Der Kunde zahlt!

"Wer voll arbeitet, muss davon anständig leben können", erklärte der SPD-Parteivorsitzende Kurt Beck in der "Bild am Sonntag".

Tja, bin ich auch dafür. So sollte es sein. Aber "muss"? Kann es sein, daß Herr Beck nicht versteht wie Wirtschaft funktioniert?

Da Herr Beck sich so schwammig ausdrückt wird nicht klar wieviel Arbeit "voll arbeitet" sein soll. Genausowenig wird deutlich wieviel Geld zum "anständig leben" gehört. Immerhin benennt Beck in dem Interview einen Stundenlohn von etwa 8.-- Euro der ihm so vorschwebt.

Ein Stundenlohn von 8.-- Euro kostet die Firma die diesen Stundenlohn zahlen muß einschließlich aller Steuern, Abgaben, Sozialleistungen etc. rund 16.-- Euro. Wer zahlt diesen Lohn? Die Firma? Falsch!

Eine Firma stellt Waren her. Für die Herstellung muß Rohmaterial eingekauft werden und Arbeiter die das Rohmaterial zum Produkt verarbeiten müssen bezahlt werden. Nehmen wir an, daß ein Arbeiter pro Stunde ein Stück  Ware herstellt und dafür Rohmaterial für  4.-- Euro verbraucht. Die Herstellungskosten betragen also 20.-- Euro.

Damit die Firma nicht pleite geht - und dann gar keine Arbeiter mehr bezahlen kann - muß die Ware für mindestens 20.-- Euro verkauft werden. Die Ware wird nun auf dem Markt angeboten. Nehmen wir der Einfachheit halber an, daß die Ware direkt dem Endverbraucher (Kunde) angeboten wird. Wenn der Kunde die gesamte hergestellte Ware kauft, können Rohstoffe und Arbeiter bezahlt werden. Wenn nicht, dann nicht. So einfach ist das.

Was geschieht, wenn der Kunde nicht bereit ist 20.-- Euro zu zahlen, sondern die Ware nur für 12.-- Euro kaufen würde? Die Ware bleibt entweder liegen und die Firma geht pleite oder sie muß den Verkaufspreis auf 12.-- Euro senken. Im letzteren Fall geht sie auch pleite oder sie muß Kosten sparen, bei den Rohstoffen oder bei den Arbeitern, um die Ware für 12.-- Euro herstellen zu  können. Vielleicht kann die  Firma bei den Rohstoffen noch einige Cents rauskratzen, aber  die Rohstoffe werden auch von Arbeitern hergestellt, die dadurch weniger verdienen würden. Letztlich hat die Firma nur die Wahl ihren Arbeitern zu sagen: Wie können euch nur weiter beschäftigen, wenn ihr künftig für 4.-- Euro pro Stunde arbeitet, ansonsten müssen wir die Firma schließen.

Tja, da haben wir also den Schuldigen gefunden, den Kunden.

Wenn also, wie Herr Beck sagt, wer voll arbeitet davon anständig leben können 'muss', ist die einzige  Maßnahme die das garantieren kann ein Gesetz, welches alle  Kunden verpflichtet, alle produzierten Waren zum Herstellungpreis abzunehmen - was man dann natürlich durch Strafandrohung durchsetzen muß. Es ist offensichtlich: Wenn Sie nicht am Monatsende mit 30 Packungen Waschmitteln aber ohne Lebensmittel da sitzen wollen muß irgendjemand die Produktionsmengen planen und den Firmen zu produzierende Stückzahlen vorgeben. Damit wären wir wieder in einer Planwirtschaft a la DDR gelandet.

Was fordert Herr Beck also? Zurück in die DDR. Deren Wirtschaftssystem ist an der Unfähigkeit jeder Planwirtschaft Nachfrage und Angebot auszugleichen, mehr noch: reale Kosten zu ermitteln, gescheitert. Das kümmert Herrn Beck offensichtlich nicht. Andererseits will er wohl nicht wirklich zurück in die DDR.

Was will er dann? Wählerstimmen! Die Rechnung ist einfach. Von der Forderung nach einem Mindestlohn verspricht man sich Wählerstimmen. Wenn man dann den Mindestlohn so niedrig festlegt, daß nur ein kleiner Teil der Arbeiter betroffen ist, werden einige eine kleine Lohnerhöhung bekommen, wenn das Geld dafür woanders eingespart werden kann, die anderen werden entlassen werden, weil der Kunde die höheren Preise nicht bezahlt.

Das ist ein Spiel bei dem einige Arbeiter etwas mehr Geld bekommen, dafür andere Arbeiter arbeitslos werden und gar kein Geld mehr bekommen.

Sind unsere Politiker nicht - echt -  menschenfreundlich?

Kommentare

Einige arbeiten an der Maschine voll; andere arbeiten als Manager voll. Einige erhalten durch den Mehrwert  an Arbeitskraft ihr Einkommen, wieder andere durch die Beiträge des Sozialsystems.