeit der Ungleichzeitigkeit: Während wir technologisch im 21. Jahrhundert stehen, sind unsere Weltbilder mehrheitlich noch von Jahrtausende alten Legenden geprägt. Diese Kombination von höchstem technischen Know-how und naivstem Kinderglauben könnte auf Dauer fatale Konsequenzen für unsere Spezies haben. Wir verhalten uns wie Fünfjährige, denen die Verantwortung über einen Jumbojet übertragen wurde."
Irgendwie scheint den Jungs entgangen zu sein, daß auch die Vernunft sich mittlerweile als Legende erwiesen hat. Gott ist tot. Aber die Vernunft hat sich als unvernünftig herausgestellt und ist - zusammen mit Wissenschafts- und Fortschrittsglaube - genauso tot wie alle anderen Götter.
Anders gesagt: Der Glaube an die Vernunft beruht genauso auf der Objektivitätshypothese (es gibt objektive Wahrheit) wie der Glaube an Gott und ist genauso naivster Kinderglauben. Wir beschreiben uns und die Welt und beschreiben Beschreibungen. Egal wie oder wieviel wir beschreiben, zu einer unbeschriebenen objektiven Realität, wenn es diese denn geben sollte, können wir nicht vorstoßen - weil wir immer nur Beschreibungen finden.
Wenn das so ist, dann sind die Beschreibungen der Religion genauso wie die Beschreibungen der Vernunft - eben: Beschreibungen, weiter nichts. Man kann, muß aber nicht (wer wollte denn das Müssen vorgeben?) Beschreibungen nach Brauchbarkeit für Zwecke, als Werkzeuge, sortieren. Dann sind vernünftige Beschreibungen zum Autofahren besser geeignet als religiöse Beschreibungen. Aber religiöse Beschreibungen sind eben für viele Menschen ein besseres Werkzeug um Seelenruhe zu finden. Mit welchem Recht, will man ihnen das bestreiten?
Religiöser Fundamentalismus ist zum Kotzen. Der Fundamentalismus der Vernunft ist genauso zum Kotzen. Keine Gewalt, darauf können wir uns vielleicht im Eigeninteresse einigen, und ansonsten: Tue was du willst.
Wie nennt man das doch gleich? Richtig: Thelema!
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Kommentare
Vernunftkritik
Der Glaube an die uns als wirklich erscheinende Welt ist in meinen Augen nicht der Einwand gegen die Vernunft (ratio). Auch wenn wir nicht das Sein von der Welt uns bestimmen können, so sind wir doch in einer Welt gefangen, die wir als gesetzt ansehen, weil sich unser Handeln auf sie auswirkt und umgekehrt. Wenn es diese naive Gesetztheit nicht gäbe, würden wir auch nicht wollen können. Wollen bewirkt Veränderung der Umgebung. Die Vernunft (als Gewissheit) kann sich dem Menschen unterordnen. Wenn jemand Geld erlangen will, dann kan ihm die ratio dabei unterstützen.
Das Problem besteht darin, dass sich Vernunft als in sich geschlossen ansieht. Der Vernunftglaube besteht darin, dass das Gefühl ausgeschlossen wird. Alles steht im Dienste des lenkenden und beschreibenden Verstands. Ein weiterer Systemfehler besteht darin, moralische Parameter zu entwickeln und diese auf den Menschen zu übertragen. Ihr innerer Widerspruch äußedrt sich darin, dass sie die irratio leugnet, obwohl die irratio die treibende Kraft ist.
Ich stzimme Dir in der Konsequenz zu:
Ketten wir die Vernunfthunde an, lassen wir den Löwen des Willens sein Werk tun!