Demütigung

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 Für mich sehen alle Babys gleich aus und ich weiß wirklich nicht, wie ein Säugling ausschaut, damit man sagen kann, er sei "putzig". Ich erinnere mich aber an meine Kindheit, als ich viel im Garten am Haus spielte und die Nachbarsfrau einen Sohn zur Welt brachte, welcher eben diese Eigenschaften mitbrachte, um putzig zu sein. Offiziell hies der kleine Windelkacker Steffen Pleschinke, wurde aber in den ersten vier Jahren seines Lebens von allen nur "Putzi" gerufen. Da machten die Eltern genausowenig eine Ausnahme, wie die Kaufmannsfrau oder der Bäcker in unserer Straße.

Als sich seine Eltern ein Jahr vor Putzis Schuleinführung besannen, Ihren Sohn doch liener Steffen rufen zu wollen, glich dies fast einer Revolution. Sie können sich nicht vorstellen, wie lange es dauerte, bis sich überallhin herumgesprochen hatte, daß aus Putzi ein Steffen geworden war. Manche haben es bis heute noch nicht bemerkt.

Es kann sein, daß Steffen auch deshalb seinen Wohnsitz geändert hat. Inzwischen ist er Doktor der Mathematik und wenn ich mich nicht irre, lehrt er an einer Uni ebenselbiges Fach.

Jetzt stellen sie sich bitte mal folgendes Szenarium vor. Herr Dr. St. Plenschinke steht auf dem Campus und diskutiert mit seine Studenten irgendwelche mathematischen Probleme. Just in diesem Augeblick kommt die Dorfklatschtante bzw. der Dorftrottel aus seiner Heimat und ruft aus großer Entfernung:"Hallo Putzi! Schön dich mal wieder zui sehen."

Nee, da muß nicht einmal böse Absicht dahinterstecken und wenn man es recht bedenkt, eine Beleidigung ist es auch nicht. Aber glauben sie, daß der Dr. Pleschinke jemals wieder einen Fuß auf den Boden bekommz?

Gut, gut, da war ein fiktives Beispiel, aber es geht auch konkret. Wie bei vielem, so ist auch hier die Agentur für Arbeit, welch großer Begriff für diese nichtige Institution, Lieferant für ein schönes Beispiel. Ich darf es ihnen mal erzählen und sollten sie den Eindruck bekommen, daß ich mich aufrege und wütend bin, so liegt das wahrscheinlich daran, dass ich mich aufrege und auch deswegen wütend bin.:

Bevor sie meine Wut vielleicht mit mir teilen, erst noch ein einleitender Gedanke. Viele Frauen in unserer Republik haben einen sogenannten "Mädchennamen", was nicht zuletzt daran liegen mag, daß sie irgendwann einmal geheiratet haben. Je länger sie verheiratet sind, umsomehr gerät dieser Mädchenname in Vergessenheit und manche Frauen haben diesen fast schon vergessen. Warum sollten sie auch den Mädchennamen ewig speichern, dafür wurde der Ausweis bzw. der Computer erfunden und außerdem sind bei manchen Frauen nicht nur positive Erinnerungen mit dem Namen, den sie ehedem trugen, verbunden, Ihre Kariere jedenfalls begann nach deren Hochzeit unter dem heutigen Namen.

Doch zurück zu dem Fall, den zu schildern ich vorhatte. Durch schlampigen Umgang mit irgendwelchen Daten passierte es, daß es in der Familie Berger zu massiven Problemen kam, die nur auf der Agentur für Arbeit, welch stolze Bezeichnung aber auch, behoben werden konnten und mußten. Was immer das auch bedeuten mag, eilte Frau Berger deshalb 'stehenden Fußes' zur Agentur, um sich in die endlose Warteschlange einzureihen. Der Gedanke, ob dieser Fall vielleich auch hätte telefonisch geklärt werden können, ist nichtig, denn jeder weiß, daß das Personal der Agentur für Arbeit, welch ..., nicht mit Telefonen umzugehen vermag und die Apparate sich deshalb dort einen Wolf klingeln lassen. Der Leiter der Agentur, ich weiß jetzt nicht, ob ich alles so recht verstanden habe, jedenfalls kennt wohl den Schwiegersohn des Onkel von Frau Bergers Ehemann. Dieser wiederum hat ihm den Mädchennamen von ihr verraten. Inwieweit Restalkohol oder der untaugliche Versuch, humorvoll zu sein, nun maßgebend sind, sei dahingestellt, auf jeden Fall entblödet er sich doch, sein nutzloses Wissen anzuwenden und Frau Berger bei ihrem Mädchennamen aufrufen zu lassen und in sein Zimmer zu bitten. Es geht niemanden etwas an, warum, aber Frau Berger fühlte sich arg gedemütigt und in gewisser Weise auch verhöhnt.

Ich möchte deshalb an dieser Stelle einmal fragen, was sich die Leute der Agentur für Arbeit, welch stolze Bezeichnung aber auch, alles herausnehmen dürfen?! Wahrscheinlich sind sie der Meinung, daß sie, weil sie Arbeit haben und der Kunde auf der anderen Seite des Schreibtisches nicht, es diesen auch merken lassen müssen. Aber hört mal her: Ihr lebt von unserer Arbeitslosigkeit!

Es ist nur eine Theorie, wenn auch sehr begründet, hätte Herr Dr. Pleschinke dort im Wartezimmer gesessen, irgendeiner hätte durch den Lautsprecher gerufen:"Putzi, bitte!"

 Überall, wo das ehemalige putzige Baby, Steffen, auftauchte, wurde er mit Putzi angesprochen.

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Schreiben von AgapeXI
Dankeschön. Aber... von Punxatan