Die päpstliche Vernunft
Nun hat der Papst also sein neues Buch herausgebracht. Wieder will er uns belehren, was denn die universale Vernunft und die wahrhaftige Wahrheit sei. Nein, er macht es nicht so dumm wie die Kreationisten, er lehnt die wissenschaftliche Wahrheit nicht einfach ab. Ratzinger ist intelligenter, er anerkennt die Leistungen der Wissenschaft - will aber einen Fuß in der Tür zur Wahrheit behalten, einen religiösen (Klump?) Fuß.
Ratzingers Trick besteht darin, die spezifisch religiöse Vernunft als die eine, alternativlose und universale Vernunft anzubieten - und auf diese müßten sich doch Wissenschaft und Religion - vernünftigerweise - einigen können.
Die Mär von der einen universalen Vernunft ist bekanntlich im letzten Jahrhundert gründlich dekonstruiert worden. Vernunft ist, wenn überhaupt, nur noch systemrelativ zu haben. Wirtschaftliche, politische, rechtliche, wissenschaftliche und religiöse Vernunft sind völlig verschiedene Vernünfteleien. Was wirtschaftlich ertragreich (vernünftig) ist, mag politisch oder wissenschaftlich Selbstmord (unvernünftig) sein.
Für Wahrheit ist in der modernen Gesellschaft die Wissenschaft zuständig, genauso wie die Wirtschaft für Knappheitsminderung und die Politik für kollektiv bindende Entscheidungen. Das waren im Mittelalter noch Funktionen die ganz oder teilweise von der Religion wahrgenommen wurden - und da glaubte man auch noch an die eine universale Vernunft.
Die Religion hat ihre eigene religiöse Vernunft. Religiös vernünftig ist das, was das Religionssystem als religiös vernünftig ausflaggt. Die Wissenschaft hat ihre eigene wissenschaftliche Vernunft. Wissenschaftlich vernünftig ist das, was Wissenschaft sich als vernünftig zurechnet. Genauso steht es in der Kunst, der Politik, der Liebe usw. Thats all mit der Vernunft.
Ratzinger möchte nun gern, daß die Religion das wissenschaftliche Verständnis von Vernunft mitbestimmt, genauer: Die Wissenschaften sollen - wenigstens partiell - die religiöse Vernunft benutzen. Natürlich wäre das der sofortige Selbstmord der Wissenschaft: sie wäre nur noch Magd der Theologie.
Die Strategie ist klar. Im Mittelalter war die Philosophie die Magd der Theologie. Aber wen interessiert heute noch , wenn es um Wahrheit geht, Philosophie? Richtig, deshalb muß Ratzinger versuchen die Wissenschaften zu infizieren.
Wird es gelingen? Ich glaube nicht. Die Wissenschaftler werden sich wehren können.
Was bleibt? Mitleid mit dem alten Mann in seinem kalten Palast und seinem Kampf gegen Windmühlenflügel.
Don Quijote der wievielte?
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Kommentare
Hi TauPan
schön Dich zu lesen! Du hast Recht, die Zunft ist viel lustiger und spannender als der Papst - genau deshalb könnte er da was lernen :-)